Ein Schauspielhaus für Düsseldorf

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Das Düsseldorfer Schauspielhaus ist seit 1970 am Gustaf-Gründgens-Platz beheimatet.Foto: RB-Archiv/rei

„Bürger in das Schauspielhaus – schmeißt die fetten Bonzen raus“ – die Einweihung des Düsseldorfer Schauspielhauses am 16. Januar 1970 wurde von für die Zeit typischen Protesten begleitet. Zur Premiere von Georg Büchners „Dantons Tod“ hatten nur geladene Gäste Zutritt. Es war nicht das letzte Mal, dass es rund um das Haus Tumulte gegeben hatte.

Die Theatergeschichte Düsseldorfs reicht weit zurück in die Zeit von Jan Wellems Hof, wie die bis zum 10. November laufende Ausstellung „Düsseldorf: Im Rampenlicht“ im Theatermuseum dokumentiert. 1875 wurde dort, wo heute die Deutsche Oper am Rhein ihre Heimat hat, das Stadttheater eröffnet.

Bereits 1905 bekam das Haus stadtinterne Konkurrenz: Louise Dumont und Gustav Lindemann eröffneten an der Karl-Theodor-Straße das privat geführte Schauspielhaus Düsseldorf. Mit dem Tode Louise Dumonts und der Machtergreifung der Nationalsozialisten endete diese Ära zu Beginn der 1930er Jahre. Das Schauspielhaus wurde an die Städtischen Bühnen verpachtet; 1943 wurde das Gebäude bei Bombenangriffen zerstört.

Ein neues Haus für das Schauspiel

Dass Düsseldorf nach dem Krieg ein neues, eigenständiges Schauspielhaus bekommen sollte, hängt mit Gustaf Gründgens zusammen. Gründgens, damals Generalintendant der Städtischen Bühnen, forderte 1951 eine Herauslösung der Schauspielsparte. 1956 wurde aus Musik- und Tanztheater die Deutsche Oper am Rhein. Das Düsseldorfer Schauspielhaus befand sich bereits ab 1951 in der Jahnstraße 1b in Friedrichstadt.

Da das Haus als zu klein empfunden wurde, sollte ein Neubau her. Am 16. Mai 1965 wurde am Gustaf-Gründgens-Platz der Grundstein für das neue Düsseldorfer Schauspielhaus gelegt, das von Bernhard Pfau entworfene Gebäude im Januar 1970 eröffnet.

Die bei der Eröffnung aufkommenden Proteste kamen nicht nur aus dem studentischen Milieu. Zur antibürgerlichen Haltung der „68er“ gesellte sich auch Protest gegen die Kosten, die sich von ursprünglich angesetzten 25 Millionen D-Mark auf 41 Millionen D-Mark erhöht hatten.

Als der damalige Intendant Karl Heinz Stroux 1972 nach 17 Jahren aus dem Amt schied, bekamen die Querelen rund um das Schauspielhaus eine andere Dimension. Nicht Bürgerprotest stand im Mittelpunkt, sondern politisches Geschacher im Rathaus: Der Stuttgarter Schauspieldirektor Peter Palitzsch sollte nach Auffassung von SPD und FDP auf Stroux folgen, was die CDU verhinderte; der Brecht-Schüler stünde nicht auf dem Boden des Grundgesetzes. Berufen wurde schließlich Ulrich Brecht. Auf ihn folgte 1976 Günther Beelitz (bis 1986). Weitere Intendanten waren Volker Canaris (bis 1996), Anna Badora (bis 2006), Amélie Niermeyer (bis 2011) und Staffan Valdemar Holm.

Holm trat im November letzten Jahres offiziell wegen chronischen Burnouts von seinem Amt zurück. Zuvor hatte es Streit mit dem Kulturdezernat wegen Etatkürzungen im sechsstelligen Bereich gegeben. Auch die Suche nach Holms Nachfolger kommt nicht ohne Zwischengräusche aus. Im April diesen Jahres sind aus der Findungskommission vier Mitglieder ausgetreten, da Interna an die Öffentlichkeit lanciert worden waren.

Heimat berühmter Schauspieler

Turbulent kann es auch im Zuschauerraum zugehen. Im September 2005, mehr als sieben Jahre vor Burkhard Kosminskis umstrittener „Tannhäuser“-Inszenierung an der Deutschen Oper am Rhein, entrüstete sich das Premierenpublikum über Jürgen Goschs mit Blut, Kot und nackten Männern angereicherte Inszenierung des „Macbeth“ am Düsseldorfer Schauspielhaus. Die Kritiker sahen es anders und verliehen dem Regisseur den Theaterpreis „Faust“.

Unabhängig von Skandalen war das Düsseldorfer Schauspielhaus immer wieder Heimat bekannter Schauspieler: Unter anderem Elisabeth Flickenschild und Marianne Hoppe arbeteten nach dem Krieg unter Gustaf Gründgens in Düsseldorf.

In den letzten Jahren gaben bekannte Schauspieler in Düsseldorf Gastspiele. Zuletzt etwa Udo Samel, der bereits von 1976 bis 1978 zum Ensemble gehörte.
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