Der Reiz des Zufälligen: Museum Goch zeigt Werkschau von Alfonso Hüppi

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Foto: Steve
 
Marjana Križnik
Die Leinwand ist ihm zu langweilig: Der Künstler Alfonso Hüppi mischte einst mit bemalten Holzkisten die Kunstwelt auf. Das Museum Goch widmet dem Deutsch-Schweitzer bis zum 23. August eine Schau mit etwa 50 Werken aus den letzten fünf Jahren.

„Super!“, „Toll, ne?“ und „Das wirkt auch toll! Ist das ein Spiegel?“: In der aktuellen Ausstellung im Museum Goch gibt es für die Besucher einmal mehr vieles zu entdecken. Im Erdgeschoss dreht sich alles um Holz. Um bemalte Objekte und Wandreliefs aus Holz.

„Eine sorgsame Gesamtkompostion“


Da präsentieren sich etwa unzählige, gebrochene, und bemalte Holzlatten. Sie sind scheinbar willkürlich vor einer Wand angeordnet und Teil eines monumentalen Werks. „Das ist eine sorgsame Gesamtkomposition“, erklärt Museumsmitarbeiter Steffen Fischer. Die Anordnung der Hölzer erfolgte nicht etwa zufällig. Denn Hüppis Markenzeichen ist ein „gesteuerter Zufall“.„Hüppis Arbeiten sehen so einfach aus, aber sie sind genau durchdacht“, sagt Fischer. Der Künstler verwendet Abfallhölzer für seine Arbeiten: Sägerauhe Bretter, Packkisten, gebrochene Latten oder aber Holz-Schindeln. Sein Auffinden der Materialien ist geprägt von Zufälligkeiten. Denn: „Es gibt nichts, was es nicht wert ist, verarbeitet zu werden, lautet das Credo Alfonso Hüppis“, weiß Fischer. Überhaupt: Für den Künstler sei nichts wichtiger, als die Anerkennung des Zufalls in der Kunst.

Wer etwa an einer der Museumswände lediglich einen „Haufen Bretter“ hängen sieht (siehe Abbildung) , der hat nicht genau hingeschaut. Denn auch dieses Wandobjekt regt den Betrachter zum genauen Hinschauen an: Es besteht aus zu einem Rechteck angeordneten, unbemalten Holzbrettern. Ein weiteres Brett umschlingt wie ein Band die versetzt nebeneinander geschichteten Bretter. Auch der Humor schimmert vielerorts bei den Exponaten durch: Auf einem mannshohen zweiteligenTafelbild präsentieren sich auf der bemalten Vorderseite ein stilisierter männlicher und ein weiblicher Akt. Steffen Fischer erzählt, dass Alfonso Hüppi bereits 2007 eine Ausstellung in Goch hatte und dem Haus 120 druckgrafische Arbeiten geschenkt habe. Diese Aquarelle und Zeichnungen aus Hüppis Publikation „Aladins Lampe. Mit Liedern von Hafis, Goethe und Nietzsche“ sind nun in der oberen Etage des Museums Goch zu sehen. Die Publikation entstand in Anlehnung an Goethes Gedichtsammlung „West-östlicher Divan“. Das Konvulut aus Grafiken „entstand“ im Rahmen der Erstellung eben dieser Publikation. Es gibt eben nichts, was es nicht wert ist.....
Zwei Besucherinnen zeigen sich begeistert von der Ausstellung: „Dass das strenge, starre Material so reizvoll ist, wenn es gebrochen ist: das muss ich sehen!“, umreißt eine der Gocherinnen ihre Motivation, die Schau zu besuchen. Die Damen hätten sich hier viele Anregungen geholt, verraten sie zufrieden lächelnd.

Hintergund:

Alfonso Hüppi, geboren 1935 in Freiburg, zählt zu den bedeutenden deutschen Künstlern der Nachkriegszeit. Er lehrte von 1974 bis 1999 Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf, war Teilnehmer der Documenta 1972 und 1977 und wurde in nationalen wie internationalen Museen gefeiert. Die Gocher Ausstellung wird gefördert von der Kunststiftung NRW.

Hie ein Video zu einem Interview mit Alfonso Hüppi:

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