"Die Zauberflöte" in der Oper Düsseldorf: "Tief in die Seele"

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Wenn Sveda die Katze streichelt, sieht er nur einen Schatten. Fotos: Stefanie Siegel
 
Papageno-Darsteller Richard Sveda und der musikalische Leiter Marc Piollet hinter den Kulissen.

"Die Zauberflöte" von Wolfgang Amadeus Mozart ist in dieser Spielzeit in der Oper Düsseldorf zu sehen.

Sieben Meter tief ist der Blick in den Orchestergraben. Sieben Meter, die nicht ganz ohne sind. „Erst war es schwierig hier oben zu stehen, aber es ist Gewohnheitssache“, sagt Richard Sveda. Der Sänger ist einer der Papageno-Darsteller in „Die Zauberflöte“, die in dieser Spielzeit in der Inszenierung von Barrie Kosky in der Oper Düsseldorf läuft. Diese sieht nun einmal vor, dass die Ensemblemitglieder immer wieder auf einer Fläche, die gerade mal so groß wie ein Paar Füße ist, in luftiger Höhe stehen, singen und agieren.
„Das Schwierigste ist es, dort oben zu stehen und sich frei zu fühlen“, sagt Sveda. Er und die anderen Ensemble-Mitglieder werden mit einem Gurt gesichert. Bei der Aufführung selbst ist davon selten etwas zu sehen. Im Gegenteil: Selbstbewusst präsentieren sich die Sänger. Während sie ihre Körper nicht einsetzen können, sprechen sie mit ihrer Stimme, mit kleinen, aber genauen Bewegungen, mit ihren Gesichtern. Während sie ihre Positionen in sieben Meter Höhe oder auch auf dem Boden haben, laufen hinter ihnen viele kleine Filme, die sich zu einem Ganzen vereinen, auf einer Projektionsfläche ab.

Kult in Berlin und Los Angeles


Und hier verbirgt sich das Geheimnis, warum in Los Angeles und in Berlin die Inszenierung von Barrie Kosky, die in Zusammenarbeit mit Suzanne Andrade und Paul Barrit von der britischen Theatergruppe „1927“ entstanden, schon Kult ist. Der Zuschauer wird in die Stummfilmzeit versetzt - der Bilder, der Kostüme der Sänger, die an die 20er Jahre angelehnt sind und der Einblendungen wegen.
Die animierten Bilder sind handgezeichnet. Anderthalb Jahre Arbeit stecken darin. Mal sind sie düster, wie wenn die skelettierte Königin der Nacht als Riesenspinne auftaucht oder ein Schädel dem Zuschauer entgegenspringt, mal versprechen sie Lebensfreude, wenn Blumen nach und nach erblühen, mal sind sie witzig, wenn ein Brathähnchen nach dem anderen an Papageno vorbeirauscht. „Ich sehe nicht genau, was passiert. Wenn ich etwa die Katze streichle, sehe ich nur einen Schatten“, erzählt Richard Sveda im Vorfeld der Premiere.

Alles passt zusammen


Und wer die Zauberflöte dann gesehen hat, weiß: Die Sänger und Sängerinnen passen sich dennoch perfekt ins Bild ein, immer passt alles zusammen: Gesang, Animation und Musik. „Den Sängern ist ein Teil der Darstellungsfreiheit geraubt, man muss ihnen das durch die Musik wieder zurückgeben“, erklärt Marc Piollet, der die musikalische Leitung inne hat, einige Tage vor der Premiere. Und auch Anna Bernreitner (Spielleitung) sagt: „Schon in Berlin habe ich erlebt, dass die Sänger am Anfang das Gefühl haben eingeschränkt zu sein, letztendlich sieht man ihnen aber tief in die Seele.“

Stummfilm-Charakter


Stummfilm-Charakter hin oder her: Dank der Düsseldorfer Symphoniker und der Sänger bleibt es im Saal nicht still, nur gesprochen wird bei der Zauberflöte nicht: das, was gesagt werden muss, wird in großen Lettern projiziert.
Ohne Frage: Das, was wirklich auf der Bühne geschieht, ist schwer in Worte zu fassen. Man sollte „Die Zauberflöte“ in dieser Inszenierung einfach gesehen haben. Der Zuschauer wird gefangen in dieser absonderlichen Welt, die ihm durch die Musik allerdings sehr vertraut vorkommt. Dass Papageno nicht mehr im Federkleid daherkommt, sondern im hellgrünen Anzug und Hut könnte nicht besser passen. Und auch Sveda, der schon in vier unterschiedlichen Produktionen der Zauberflöte auf der Bühne gestanden hat, sagt: „Es ist eine der besten und es macht Spaß.“
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