eMotion: Ein Mülheimer Rennwagen geht an den Start

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(Foto: Foto: PR-Foto Köhring)
 
Der Blick auf das Innenleben der "Hülle": Die Flachsfasern sind deutlich sichtbar.

Studieren heißt nicht immer, nur bloße Theorie zu büffeln. Das beweisen derzeit rund 20 Studenten der Hochschule Ruhr West (HRW). Vor rund zwei Jahren begann das studentische Team mit der Entwicklung eines elektrisch betriebenen Rennwagen. Mit Prof. Dr. Katja Rösler vom Institut Maschinenbau steht ihnen eine kompetente Expertin zur Verfügung: Die Professorin kennt sich mit Autos aus – sie arbeitete bereits für einen großen deutschen Autohersteller. „Die Entwicklung eines Rennwagens ist etwas ganz anderes als die Theorie und sehr praxisnah. Und es kommt etwas Greifbares heraus“, sagt die Professorin.

Das dachten auch die Studenten und arbeiteten mit Feuereifer. Aber mit Beginn der Planung des Elektroantriebs türmten sich Hürden auf. „Es gibt gesetzliche Anforderungen bei Arbeiten mit Hochvoltanlagen“, erklärt die Professorin beim Ortstermin in der Hochschule. Das bremste den Zeitplan des Teams etwas aus. „Unsere 'Werkstatt' erüllt jetzt die gleichen Standards einer gewerblichen Kraftfahrzeugwerkstatt, in denen an Elektrofahrzeugen gearbeitet wird“, betont der studentische Projektleiter Benedikt Wozniczak. Sowohl Mitarbeiter der Hochschule als auch Studierende legten die geforderten Prüfungen ab, um an dem Antrieb weiter forschen zu können.

Ziel erreicht: Elektro-Rennwagen läuft


Jetzt sehen sich die Studenten kurz vor dem Ziel: Der Rennwagen, Made in Mülheim, läuft und sieht dabei auch noch gut aus.

Dafür sorgte Hermann Rokitta, einer der 19 Sponsoren. Der Diplomdesigner und seine Kollegin Christine Klomfaß boten der HRW Mitte 2014 an, die Studenten rund um das Design zu coachen. Zusammen mit den Studenten entwickelten sie die “Fahrzeughülle“ auf der Basis der drei Säulen Sicherheit, moderne Technik und Dynamik. Ein paar weitere Details, wie Nachhaltigkeit des Materials, Feuerfestigkeit, geringes Gewicht und Bruchsicherheit mussten natürlich auch sichergestellt werden. Die Außenhülle auf Flachs-Carbonbasis, verstärkt durch einen Bio-Epoxidharz, erfüllt die Anforderungen. „Außerdem ließ sich das Material auch entsprechend formen und bearbeiten“, sagt Rokitta.


Als besonderen Clou verfügt die Außenhülle über ein Kunststofffenster, das den Blick auf die Technik erlaubt. „Die ist natürlich völlig wasserfest verbaut“, betont Wozniczak. Ein weiteres Fenster am Heck zeigt das "Innenleben" der Außenhülle. Eine feuerfeste Rückwand schützt den Fahrer vor einem theoretisch möglichen Akkumulatorenbrand.

Elektromotor aus dem Flugzeugleichtbau


16 kleine Akkus, insgesamt rund 30 Kilogramm schwer, treiben den Elektromotor an. Der stammt aus der Flugzeugleichtbau. Die Motorleistung beträgt durchschnittlich 42 kWh (57,1 PS) – kann aber kurzfristig eine weite höhere Leistung erbringen. Damit fährt der rund 300 Kilogramm leichte Wagen von 25 Kilometer weit. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 135 Stundenkilometern. „Von Null auf 100 benötigen wir – rein rechnerich – maximal drei Sekunden“, erklärt Wozniczak. Erste Testfahrten des rund 1,60 breiten und zirka drei Meter langen Rennwagens sind erfolgreich abgeschlossen. Nur der Regentest steht noch aus, um alle Systeme, die durch rund 600 Meter Kabel verbunden sind, zu überprüfen. Mit 3-D-Druckern erstellten sie die nötigen Schutzklassebehälter und Elektrobuchsen, um sie vor Feuchtigkeit zu schützen.
Derzeit „schrauben“ die Studenten noch an den letzten Kleinigkeiten. Denn zum Campusfest am Samstag, 11. Juni, wollen die HRW-Nachwuchskonstrukteure ihren Wagen der Öffentlichkeit vorstellen.

Internationaler Wettbewerb im Juli in Italien


Zum Vergleichstest geht es im Juli nach Parma in Italien. Dort stellen die Studenten bei einem internationalen Wettbewerb ihr Auto vor. Ein zehnköpfiges Team macht sich dann mit dem Wagen und reichlich Werkzeug auf den Weg.
Neben schnellen Richtungswechseln stehen während des dreitägigen Wettbewerbs in Parma unter anderem Sprintfähigkeit, Vollbremsung, Sicherheit sowie Regentauglichkeit in dem 200 Seiten umfassenden Anforderungskatalog. „Die Rennreifen, die wir in den USA bestellt haben, wechseln wir in unter 30 Sekunden“, sagt der Student.
Stolz sind die Studenten auch auf die Finanzierung. „Wir danken unseren Sponsoren, die uns in unterschiedlichster Weise unterstützt haben“, sagen die Studenten. „Aber wer mag, kann uns immer noch helfen“, fahren sie lächelnd fort. Aber es sei schon toll, wie aufgeschlossen die Mülheimer Unternehmen gegenüber dem Projekt gewesen seien.

Und auch Sponsor Rokitta will bei der Designstudie des nächsten Wagen wieder helfen. Er und seine Kollegin haben den direkten Kontakt zu den Entwicklern kennen und schätzen gelernt. Insgesamt arbeiten in den vergangenen zwei jahren über 50 Studenten in Teilprojekten an dem Wagen. Viele Studenten fanden während der Mitarbeit Themen für ihre Bachelor- und/oder Masterarbeiten.
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