„Pond Way“ und vier Uraufführungen

Anzeige
Mit Merce Cunninghams "Pond Way" steht ein moderner Klassiker der Ballettchoreographie im Mittelpunkt von "b.15". (Foto: Gert Weigelt)

Vier Uraufführungen und ein Klassiker: Bei der Ballettpremiere „b.15“ in der Deutschen Oper am Rhein überließ Ballettdirektor Martin Schläpfer vor allem dem Nachwuchs das Feld – mit durchweg erfreulichen Resultaten.

„Pond Way“ lautet der Titel einer Choreographie des 2009 verstorbenen Merce Cummingham zu „Landscape with Boat“ von Roy Lichtenstein, das im Hintergrund zu sehen ist. Dazu erklingt Brian Enos „New Ikebukuro“ für drei CD-Player. Einstudiert von Andrea Weber, die selbst acht Jahre unter Cunningham getanzt hat, zieht der Tanz das Publikum mit hypnotischer Kraft in seinen Bann. Springend, dann wieder mit langsamen, anmutigen Bewegungen scheint die Compagnie über einer Flusslandschaft zu schweben.

Chance für den Nachwuchs

Den Auftakt bestreiten zwei von Schläpfers Schützlingen: Martin Chaix mit „We were right here!“ zu Musik von Alfred Schnittke und Antoine July mit „Rebound – Topple – Splash“ zu Musik von Igor Strawinsky. Gegensätzlicher können die Konzepte kaum sein. Chaixs Choreographie umspannt das Verhältnis von Bewegung zum Raum, lotet die gesamte Bühne von einer Ecke zur nächsten aus. Die Tänzer bewegen sich scheinbar frei, alles ist in Bewegung, flüchtig. Nur hin und wieder lösen sich Einzelne aus dem kollektiven Tanzkörper.

Bei July steht mehr das In-Beziehung-Setzen der Tanzenden im Mittelpunkt. Laufend bilden sich Paare. Die Bewegungen korrespondieren konsequent schwungvoll zur Musik. July stellt die Rollenverteilung von Tänzerinnen und Tänzern in Frage. Zum Schluss treten die Tänzer in Röcken auf.

„Crop“ von Amanda Miller zu Musik von Fred Frith verwandelt die Bühne in ein Biotop, in dem sich ein Menschenzoo wiederfindet. Getanzt wird zart und abstrakt, allmählich schält sich ein Pärchen heraus, das in Beziehung zueinander gesetzt wird, gemeinsam lacht. Im Ganzen bleibt die Choreographie rätselhaft.

Den Abschluss bildet Regina van Berkels „Inclination“ zu Musik von Alan Hovhaness. Von allen Choreographien dieses Abends ist diese am narrativsten, zeigt, mit einem Baum in der Mitte, die Reflexionen eines Ich über sein Leben: Erste Liebe wird gezeigt, unterschiedlichste Beziehungsgeflechte. Ein schwungvolles Finale für diesen gelungene Ballettpremiere.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.