THW in Emmerich ist jetzt ASH-Standort

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Alles muss Hand in Hand laufen. Der eine zeichnet die Maße ein, die anderen bohren bereits. Foto: Jörg Terbrüggen
 
Zuletzt waren die Emmericher bei einem Einsatz in Hünxe-Krudenburg. Hier drohte ein Haus einzustürzen. (Foto: THW)

Riesengroße Holzbalken liegen fest verschnürt auf einem Anhänger. Damit will das THW allerdings kein Holzhaus bauen. Sie dienen vielmehr zur Abstützung einsturzgefährdeter Häuser. Seit kurzem ist das Technische Hilfswerk in Emmerich nämlich Standort für das sogenannte ASH.

Zwölf Tonnen wiegt der komplette Satz, der bei einer Katastrophe sofort abgerufen werden kann. Doch damit nicht genug. Denn das schwere Material muss auch möglichst schnell vom Anhänger herunter und vor Ort passend zugeschnitten werden. Das erfordert natürlich viele helfende Hände. „Zu solch einem Einsatz rücken schon 25 Kräfte mindestens aus“, bemerkte Zugführer Frank te Kempel. Erst unlängst hatte das Emmericher THW einen Einsatz in Hünxe-Krudenburg, wo ein einsturzgefährdetes Haus gesichert wurde.
Der Emmericher Ortsverband beschäftigt sich schon seit geraumer Zeit mit dem Material Holz. Vor etwa drei Jahren beschaffte man durch eigene Mittel das sogenannte Einsatzgerüstsystem, kurz EGS. Diese Gerüstbauelemente, welche einem modularen Baugerüst ähneln, werden beim THW, unter Verwendung diverser Spezialteile, multifunktional eingesetzt. Neben Übungstürmen, Arbeitsplattformen und kleineren Brücken, dient das EGS aber auch bei der Gebäudeabstützung von einsturzgefährdeten Objekten.

Einer von bundesweit 28 Standorten

Schnell erkannte man vor Ort die enormen Möglichkeiten dieses Systems. Und so intensivierten die THW‘ler das Thema Gebäudeabstützung. In Ralf Laarmann hat man zudem einen hervorragenden Baufachberater, welcher im zivilen Leben Bausachverständiger ist. Er übernahm anschließend bedeutende Teile der Ausbildung zu den Themen Bausachkunde und Statik. Die Bemühungen in diesem Aufgabenbereich blieben nicht im Verborgenen.
So wurde Emmerich eine von 28 ASH-Einheiten bundesweit. Kommt der Einsatzbefehl, so macht sich zunächst ein Voraustrupp auf den Weg zur Unglücksstelle. Hier wird alles genau aufgenommen und an die Kollegen weitergegeben. Denn oftmals entscheidet schon die Reihenfolge der Fahrzeuge eine optimale und schnelle Abwicklung.
Sind dann erst einmal alle Kräfte vor Ort, beginnt ein Rädchen ins andere zu greifen. Alles geht Hand in Hand, jeder weiß genau, was er zu tun hat. Während die einen genau ausmessen, was an Holz benötigt wird, beginnen die anderen bereits mit dem Zuschneiden. Der Helfer Frank Blockhaus vom Ortsverband Hückelhoven entwickelte vor Jahren das ASH. Es besteht aus vorgefertigten Holzelementen, welche im Einsatzfall „nur noch“ den örtlichen Gegebenheiten angepasst werden müssen. Ein Satz beinhaltet je zwei Sprengwerke (sie stützen zum Beispiel bei einer Explosion die beiden Nachbarhäuser, damit diese nicht in die Schadensstelle stürzen). Sie sind bis zu einem Gebäudeabstand von sieben und zwölf Metern einsetzbar und werden mittels eines Mobilkranes freischwebend eingehängt. Alles wird dabei vormontiert und schließlich mit Gewindestangen an den Hauswänden fixiert.

Ein Stück passt in das andere

Weiter gibt es einen Strebstützensatz. Dieser Strebstützensatz besteht aus drei Komponenten, den Streichbalken (sie stehen direkt an der Wand), der Bodentreiblade (sie wird als Erstes im Erdreich fixiert und verankert, dann kommt der Streichbalken rein) und der Strebe. Sie wird angepresst und fixiert.
Nach der Beschaffung einer geeigneten Transportlösung mittels einer Wechselbrücke, wurde dann vor zirka eineinhalb Jahren das benötigte Holz geliefert. So entstand im letzten Jahr, in einigen hundert Stunden Eigenleistung, der komplette Satz. Aber auch der Nachwuchs ist gesichert. 53 Mädchen und Jungen eifern den Erwachsenen nach, selbst im Thema Abstützen. Jüngst bauten die THW-Kids einen ASH-Satz als Modell im Maßstab 1 : 3. Und auch hier schließt sich dann wieder der Kreis. Denn das Modell wird gerne von den Erwachsenen bei der Ausbildung benutzt, denn warum schwere Balken schleppen, wenn das Handling auch im Kleinen geübt werden kann montiert und schließlich mit Gewindestangen an den Hauswänden montiert.
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