Fortunas Rückrunden-Absturz - eine Analyse

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Die gegenwärtige Form ihrer Mannschaft gibt den Fortuna-Fans allen Grund zur Sorge. (Foto: Weege)

Seit Wochen verliert Fortuna Düsseldorf nach ähnlichem Muster. Mit Blick auf die herannahende Konkurrenz muss am Samstag gegen Nürnberg der Hebel umgelegt werden.

„ Wir wollen und brauchen keine Schützenhilfe,“ hatte Norbert Meier noch vor dem Spiel bei in Frankfurt trotzig zu Protokoll gegeben. Der 32. Spieltag widerlegte den Fortuna-Coach gehörig. Nach dem zehnten sieglosen Spiel, der dritten Pleite in Serie, hielt nur der Freiburger Sieg gegen Augsburg die Düsseldorfer über dem Strich.

Angesichts der trotzdem erneut starken Leistung des FCA sollten sich die Fortunen aber nicht darauf verlassen, dass die punktgleichen Donauschwaben in den verbleibenden beiden Partien nicht noch etwas holen. Vielleicht nicht am kommenden Samstag in München, um so wahrscheinlicher aber am letzten Spieltag daheim gegen Fürth.

Und dann ist da ja auch noch die TSG Hoffenheim, die mit ihrem Last-Minute-Ausgleich in Bremen einmal mehr bewies, dass sie einfach nicht abzuschütteln ist. Stattdessen verkürzte der Tabellensiebzehnte den Abstand auf Fortuna auf nur noch zwei Punkte.

Beim 1:3 bei Mitaufsteiger Eintracht Franfurt lief es für die Fortuna nach dem Motto “Alles wie gehabt”: Erst, wenn sie vorentscheidend zurück liegt, spielt sie mutiger nach vorne. Zu spät, um dann noch zu punkten.

Nach Toren von Alex Meier (31. Minute) und Srdjan Lakic (50.) befanden sich die Rot-Weißen bereits zu Beginn der zweiten auf der Verliererstraße, ehe Dani Schahin mit seinem achten Saisontreffer (78.) eine beherzte Schlussoffensive belohnte. Erneut Alex Meier (87.) machte danach allerdings den Deckel auf das zehnte sieglose Spiel der Düsseldorfer in Folge. Das 1:3 spiegelte am Ende aber nicht nur das Kräfteverhältnis über die 90 Minuten wieder, es war auch die dritte Fortuna-Niederlage gleicher Bauart nacheinander.

Für den Rückrunden-Absturz gibt es Gründe: Durch die nie da gewesene personelle Fluktuation zu Beginn und auch während dieser Saison fehlt der Mannschaft ein Grundgerüst. Gerade bei wechselnden Ausfällen wie im Moment, die freilich zu einer Bundesliga-Saison dazu gehören, wirkt sich das negativ auf die Stabilität aus.

In dem bunten Mix aus „alten“ Fortunen, die teilweise mehrere Aufstiege mit machten, jetzt aber nicht mehr erste Wahl sind, bundesligaunerfahrenen Talenten und Neuzugängen aus unterschiedlichen Ländern mangelt es an Führungsspielern. Leistungsträger unterliegen größeren Leistungsschwankungen (Giefer, Kruse, Reisinger). Der „Königstransfer“Andrey Voronin sorgte bislang nur im Düsseldorfer Nachtleben für Furore.

Zudem bröckelt offensichtlich der hoch gelobte Mannschaftsgeist: Im Training prügeln sich Adam Bodzek und Nando Rafael, im Spiel wirken längst nicht alle so engagiert, wie die Ur-Fortunen „Lumpi“ Lambertz und „Bello“ Bellinghausen. Nach dem Anschlusstreffer in Frankfurt bleiben Glückwünsche an den Torschützen Dani Schahin ebenso aus wie gegenseitige Anfeuerungen zur Aufholjagd.

Und schließlich: Der Weg des Fußballminimalismus funktioniert nicht mehr, die Konkurrenz scheint sich darauf eingestellt zu haben. Fakt ist: Fortuna hat den mit Abstand wenigsten Ballbesitz in der Liga. Wenn dann hinten die Null nicht mehr steht und vorne die Effektivität verloren geht, wird’s schwer, zu punkten.

Dabei haben sich die Fortunen im Laufe der Saison spielerisch eher noch verbessert. Das Problem dabei: Über das spielerische Element haben sie ihre Punkte nie eingefahren, sondern über Kampf, Konzentration, Galligkeit und Willen - und zwar über die gesamten 90 Minuten. Doch diese, zugegebenermaßen sehr aufwendigen, Tugenden lässt die Mannschaft im Saison-Endspurt zunehmend vermissen.

Um dann trotzdem noch etwas zu holen, mangelt es, gemessen an der direkten Konkurrenz, an fußballerischer Qualität. Ergebnis: Mit neun Punkten aus 15 Spielen holte Fortuna gerade einmal halb soviel Punkte wie zum vergleichbaren Zeitpunkt in der Hinrunde und ist damit Schlusslicht der Rückrunden-Tabelle.

Wie schon in der letzten Saison herrscht damit Planungsunsicherheit bis zum letzten Spieltag und womöglich darüber hinaus (Stichwort: Relegation). Das erschwert die Verhandlungen des Vereins mit potentiellen Neuzugängen, die die Mannschaft nicht nur angesichts sich anbahnender Abgänge dringend bräuchte. Immerhin einer ist schon eingetütet: Der Deutsch-Kasache Heinrich Schmidtgal (Fürth) unterschrieb bei den Rot-Weißen einen Vertrag ab der kommenden Saison bis 2015. 

Im letzten Heimspiel am Samstag (Anstoß: 15.30) gegen den 1. FC Nürnberg muss nun dringend gepunktet werden. Die aktuelle Verfassung der Gäste lässt hoffen: Seit die Franken komfortable 38 Punkte auf der Haben-Seite verbuchen, verloren sie nur noch, und zwar vier Spiele in Folge. Gegen die Fortuna jedoch gewannen sie das Hinspiel mit 2:0...

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