Neue U-Bahnhöfe werden zu Düsseldorfer Visitenkarten

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Animation zur Gestaltung des U-Bahnhofes Graf-Adolf-Platz. (Foto: netzwerkarchitekten)
   
Animation zur Gestaltung des U-Bahnhofes Benrather Straße (Foto: netzwerkarchitekten)
Bahnhöfe am Graf-Adolf-Platz und an der Benrather Straße im Ausbau weit fortgeschritten

Die neuen U-Bahnhöfe Graf-Adolf-Platz und Benrather Straße der Wehrhahn-Linie lassen immer klarer ihr endgültiges Aussehen erkennen. Insbesondere die künstlerische Gestaltung nimmt deutlicher Konturen an. Bei einer Besichtigung der U-Bahnhöfe informierten sich am Dienstag, 28. Oktober, Oberbürgermeister Thomas Geisel und Beigeordneter Dr. Stephan Keller über den Stand der Arbeiten. "Ich bin beeindruckt, welche Fortschritte der Ausbau macht. Ingenieure, Planer, Architekten und Künstler verwirklichen hier ein großartiges Vorhaben, das zu einer neuen Visitenkarte unserer Stadt wird", so Oberbürgermeister Geisel. "Die neuen U-Bahnhöfe passen zu Düsseldorf: weltoffen, innovativ, anspruchsvoll und kreativ. Nun zeigt sich das große Plus, dass die künstlerischen Aspekte von Anfang an in die Gestaltung der Bahnhöfe eingeflossen sind."

Bei der Planung der U-Bahnhöfe für die Wehrhahn-Linie ist die Landeshauptstadt Düsseldorf einen vollkommen neuen Weg gegangen. Die künstlerische Gestaltung der Stationen folgt nicht baulichen Vorgaben, sondern Künstler und Architekten haben das Konzept für die Bahnhöfe gemeinsam in einem internationalen Architektenwettbewerb erarbeitet. Sieger wurde das Darmstädter Team der "netzwerkarchitekten" mit der Idee eines "unterirdischen Kontinuums", das sich wie eine eigenständige Parallelwelt unter Tage durch die Stadt schlängelt.

Das Kontinuum


Neben der bereits im Architekturwettbewerb mit eingebundenen Künstlerin Heike Klussmann wurden in einem Realisierungswettbewerb zur Kunst, den das Kulturamt der Stadt eingeleitet hatte, weitere Künstler für die kreative Gestaltung der neuen U-Bahnhöfe ausgewählt: Ralf Brög, Thomas Stricker, Manuel Franke, Ursula Damm und Enne Haehnle.

Im architektonischen Wettbewerb hatte Heike Klussmann die Idee ent-wickelt, das Konzept des "Kontinuums" mit einer reliefartigen Bearbei-tung der Betonwände zu verbinden. Auf die Oberflächen aus hochwertigen Betonfertigteilen wird eine dem Sicherheitsmuster von Dokumenten wie Reisepass oder Personalausweis nachempfundene Reliefstruktur aufgebracht. Die sich verdichtenden Linien aus den Fügungen der Plattenbauteile geben den Eindruck von Räumlichkeit und erzeugen eine Dynamisierung der Bahnhofsröhre. Der Fahrgast befindet sich durch die Gestaltung der ihn umgebenden Wände, Böden und Decken innerhalb des Sicherheitsmusters.
Die Bahnhöfe sollen dabei als Aufweitung des U-Bahntunnels ausgear-beitet werden. Sie werden nach oben durch Einschnitte mit dem Stadt-raum verbunden und durch kegelförmige Schlitze mit natürlichem Licht versehen. Mit diesen Einschnitten und der künstlerischen Gestaltung erhalten die Stationen innerhalb des Kontinuums ihre eigene Identität. Blickbeziehungen und Einsehbarkeit in die verschiedenen Verkehrsebenen garantieren den Fahrgästen eine einfache Orientierung, Übersichtlichkeit und soziale Kontrolle in den Bahnhöfen. Die Kosten für die künstlerische Gestaltung für alle sechs Bahnhöfe sind mit 3,4 Millionen Euro veranschlagt.

Bahnhof Graf-Adolf-Platz: Achat


Manuel Franke erzeugt im Bahnhof Graf-Adolf-Platz eine dynamisierende Verbindung des Stadtraums mit der U-Bahnstation über die Gestaltung der Schnitträume als Farbräume. Der Farbfond der gläsernen Wandverkleidungen wird von einem Linienstrom durchzogen, der mal schmaler, mal breiter pulsiert und den Benutzer bis zu den Gleisen führt. Die Linienströme, die sich wie ein Achatstein in viele unterschiedliche Schattierungen und Verwerfungen aufspalten, besitzen einen großen Detailreichtum. Diese Schattierungen und Verwerfungen entstehen direkt aus dem künstlerischen Verfahren: Der Subtraktion von Hintergrundfarbe durch Lösungsmittel. Innerhalb der Spur entstehen so transparente Aussparungen, die mit einer Hintergrundfarbe hinterlegt werden. Durch den Farbauftrag auf unterschiedliche Glasebenen entsteht im Zusammenhang mit der Funktionalbeleuchtung eine Plastizität in der Farbfläche.

