VfL vor dem Saisonstart: "...dann ist es auch möglich, wieder aufzusteigen!"

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Gewappnet für den Ligastart? Im letzten Testspiel gegen den HSV gewann der VfL Bochum 1:0. Foto Molatta
 
Trainer Gertjan Verbeek gilt als ehrgeizig und will mit dem VfL nach oben - auch dank der neuen "VfL-DNA". Foto: Molatta
   
Stürmer Peniel Mlapa soll mithelfen, den VfL nach oben zu schießen. Foto: Molatta
Bochum: Ruhrstadion |

Im zweiten Teil des großen VfL-Interviews zum Saisonstart spricht VfL-Sportvorstand Christian Hochstätter über die Chancen und Ziele in der neuen Saison und verrät, wie der VfL mehr Fans ins Stadion locken will.

Die Testspiele legen nahe, dass der Trainer schon früh eine Art Stammelf gefunden hat, in der sich defensiv die bewährten Kräfte aus der letzten Saison wiederfinden.
Das ist wenig verwunderlich, weil sie sich bereits als Stammspieler bewiesen haben. Und sie gehen durch eine Vorbereitung unter Gertjan Verbeek ganz anders als Spieler, die aus anderen Klubs neu zu uns gekommen sind. Die meisten kennen die Art, wie Verbeek trainiert, so nicht. Andere Trainer legen in der Vorbereitung mehr Wert auf Ausdauer. Das trainiert unser Coach nicht im Sinne von Waldläufen, sondern alles mit Ball. Und er arbeitet sehr viel an den Geräten im Kraftraum. Wenn du das nicht gewohnt bist, wirst du nach drei Wochen merken, dass die Beine müde werden. Dazu kommt unsere Art, Fußball zu spielen: Du musst nach vorne denken, mutig denken. Das ist innerhalb von drei Wochen kaum zu schaffen.

Die Art des mutigen Offensivfußballs haben Sie als VfL-DNA beschrieben. Wie viel dieser DNA steckt denn in der aktuellen Mannschaft?
Die Mannschaft hat diese DNA grundsätzlich, weil wir davon nicht abgehen werden. In den Testspielen ist es uns teilweise schon sehr gut gelungen, das auch zu zeigen. Es fehlt noch ein Tick, das hat aber auch mit der körperlichen Verfassung zu tun. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass du deine Top-Fitness erst nach fünf Spielen hast. Die bekommst du erst, wenn du wirklich an die Grenze und darüber hinausgehst. Aber ganz generell: Auf diese VfL-DNA, von der wir sprechen, wird der VfL vom Jugend- bis zum Lizenzspielerbereich immer Wert legen. Zumindest so lange ich als Vorstand tätig bin, wird das so sein. Ich bin davon überzeugt und glaube an den Erfolg. Reaktiver Fußball ist nicht das, was ich sehen will.


"Die Fans zurückzugewinnen, ist nicht ganz einfach"


Wir groß ist Ihre Hoffnung, mit dieser attraktiven Spielweise auch mehr Zuschauer ins Stadion zu locken? Der Trainer und auch Sie hatten Ende der letzten Spielzeit mangelndes Interesse der Bochumer beklagt.
Man darf natürlich nicht vergessen, dass diese Stadt und dieser Verein in den letzten sechs Jahren in der 2. Bundesliga auch Enttäuschungen erlebt haben. Die Fans jetzt zurückzugewinnen, ist nicht ganz einfach. Wir hatten gehofft, es könnte schneller gehen. Aber es scheint seine Zeit zu dauern. Darüber kann man sich ärgern, und wir waren der Meinung, dass wir das mal kundtun müssen. Aber jetzt geht es darum, diese Herausforderung anzunehmen. Man wird nie unabhängig vom Ergebnis sein. Aber dieser Verein muss in dieser Stadt wieder eine Größe sein. Die Marke VfL Bochum 1848 muss wieder so sein, dass die Menschen stolz sind auf diesen Verein und sich damit identifizieren – auch dann, wenn es sportlich mal nicht optimal läuft. Das ist offenbar ein längerer Prozess, aber dann müssen wir eben noch mehr auf die Leute zugehen. Oder man lehnt sich einfach zurück und hofft auf Besserung. Aber das ist nicht unsere Art – wer zu viel hofft, wird zu oft enttäuscht.

Muss sich der VfL Bochum auch als Verein mit mehr Selbstbewusstsein präsentieren?
Wir müssen selbstbewusster werden, was aber nicht in Arroganz ausarten darf. Wir müssen authentisch bleiben. Aber wir müssen uns auch nicht klein machen, weil rechts und links von uns die großen Klubs sind. Ich sehe neben diesen Vereinen eine echte Chance für uns, sonst würde ich diesen Job nicht machen. Wir in Bochum haben etwas zu bieten. Und das müssen wir auch so sagen, zeigen und es entsprechend untermauern. Ich spüre, dass vieles in die richtige Richtung geht. Vielleicht kommt nochmal eine Phase, in der es etwas holpriger wird. Aber auch das kann dazu beitragen, dass sich ein Verein noch mehr findet und Vorstand, Trainer, Spieler und Fans eine Einheit werden. Wenn man zusammen etwas erreichen will, kann daraus Großes entstehen. Wenn jetzt jeder beim VfL hinter dieser Philosophie und diesem Projekt steht, dann ist es auch möglich, wieder aufzusteigen.

"Wir werden den Aufstieg versuchen"



Ein großes Ziel – schon für die aktuelle Saison?

