Am Ende winkt das Babysitter-Diplom

Wickeln üben Laura Ermels und Zoe Barz.
Das Jona-Familienzentrum bildet jugendliche Kinderbetreuer mit fundiertem Wissen aus

„Weil wir Kinder gerne mögen!“, und „Weil wir uns etwas dazu verdienen möchten!“, dass sind die einleuchtenden Argumente, warum wieder sechs Teenager zusammengekommen sind, um an der Ausbildung zum Babysitter im Jona-Familienzentrum teilzunehmen. „Seit 2007 bieten wir mit großem Erfolg zweimal pro Jahr unsere Kurse an“, erklärt Sabine Weskamp vom Jona-Familienzentrum. In der Einrichtung kann aber nicht nur der fachgerechte Umgang mit Kindern erlernt, sondern im Gegenzug auch von Eltern, die mal kindfrei haben möchten, eine Betreuung gebucht werden. „Wir haben eine Kartei von ungefähr 25 aktiven Babysittern.“
Während in der letzten Sitzung des dreigeteilten Kurses die Rechten und Pflichten eines Babysitters auf dem Programm standen, beschäftigt sich der zweite Teil mit den Gefahren, die beim Umgang mit Kindern entstehen können. In der Folgewoche kommt noch ein praktischer Teil hinzu, bei dem das Üben vom Wickeln, die Nahrungszubereitung oder Beschäftigungsmöglichkeiten für die Kleinen auf dem Programm stehen. Als sinnvolle Ergänzung sollten alle vom Jona-Familienzentrum diplomierten Betreuer einen erste Hilfe-Kursus abgeschlossen haben. „Dafür kommt das Rote Kreuz zu uns zu Besuch und der Erste-Hilfe-Abschluss wird auch akzeptiert, wenn man später seinen Führerschein machen will“, betont Kursleiterin Sabine Weskamp.
Ausschließlich Mädchen im Alter von 14 und 15 Jahren wollen heute Abend lernen, auf welche Gefahren sie beim Umgang mit den Kleinen achten müssen. Für viele eine nicht ganz neue Situation. So erklärte Lena: „Ich pass auch zuhause auf meinen neunjährigen Bruder auf, wenn meine Eltern mal weg sind.“ Und der ließe sich natürlich von ihr, der Großen, auch mal was sagen, wie sie lachend betont.
Weniger zum Lachen ist das heutige Thema. So erläutert die Kursleiterin: „Jede drei Sekunden verunglückt in Deutschland ein Kind.“ Anschließend bittet sie die jungen Damen darum einen Zettel auszufüllen. Die gemeinsame Auswertung bringt für viele Überraschendes zutage. Während die Mädchen auf die Frage: „Wo passieren die meisten Unfälle?“ Antworten geben wie ‚“auf dem Spielplatz“ oder „im Garten“ erfahren sie hier, dass tatsächlich 50 Prozent aller Unfälle im Wohnbereich passieren. Auch bei der Art der möglichen auftretenden Verletzungen zeigen sie Fantasie. „Die kriegen ein Ball an den Kopf“, kann sich Sarah vorstellen. „Die verbrennen sich an den Weihnachtskerzen“, ergänzt Zoe. Gemeinsam wird die Auflistung um: in der Tür einklemmen, stolpern und stürzen und um die möglichen Folgen wie blaue Flecken, Wunden oder Gehirnerschütterung ergänzt. „Die meisten Verletzungen, etwa 70 Prozent, treten im Kopfbereich auf“, erfahren die Mädchen. Sabine Weskamp bittet sie, sich vorzustellen, wie ein kleines Kind aussieht, damit sie herleiten können, warum das wohl so ist. „Sie sind klein, wackelig auf den Beinen und können nicht über den Tisch gucken“, lauten die Antworten. Dass ihr Kopf im Vergleich zum Rest des Körpers riesig ist und Kinder wegen ihres Tunnelblicks nur sehen können, was geradeaus und nicht rechts und lins von ihnen liegt, ergänzt die Fachfrau.
Aber nicht nur der noch nicht voll entwickelte Kleinkindkörper kann zur Gefahr werden, auch die Umgebung sollte von den zukünftigen Hüterinnen gut im Auge behalten werden. So lauern in der Küche heiße Herdplatten und giftige Haushaltsreiniger, können im Wohnzimmer Regale als Kletterhilfen, im schlimmsten Fall auf eine Fensterbank dienen oder im Badezimmer nasse Fliesen ein Ausrutschen begünstigen. Selbst seltener genutzte Räume wie Speicher oder Gartenschuppen können durch spitze Gartengeräte oder giftige Farben zur Gefahrenquelle werden. Wiederum mit der unausgebildeten Motorik zu tun hat, dass Kinder Probleme mit Treppen haben. „Lasst sie am besten auch rückwärts runterkrabbeln, weil sie die Stufen noch nicht schaffen“, lautet der gute Rat dazu. Weitere mögliche unsichere Faktoren werden im Garten auf dem Spielplatz, im Umgang mit fremden Tieren oder an der Kinderkleidung ausgemacht, so dass den angehenden Babysitterinnen bei so viel Input die Köpfe im Anschluss ordentlich rauchen. Aber auch hier, weiß Sabine Weßkamp Abhilfe. „Wir lüften jetzt mal durch und dann geht’s weiter.“ Am Ende winkt für soviel Mühen den jungen Fachfrauen ein waschechtes "Babysitterdiplom".
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