Krimi-Rhetorik mit Frank Wittke und "Bruce Willis"

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Rhetorik-Kriminalist Frank Wittke weiß ganz genau, wie Redner ihre Zuhörer fesseln können. (Foto: C. Araouzou)
 
(Foto: C. Araouzou)
Dortmund: Ost-Anzeiger Redaktion |

„Meine Waffe ist das Wort“, sagt Frank Wittke. „Ich will das Kribbeln eines Krimis auf Alltagsgespräche übertragen.“ Der Diplom-Journalist und Organisationspsychologe erklärt, wie jeder Spannungselemente der Krimi-Rhetorik für sich nutzen kann.

„Meine Idee der Krimi-Rhetorik entstand, als ich noch viel für Film und Fernsehen gearbeitet habe. Als Radio- und Fernsehreporter habe ich viele spannende Interviews geführt und mich irgendwann gefragt, warum viele Konferenzen nicht spannend sind“, erzählt Frank Wittke. „Dabei muss man den Zuhörern gleich am Anfang einen guten Grund bieten, aufzupassen, sonst hat man sie verloren. Das sensorische Gedächtnis, das sich nur zwei Sekunden lang etwas merkt, braucht einen Reiz, um die gehörte Info ans Kurzzeitgedächtnis und dieses ans Langzeitgedächtnis weiterzugeben.“

„Das erste Gebot für einen Redner lautet: Du darfst nicht langweilen“, meint Wittke schmunzelnd. „Das gilt sowohl für den beruflichen als auch den privaten Bereich. Selbst ein Vorstellungsgespräch oder die Präsentation eines Staubsaugers kann spannend wie ein Krimi präsentiert werden!“

Wichtig ist der Anfang eines Gesprächs oder Vortrags. „Bei den meisten Krimis sieht der Zuschauer am Anfang gleich die Tat oder eine ungewöhnliche Situation. Genauso sollte man es auch bei einer Rede halten: An den Anfang gleich einen Knaller setzen, der die Zuhörer fesselt. Sonst schaltet dieser in ‚Stand-by‘.“ Zum Beispiel kann man einen Vortrag über Hygiene in der Küche mit einer einfachen Vorstellung des Themas beginnen. Eine spannendere Variante wäre es dagegen, kleine Figuren auf den Tisch zu stellen, die die Bakterien darstellen, und dazu erklären, dass diese sich alle auf dem Geschirr befinden. „Das überrascht die Leute“, sagt Wittke. „Geschickt ist es auch, bei etwas einzuhaken, was die Zuhörer schon kennen. Damit weckt man Interesse.“

Ein Redner sollte auch am Anfang nicht zu detailliert reden. „Bei einer Veranstaltung, die den ganzen Tag dauert, sollte man nicht auf die Minute genau erläutern, wann was gemacht wird und von wann bis wann die Pausen gehen“, erklärt Wittke. „Zu Beginn darf nicht schon alles verraten werden, da es auch einen Krimi langweilig machen würde, wenn man den Täter von Anfang an kennt. Ausnahme: Columbo! Dort wird eine andere Spannungstechnik namens Suspense angewandt, bei der Spannung über eine längere Zeit aufgebaut wird. Der Zuschauer weiß mehr als der Inspektor und fragt sich die ganze Zeit: Warum hat der Täter das gemacht? Und wie will er Columbo entkommen? In vielen Filmen von Alfred Hitchcock funktioniert das ähnlich. Aber auch das kann man auf einen Vortrag übertragen, indem man den Zuhörern Stück für Stück eine Erklärung gibt.“

Große Fallhöhe bei „Derrick“

Eine weitere Technik in Krimis ist die so genannte „Fallhöhe“. Die Ereignisse spielen zum Beispiel in der Serie „Derrick“ in gut betuchten Verhältnissen und für den Zuschauer ist es spannend zu sehen, wie ein in der Gesellschaft höher stehender Mensch abstürzt. „Hier wird mit Kontrasten wie gut und böse gearbeitet. Das kann auf den eigenen Alltag übertragen werden, indem man bei Vorträgen fragt: ‚Was ist?‘ und ‚Was könnte sein?‘ “

Genau wie den Anfang darf man aber auch das Ende eines Vortrags nicht stiefmütterlich behandeln. „Bei einer Pause sollte der Redner nicht einfach nur sagen: Jetzt ist Pause, Sie können was essen. Dann verspäten sich alle. Man muss mit einem Cliffhanger arbeiten und seine Zuhörer neugierig machen, was folgt. Dann sind bestimmt alle pünktlich!“

„Bruce Willis“ ist auch mit an Bord

Einen besonderen Pluspunkt kann das Hörbuch zudem mit der Stimme bieten: „Ich konnte Manfred Lehmann, die Synchronstimme von Bruce Willis, mit ins Boot holen. Dadurch kommt nochmal besondere Dynamik in das Gesagte.“
Selbst das Kasperletheater arbeitet nach dem Spannungsprinzip. „Wenn das Krokodil Kasper fressen will und der tut so, als wenn er es nicht merkt, rufen alle Kinder ganz aufgeregt: Vorsicht, Kasper! und fiebern mit. Genauso funktioniert es bei einer Rede. Wir wollen uns nicht langweilen, das ist das Schlimmste, was es gibt.“

Weitere Infos zum Thema gibt es auch auf Frank Wittkes Homepage.
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