Kunst als Lebensinhalt

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Otto Dix und Johanna (Mutter) Ey (Foto: Foto: Hehnke-Winterer Düsseldorf)
Buchvorstellung „Großes Ey“ – Die Lebensgeschichte von Johanna Ey


Vor 150 Jahren wurde Johanna Ey in Wickrath geboren. Als Neunzehnjährige kam sie nach Düsseldorf, verkaufte in der Nähe der Düsseldorfer Kunstakademie Brötchen und Kaffee. Ihre preiswerten Angebote nahmen die Künstler gerne an, zahlten oft mit ihren Bildern oder ließen anschreiben. Mit der Zeit entwickelte sie sich zur Kunsthändlerin und stellte in ihrer Galerie auf der Alleestraße, der heutigen Heinrich-Heine-Straße, die Bilder der damals aktuellen Künstler aus. Sie wurde zur „Mutter“ der Künstler und Kunst wurde für sie zum Lebensinhalt.
Über Mutter Ey ist nunmehr ein Roman unter dem Titel „Großes Ey“ der Autorin Ute Bales erschienen. Er schildert klar und ohne Schnörkel das Leben und Wirken dieser legendären Galeristin. „Da ist ganz viel Mutter Ey und wenig Fiktion drin“, erklärt die Autorin. Weil Bales sich bei ihrer Recherche an die historischen Gegebenheiten gehalten hat, die mit dem politischen und sozialen Hintergrund der Protagonistin ganz eng verbunden sind, ist es ein Werk von außerordentlicher Wichtigkeit für Düsseldorf geworden. Der Roman beginnt mit der Eröffnung ihres Cafés, quasi bei der Kunstakademie „öm de Eck“. Schnell wird der Laden zum Treffpunkt der Akademiestudenten, Malern und Schriftstellern. Ihr Verständnis für die sogenannten „Hungerleider“ war groß, stammte sie doch selbst aus ärmlichen Verhältnissen. Hinzu kam, dass sie Nähe nach der Ehetragödie und den 12 Geburten suchte. Aus diesem Verständnis heraus gingen oft statt Bargeld Bilder über die Theke. So wuchs eine kleine Kunstsammlung heran.
Mekka der Künstler
Noch während des Ersten Weltkrieges eröffnete Johanna Ey eine Galerie in der Alleestraße (heute Heinrich-Heine-Allee), wo sie zunächst Bilder der akademischen Düsseldorfer Malerschule ausstellte und mit dem Verkauf begann. Mit der Rückkehr der traumatisierten Künstler aus dem Krieg, gab es eine Kehrtwende in der Malerei. Die Bilder von Otto Dix, Max Ernst und Gert Heinrich Wollheim nahmen groteske Formen an, wurden grell in den Farben und erhielten schräge Perspektiven. Mit der Künstlervereinigung „Junges Rheinland“, die ihren Laden zu ihrem Zentrum ernennt, finden immer neue Künstler den Weg zu ihr. Ihre Kunstgalerie wird zum Mekka, aber auch zum Angriffsziel.
Kampf für die Moderne
Als die Nazis die Macht übernahmen, wurde die Kunst als entartet abqualifiziert und schließlich wurden Galerie und viele Bilder als auch Zeichnungen stark beschädigt und teilweise zerstört. Ute Bales beschreibt in ihrem faszinierenden Buch eine stets am Rande der Existenz kämpfende Protagonistin, die sich mit der tobenden Bevölkerung, die kein Verständnis aufbringt, herumschlägt. Versucht beschlagnahmte Bilder zu retten und verfolgte Künstler zu beherbergen. In dieser Zeit änderte sich ihre Haltung zur modernen Kunst immer eindeutiger. Johanna wird zum Katalysator für eine neue Kunstrichtung. Sie kämpfte für die Durchsetzung der Moderne im Rheinland. Nach einer Reise nach Mallorca, die sie der Liebe wegen angetreten hatte, stand sie Boykottaufrufen der Nazis und Verhöhnungen gegenüber, die sie letztlich dazu zwangen, den Verkauf einzustellen. Jedoch blieb der Laden ein Hort der Geschundenen, ein Treffpunkt für Kommunisten, Exilanten und Verfolgte. Johanna Ey ruhte in ihrer Mitte, sie gab nicht auf und auch kein Schicksalsschlag warf sie zu Boden.
Großes Ey, ein geschichtsträchtiges Buch
„Großes Ey“ beschreibt ein Stück Düsseldorfer Geschichte aus Sicht der Künstler, der Verfolgten, aus der Sicht deren, die man, so der Maler Otto Pankok, „geknebelt, versklavt und zermürbt hat, die man zur Verzweiflung getrieben und denen man jeden Funken aus dem Schädel geknallt hat…“ Ute Bales zeichnet mit Johanna Ey eine Frau mit Leidenschaft, gesundem Instinkt und einer resoluten Art, der, wie Heinrich Böll schrieb, ein Schiksal auferlegt war, dass im härtesten und eigentlichen Sinne ein modernes war: alleinstehend, alleinerziehend verantwortlich für vier Kinder, geschieden – all das in der ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts.


Bilder von Johanna Ey können in der Galerie Remmert & Barth in der Altstadt, Mühlenstraße 1 besichtigt werden. Am 21. November 2014 um 18.00 Uhr in der in der Mayerschen Buchhandlung an der Kö eine Lesung mit Ute Bales statt. Das Buch „Großes Ey“ Die Lebensgeschichte der Johann Ey kostet 22,80 €.
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