Rellinghausen feierte sein 500. Annenfest

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Die Theatergruppe aus Kommunion- und Kindergartenkindern der Gemeinde spielte die Geschichte des Hostienraubs nach. (Foto: Foto: van Bevern)
 
Annenfest (Freitag) / Glockenturm St. Lambertus Das sogenannte "Beiern" ist eine akrobatische Kraftanstrengung und ein Gehörschutz ist obligatorisch, hier: Wolfgang Blum.

Ein wahrer Festmarathon liegt hinter Rellinghausen. Das ganze Wochenende über wurde in der Gemeinde St. Lambertus das 500. Annenfest gefeiert - im Festzelt auf dem Stiftsplatz, auf dem mittelalterlichen Kinderfest rund um die Kirche und natürlich beim Festhochamt an der Annenkapelle selbst. Organisiert wurden die Feierlichkeiten von den Freunden und Förderern des Annenfestes.

Wie gelebte Tradition aussieht, weiß man in Rellinghausen nur zu gut. Immerhin liegt der Ursprung des Annenfestes stolze 500 Jahre zurück, seit einem halben Jahrtausend treffen sich hier die Gläubigen zu den eucharistischen Feiern zur Erinnerung an den Hostienraub von 1516.
Das Annenfest ist weit über die Stadtteilgrenzen hinaus bekannt und ein absolutes Muss für jeden waschechten Rellinghausener. "Unsere Vorgänger und Vorfahren haben ein Fest geschaffen, das auch den Gläubigen unserer Zeit noch etwas zu sagen hat", unterstreicht Olaf Deppe, Pfarrer der Gemeinde St. Lambertus, im Vorwort des Programmflyers. Und wer selbst beim bunten Treiben am vergangenen Wochenende dabei war weiß, wie recht der Geistliche mit seinen Worten hatte. Etliche Menschen kamen im Festzelt auf dem Stiftsplatz zusammen, feierten ihre Geschichte, ihre Gemeinschaft und ihren Glauben friedlich und ausgelassen.
Nach der offiziellen Eröffnung am Freitag folgte das "Anbeiern". Das traditionelle Geläut zum Annenfest wurde sogar per Videoübertragung auf einer Großbildleinwand direkt ins Festzelt projiziert. So konnten alle kleinen und großen Gäste live miterleben, wie die Glocken der Lambertus-Kirche per Hand und Fuß gespielt wurden und die Melodie von "Ros' o schöne Ros'" (dem Annenlied) erklang. Im Anschluss war der Nachwuchs an der Reihe. Eine Theatergruppe aus Kommunion- und Kindergartenkindern der Gemeinde brachte den Ursprung des Festes auf die Bühne: Im Jahr 1516 stahlen zwei Diebe während des Kirchweihfestes zu Ehren des Apostel Jakobus einen Sack mit vermeintlichen Goldtalern. Doch statt der erhofften Kollektegelder fanden sie geweihte Hostien. Nachdem sie ihren Irrtum bemerkten, warfen sie die Hostien in einen Dornenstrauch ins heutige Annental. Ein Schäfer sah die Tat und schlug "Alarm". Einen Tag später (am Annentag) zogen die Stiftsfrauen und Priester mit vielen Gläubigen zum Dornenstrauch und sammelten die Hostien wieder auf - die Annenprozession war geboren...
Für ihre tolle schauspielerische Leistung erhielten die Kinder viel Applaus und auch beim zweiten Auftritt am Festsamstag in der Lambertus-Kirche überzeugte der Nachwuchs auf ganzer Länge!
Am Sonntag freute sich Rellinghausen über ganz „hohen Besuch“: Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck kam zum Festhochamt, das immer direkt an der Annenkapelle gefeiert wird. Unter den Augen hunderter Gläubiger, der eucharistischen Ehrengarde und vielen Vertretern weiterer religiöser Gruppen und Vereinigungen, wurde erneut an den sogenannten „Hostienfrevel“ erinnert. Aber auch ganz aktuelle Geschehnisse wie den Terror in Nizza und in München sprach der Bischof an. Im Anschluss an das Festhochamt fand die traditionelle Prozession zur Lambertus-Kirche statt, in der der Bischof u.a. eine neue Ikone segnete und die Gemeinde zusammen das Annenlied sang. Im Anschluss ließen Jung und Alt den teilweise doch sehr anstrengenden Tag (viele Anwesenden mussten das Festhochamt in der prallen Sonne verfolgen) bei reichlich kühlenden Getränken ausklingen.

Fotos: van Bevern (1)/ Debus-Gohl
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