Wann wir dieses Ziel erreichen, kann ich nicht sagen. Es ist ja kein Geheimnis, dass es eher jedes Jahr schwieriger wird, aufzusteigen. 1860 München spielt zum Beispiel seit zwölf Jahren in der 2. Liga und hat Leute, die richtig viel Geld hineingeschossen haben. Aber wir werden den Aufstieg versuchen – so schnell wie möglich.

Wo sehen Sie die Favoriten im Kampf um den Aufstieg?
Natürlich muss man mit den beiden Erstliga-Absteigern Hannover und Stuttgart allein schon aufgrund ihres Budgets rechnen, auch wenn der Druck zugleich enorm hoch ist. Aber die 2. Bundesliga ist unglaublich ausgeglichen. Und es gelingt auch Vereinen mit einem kleinen Etat der Aufstieg, wie Fürth, Paderborn oder zuletzt Darmstadt 98. Das müssen wir uns immer vor Augen halten, denn so etwas ist auch mit dem VfL Bochum möglich.

Was geben Sie aktuell als Zielsetzung für die neue Spielzeit aus?
Zum einen ist unsere Mannschaft noch nicht komplett. Zum anderen wissen wir auch noch nicht, wie die Kader der Konkurrenz am Ende aussehen. Natürlich wollen wir wieder eine gute Rolle spielen, das ist doch ganz klar! Wir haben im letzten Jahr nicht über unsere Verhältnisse gespielt. Da sind wir Fünfter geworden und die Tabelle lügt am Ende einer Saison nicht. Wenn man allerdings wie wir durch den Abgang unserer Offensive 40 Tore verliert, dann tun sich auch andere Vereine schwer, das zu kompensieren. Und zwar Vereine, die deutlich mehr Geld haben. Aber ich bin überzeugt, dass wir wieder eine ordentliche Mannschaft zusammengestellt haben. Gerade für ein junges Team wird es aber auch wichtig sein, wie wir starten.

Zum Auftakt kommt Union Berlin, anschließend geht’s nach Karlsruhe und Würzburg, zuhause warten Hannover und Nürnberg – kein leichtes Startprogramm.

Das kann man so sehen. Allerdings habe ich das im letzten Jahr auch so empfunden, als wir nach Paderborn mussten, die gerade aus der Bundesliga abgestiegen waren, dann gegen Aufsteiger Duisburg gespielt haben und schließlich zum Topfavoriten Freiburg gefahren sind. Und was ist passiert? Wir haben die ersten fünf Spiele gewonnen. Ich sehe das also relativ gelassen. Spielen musst du gegen alle Teams. Wenn man von dem überzeugt ist, was man tut, und auch an die eigene Qualität glaubt, muss man sich jeder Aufgabe stellen.

"Wir müssen den jungen Spielern zugestehen, Fehler zu machen"


Sie haben selbst angesprochen, dass nach dem Umbruch der Start noch etwas holprig sein könnte. Bitten Sie bei den Fans um Geduld?
Der Fan entscheidet selbst, wie er denkt und fühlt. Da hilft kein Bitten. Der eine findet es gut, dass wir Terodde verkauft haben, der andere schlecht. Ich bin doch in einer Position, in der ich es keinem recht machen kann. Also müssen wir Verantwortliche es so machen, wie wir es für richtig halten. Und immer gilt die einfache Regel: Es gibt keinen Ersatz für Erfolg. Um erfolgreich zu sein, muss man fleißig sein und das entscheidende Quäntchen Glück haben. Unsere Mannschaft ist willig, unser Trainer legt sehr großen Wert auf das Kollektiv. Wir haben nur dann die Chance, eine gute Rolle zu spielen, wenn wir auch bis zum Kaderplatz 22 oder 23 als Mannschaft funktionieren. Aber wir müssen den jungen Spielern auch die Geduld und die Zeit geben, sich zu entwickeln. Wir müssen ihnen zugestehen, Fehler zu machen. Sonst wäre es Heuchelei, auf junge Spieler zu setzen. Sie werden Fehler machen, aber sie werden sich auch entwickeln. Und das gilt auch für den mentalen Bereich.

Was meinen sie konkret?
Wir haben viele junge Leute, die sich zum Teil noch von äußeren Faktoren beeinflussen lassen. Daran müssen wir arbeiten. Die Spieler müssen so stabil werden, dass sie ihren Job professionell machen. Und man muss den jungen Spielern erklären, was Professionalität bedeutet. Wenn man sich als Persönlichkeit weiterentwickeln will, dürfen einen äußere Faktoren im Vorfeld eines Spiels nicht stören. Ich habe auf dem Platz meinen Job abzuliefern. Im mentalen Bereich sehe ich vielleicht sogar das größte Entwicklungspotenzial. Darum gehören zu unserem Team auch zwei Sportpsychologen. Die Stabilität im Kopf ist ganz entscheidend. Wie reagiere ich unter Stress? Wie viele Fehler mache ich, kann ich das minimieren? Daran arbeiten wir sehr intensiv.

In diesem Bereich hat bei fast allen Vereinen ein Umdenken stattgefunden. Zu Ihrer aktiven Zeit war das noch ganz anders.
Wir haben das damals gar nicht zugelassen. Ich habe das auch für mich persönlich lange Zeit abgewehrt, weil ich der Meinung war, dass mir kein Psychologe helfen kann. Zu meiner Zeit haben Spieler es auch als Schwäche gesehen. Heute sehe ich das komplett anders. Ich habe daran großes Interesse. Ich glaube, in der Sportpsychologie steckt ganz viel Potenzial. Und der Fußball hinkt gegenüber anderen Sportarten um Lichtjahre hinterher. Wir beim VfL haben im Dezember im Trainingslager in der Türkei damit begonnen und führen das jetzt fort.


Zum ersten Teil des Interviews geht es hier!
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