Dinslaken: Bahnhof ohne Taxis und Abholer?

Sieger-Entwurf Neugestaltung Bahnhofsvorplatz. Quelle: Stadtverwaltung.
  • Sieger-Entwurf Neugestaltung Bahnhofsvorplatz. Quelle: Stadtverwaltung.
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Auch das noch: Baudezernent will Vorplatz „neu gestalten“ - Entwürfe in der Neutor-Galerie - Ein Fahrradparkhaus?

Kaum hat sich zum jahrelang verschleppten Bahnhof-Lifteinbau der verzö­gernde Regio-Beauftragte selbst für den „Spatenstich noch in diesem Jahr“ angekündigt, droht der Nahverkehr-Anbindung der Stadt neue Unbill?

Will Baudezernent Palotz durch Umbau auch dem Vorplatz den Rang nehmen, der zu einem echten Bahnhof (nun „Kategorie-Servicepoint-Haltepunkt) gehörte: Eine Busspur weg und Taxis verlegt usw.?
Proteste beginnen.

Der Bahnhofs-Vorplatz ist genauso in die Jahre gekommen wie die Stadthalle, die ja nun aus Brandschutzgründen vorzeitig vom TÜV Nord stillgelegt – mindestens ein Jahr länger kein Geld für ihre klamme Stadt verdienen kann. Bevor mögliche Fördermittel die seit Jahren immer wieder verschobene Sanierung nachträglich ermöglichen sollen. Dass die Sanierungskosten durch die Verschiebungen von 2007 noch 6,5 Millionen auf nun wohl über 20 Millionen (!) ansteigen werden, ist nur eine traurige Nachricht mehr, die diese Stadt verkraften muss.(Siehe lokalkompass.de/601178 und lokalkompass.de/492170 ).

Als wäre dies nicht genug: Gemeinsame Termine mit Anwohnern und Geschäftswelt, die grundsätzlich nichts gegen eine Verschönerung am Bahnhof hätten, standen auch im Zeichen der Erfahrungen mit den ebenfalls als „Verschönerung“ gemeinten Umbauten für rund 1,8 Millionen Euro im Stadtpark nebst einst beliebten Ententeich. Hier ist statt gemütlicher Grüner Lunge und gepflasterten Wegen nun splitt-geteerte „Fußläufigkeit“ mit Parkplatz-Charme entstanden. Parkraum, der künftig wiederum ja auch nun am sanierungsreifen Bahnhof fehlen wird, geht es ernsthaft nach dem Sieger-Entwurf eines Architektur-Wettbewerbes.

Einige Anwohner hatten beim Ideen-Austausch mit der Stadtverwaltung vorgeschlagen, die Bäume und Büsche schöner zu beschneiden, die eklige Bahnhofstoilette endlich mal in einen benutzbaren Zustand zu versetzen. Und für manche alkoholisierten Mitbürger andere Übernachtungs- und Aufenthaltsorte zu schaffen, als im türlos-zugigen Bahnhofsgebäude oder auf dem Vorplatz. All diese Bürger-Vorschläge waren auch finanziell überschaubar.

Verschönerung bei bewährten Strukturen

Denn die Anbindung der Bahnnutzer an öffentliche Verkehrsmittel wie Busse, Straßenbahn, Taxis und Parkplätze zum Anreisen oder Abholen hat all die Jahrzehnte gut funktioniert. Kurz: Verschönern bei bewährten Strukturen war und ist der Wunsch vieler Anlieger.

Dann ging aber alles seinen „stadtverwaltungstechnischen Gang“: Ein Architektur-Wettbewerb wurde ausgeschrieben. Eine Jury aus Bürgermeister Michael Heidinger, Baudezernent Thomas Palotz, Stefan Buchmann (Vorsitzender Planungsausschuss), Landschaftsarchitekt Christian Jürgensmann und Prof. J. Alexander Schmidt (Uni Duisburg), kürte zwei auswärtige Entwürfe zu Siegern.

Die aber beide weltfern nun gar keine schnelle und unkomplizierte Bahnnutzung mehr zulassen wollen, auf die die Region (so wie auf den Lift) seit langem wartet: Beide Architekten wollen die noch nicht verschreckten Bahnkunden gar nicht mehr bis zum Bahnhofsgebäude vorfahren lassen. Selbst wenn nach Jahrzehnten endlich ein Lift Bahnfahrer mit schwerem Gepäck, Behinderte und Eltern mit Kinderwagen etc. von und zum Gleis transportieren sollte, jetzt soll ernsthaft eben all jenen eine neue Beschwerlichkeit in den Weg gelegt werden - der Zugang wäre nun nicht mehr direkt zu erreichen!

Da wirkt es in verquerer Logik auch nur konsequent, dass auch der Taxistand direkt vor den längst von der DB herausgebrochenen Bahnhofs-Türen wegfallen soll. Auch die dritte, so sinnvoll genutzte Bus-Spur ist nicht mehr vorgesehen.

Für Fern-Reisebusse, die ihre Reisenden seit Jahren am Bahnhof einsammeln, ein Riesen-Nachteil. Viele Fahrer parken am Vorabend dort ihren Bus, übernachten in den nahen Hotels und gehen dann im Zeitalter neuen Fernbusverkehrs früh morgens ausgeruht mit ihrer Kundschaft auf die lange Reise.

Angesprochen auf diese Nachteile für Pendler und Reisende erklärte Baudezernent Dr. Thomas Palotz lapidar: „Ein Individualverkehr werde nicht stattfinden.“

Und das Planungsbüro Planorama: „Bisher vor allem der Abwicklung von Verkehren vorbehaltene Flächen werden als innerstädtische Freiräume für die Bewohner und Besucher der Stadt zurückgewonnen und zeitgemäß aufgewertet.“

Ein verkehrsfreier „innerstädtischer Freiraum“ statt der weltweit üblichen Kiss-Goodbye-and-Welcome-Parkzone für Bringer und Abholer?