Bahnhof Benrather Straße: Himmel oben Himmel unten


Thomas Stricker möchte mit seiner Arbeit im U-Bahnhof Benrather Straße den Himmel in die Erde holen, Oben und Unten vertauschen und das Schwere ins Leichte übertragen. Die Weite des Universums wird in die Enge der Unterwelt projiziert. Die Architektur wird scheinbar mobil, wie ein Raumschiff unterwegs in unendliche Weiten. Das Eintreten in die Unterwelt wird zu einem positiven unerwarteten Erlebnis. Der U-Bahnhof wird nicht als Höhle, sondern als ein positives Gebäude mit Außenwänden betrachtet, die Dichte und Materialität der Umgebung, des Erdreichs wird gedanklich aufgelöst und als Kosmos, als Weltall mit Planeten, Sternen und der Ruhe und Schwerelosigkeit wahrgenommen. In die metallenen Wandoberflächen sind dazu flächenbündig Medienwände als "Fenster ins Weltall" integriert, die mit einer Dreidimensionalität suggerierenden Videoprojektion bespielt werden.

Innovatives Logistikkonzept


Innovativ zeigte sich die Stadt Düsseldorf auch bei dem Logistikkonzept. Es gilt, beim Ausbau beinahe 70 Firmen zu koordinieren. Von den Wandverkleidungen und Bodenbelägen bis zur Technik und Belüftung müssen alle Gewerke aufeinander abgestimmt sein. Für die Ausbauarbeiten ist ein umfänglicher Logistikplan erstellt worden, der die parallele - terminliche und räumliche - Ausführung der einzelnen Gewerke darstellt und gewährleistet. Das Amt für Verkehrsmanagement hat das Logistikkonzept für die ausführenden Firmen in einem kurzen Film dargestellt. Ziel dieses Filmes ist, den einzelnen Anbietern das "Vordenken" des Bauherrn darzustellen. Der Auftragnehmer kann sich so ganz auf die eigene Leistung konzentrieren, ohne die Komplexität der Baumaßnahme zu fürchten. Gleichzeitig zeigt der Film auch die Vorstellung der Landeshauptstadt Düsseldorf, die Baumaßnahme stadtverträglich auszuführen. Die Belas-tungen an der Oberfläche sollten so gering wie möglich gehalten werden.

Hintergrund Wehrhahn-Linie


Mit dem Bau der Wehrhahn-Linie - der zweiten großen City-Unterfahrung - wird ein weiterer Meilenstein im Düsseldorfer U-Bahn-Bau gesetzt. Sechs unterirdische und zwei oberirdische Bahnhöfe werden auf einer 3,4 Kilometer langen Strecke entstehen. Sie ergänzt das Netz des Öffentlichen Personennahverkehrs und sorgt für eine schnelle Verbin-dung zwischen den östlichen und südlichen Bereichen unserer Landeshauptstadt.

Vom S-Bahnhof Wehrhahn verläuft die Wehrhahn-Linie in Richtung Südwesten, bis zum S-Bahnhof Bilk. Dabei passiert sie die Bahnhöfe Jacobistraße/Pempelforter Straße, Schadowstraße, Heinrich-Heine-Allee, Benrather Straße, Graf-Adolf-Platz und Kirchplatz im Zentrum und verknüpft diese - ungestört vom Individualverkehr an der Straßenoberfläche - auf die direkteste und schnellste Art.

Daten und Fakten


Länge: 3,4 Kilometer
Baubeginn: Ende 2007
Kosten: 843,6 Millionen Euro
Fertigstellung: 2015
Fahrgäste pro Werktag: 53.100
Haltestellen oberirdisch: Wehrhahn S, Bilk S,
Bahnhöfe unterirdisch: Jacobistraße/Pempelforter Straße, Schadow-straße, Heinrich-Heine-Allee, Benrather Straße, Graf-Adolf-Platz und Kirchplatz

Das U-Bahnsystem in Düsseldorf


Ratsbeschluss zum U-Bahnbau: 1968;
Spatenstich erste U-Bahnstrecke Kennedydamm bis Heinrich-Heine-Allee: 1973;
Erste Inbetriebnahme: 1981;
Tunnelstrecke heute insgesam:t 6,9 Kilometer;
Bahnhöfe insgesamt: 12.
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Margot Klütsch aus Düsseldorf | 29.10.2014 | 14:36  
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