Rathaus wird zur Großbaustelle

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Das Rathaus soll ab Mai 2017 für rund neun Millionen Euro von Grund auf saniert werden. Das Land hat eine Förderung in Höhe von 80 Prozent zugesagt. Auf die Mitarbeiter und die Bürger kommt also eine Baustellen-Zeit zu. (Foto: Michael Kaprol)
 
Der Technische Dezernent Norbert Höving, Dieter Giebelstein, Leiter Immobilienwirtschaft, und Oberbürgermeister Bernd Tischler (v.li.) stellen die Umbaupläne vor. (Foto: Michael Kaprol)

Der gute Ruf Bottrops als Innovation City hat geholfen, da ist sich Oberbürgermeister Bernd Tischler sicher. Das Land hat der Stadt Fördermittel in Höhe von 80 Prozent für eine grundlegende Erneuerung des Rathauses zugesagt.


Diese Sanierung hat das historische Gebäude auch dringend nötig. Außer der Reparatur des mittleren Dachstuhls nach einem Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg ist das Rathaus, das in zwei Bauphasen im Jahr 1877/1878 und in den Jahren 1913 bis 1916 errichtet wurde, noch nie grundlegend saniert worden. Von den auf etwa neun Millionen Euro geschätzten Kosten entfallen 7,7 Millionen Euro auf Planung und Bau, 1,3 Millionen Euro müssen für die Umzüge und zwischenzeitliche Unterbringungen gerechnet werden.

Für die 7,7 Millionen Euro Baukosten erhält die Stadt Bottrop eine Landesförderung in Höhe von 80 Prozent. Ob auch die Umzugs- und Zwischenunterbringungskosten bezuschusst werden, wird in Gesprächen derzeit noch erörtert. Die Kosten für die Provisorien und der städtische Eigenanteil sollen durch die zu erwartenden Energiekosteneinsparungen von etwa 28.000 Euro pro Jahr teilweise refinanziert werden.

„Wir müssen etwas tun, zuwarten ist keine Option“, sagt Oberbürgermeister Bernd Tischler. Untersuchungen haben ergeben, dass ein weiteres Hinausschieben der Arbeiten Schäden an der Gebäudesubstanz verursachen würde.

Ab Mai 2017 sollen in einer geschätzten Bauzeit von eineinhalb Jahren Dach und Kellerdecke gedämmt werden, die Heizungsanlage muss ebenso erneuert werden wie die Stromleitungen, ebenso alle Wasser- und Abwasserrohre und eine große Zahl der zum Teil noch einfach verglasten Fenster. Diese energetischen Sanierungen sollen Einsparungen in Höhe von 40 Prozent beim Energieverbrauch bringen.

Ob das Gebäude in dieser Zeit komplett leergezogen wird oder ob die Arbeiten abschnittsweise verlaufen können, sollen jetzt Fachleute prüfen. Wahrscheinlich ist aber die Variante, dass alle Dienststellen des Rathauses ausgelagert werden. „Man kann zum Beispiel eine Heizung nur als Ganzes erneuern“, gibt Dieter Giebelstein, Leiter des Fachbereichs Immobilienwirtschaft, zu bedenken. Außerdem müssten für jeden neuen Bauabschnitt neue Brand- und Fluchtwege eingerichtet werden. Dies alles würde wohl zu einer längeren Bauzeit und damit zu höheren Kosten führen.

Als Ausweichstandorte stehen städtische Verwaltungsgebäude an der Böckenhoffstraße, einige Büroflächen im RAG-Gebäude sowie der Saalbau zur Diskussion. Schließlich wollen nicht nur die Ämter umgesiedelt sein, auch Ratssitzungen und zwei Wahlen im Jahr 2017 müssen gewuppt werden.

Schließlich: der Denkmalschutz. Das Rathaus soll nach der Renovierung zwar im Inneren modern sein, aber immer noch historisch aussehen. Das bedeutet zum Beispiel, dass die großflächigen Holzvertäfelungen behutsam abgebaut, eingelagert und am Ende wieder an ihren Platz gebracht werden müssen.

Und jeder Hausbesitzer weiß, dass eine Renovierung noch so gut geplant sein kann, der Teufel steckt im Detail. „Keiner weiß, ob beim Abziehen der Tapete der Putz runterkommt“, so Dieter Giebelstein. Meistens tut er es.
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