Was sollte denn auf einem Bahnhofsvorplatz stattfinden, wenn nicht die Anbindung des Individualverkehrs an den zu unterstützenden Öffentlichen Nahverkehr?

Von caro dai

Abstrakt „innerstädtische Freiräume“ gibt es an idealen Plätzen genug zu schaffen.
Man kann aber auch vorhandene Städtische Parks als Freiräume vernichten, so wie ja soeben der Stadtpark samt Ententeich in den Augen vieler Dinslakener durch „zeitgemäße Ertüchtigung“ verhunzt wurde.
Ein irgendwann einmal funktionierender Bahnhof soll den Bewohnern einer Stadt die möglichst optimale zentrale Anbindung in andere Städte und an andere öffentliche Verkehrsmittel ermöglichen.

Weltweit üblichen: Kiss+Goodbye-Parkzone

Dazu gehören weltweit auf dem Bahnhofsplatz Busse, Taxis, Parkplätze für Abholer wie für Reisende, die ihr Auto am Bahnhof stehen lassen, um nach Rückkehr weiterfahren zu können. Das hat sich in Dinslaken über Jahrzehnte bewährt. Man hat eigens aus genau diesem Grunde die Duisburger Straßenbahn bis genau hierhin verlegt, als die Walsumer Bahnstrecke schloss.
Wenigstens der Pavillon an dieser Straßenbahn-Haltestelle steht glücklicherweise unter Denkmalschutz und die Umleitung der Straßenbahn geht auch nicht so ohne weiteres (Wendeschleife der Endhaltestelle). Sodass wenigstens der einst als Begründung herangezogene „kurze Weg vom Bahngleis bis zur Straßenbahn“ erhalten bliebe.
Gewonnen hat übrigens der Entwurf des Berliner Planungsbüros Planorama gemeinsam mit Hoffmann-Leichter Ingenieurgesellschaft mbH und Herbert Hussmann Architekten (siehe abgebildeter Grundriss).
Das für die DB verwaltungstechnisch längst innen abgetrennte Bahnhofsgebäude selbst will sich die Stadt möglicherweise von der Bahn verkaufen lassen. Und nach der Umgestaltung an die Bahn zurückvermieten, so dass unterm Strich „keine zusätzlichen Kosten für die Stadt entstünden“ hofft die Verwaltungsspitze. Anstatt die Bahn zu zwingen, für ein vertretbares Bahnhofs-Aussehen zu sorgen.
Passend zur „Haltestelle Schilda“ – so Spötter über die Palotz-Pläne - wird ja ohne Not auch die Bahnstraße gerade umgestaltet (lokalkompass.de/614908) und wäre dann sozusagen „hintenrum“ die Hauptzufahrt zum Bahnhof, womit sie nach Jahrzehnten ihren Namen zu Recht trägt.

Zierkirschen-Paradies statt Verkehrs-Anbindung

Das Bahnhofsgebäude selbst soll laut Planorama durch eine mehrstöckige Fahrradgarage (!) mit 300 Plätzen (!) „erweitert“ werden. Die „Anmutung“ (so die Pläne) enthält auch viele rosafarbene Zierkirschen auf dem Weg zum Bahnhof.
Und der Baudezernent hofft, dass „die Anzahl der Parkplätze dadurch insgesamt nicht deutlich reduziert werden muss“.

Keine Parkplätze mehr für Orthopädie-Patienten

Die 300 Fahrräder könnten nach diesem Entwurf von beiden Seiten in ihr Parkhaus fahren. Die Auto-Parkplätze vor den Arztpraxen und der Apotheke entfielen, da auch dort weitere Kirschbäume die Allergiker in die Apotheke treiben sollen. Keine gute Nachricht für ältere Orthopädie-Patienten, die nicht gut zu Fuß sind und nicht Fahrrad fahren können oder wollen. Bei Ärzten keine Seltenheit.

Der zweitplatzierte Entwurf vom Team club L94 Landschaftsarchitekten aus Köln, teilt den ehemaligen Platz - von der Friedrich-Ebert-Straße aus gesehen - in zwei Hälften: Links soll eine langgezogene Dachkonstruktion entstehen, unter der künftig Linien-Busse abfahren sollen. Was aber nicht nur aus der Sicht der Stadtverwaltung keine gute Lösung wäre: Weil der Busverkehr dann ja über den Bahnhofsvorplatz laufen müsste. Auch der denkmalgeschützte Pavillon stünde im Schatten des riesigen Dachs.

Noch Anfang 2016 will die Stadtverwaltung in Verhandlungen entscheiden, mit welchem Preisträger und ausführendem Büro an der Planung „weiter gearbeitet“ werden soll. Bis Ende 2016 soll dann ein endgültiger Entwurf für die Beantragung entsprechender Fördermittel vorlegt werden. Würden diese tatsächlich bewilligt, könnte schon 2017 mit der Beseitigung des Bahnhofsvorplatzes begonnen werden.

Wie immer soll nun auch die Öffentlichkeit an diesem wichtigen Stadtentwicklungsprojekt nach der Planungsvorlage beteiligt werden. Deswegen sind alle 15 eingereichten Entwürfe bis zum 22. Januar in der Neutor-Galerie zu sehen.
Die Stadtverwaltung „freut sich auf regen Zuspruch“ und viele Ideen.
Wie wäre es mit sinnvollen?

Autor:

Caro Dai aus Essen-Werden

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