Nichts tun ist keine Option

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Generalleutnant Joachim Wundrak ist Kommandeur des Zentrum Luftoperationen und des NATO-Luftverteidigungsgefechtsstands in Uedem. Foto: Sattler
 
Professor Dr. Herfried Münkler bei seinem Vortrag auf der Gaesdonck. Foto: Seegers

Fast 500 Zuhörer hatten beim letzten Wintervortrag einen Umzug aus der von-Seydlitz-Kaserne in die Aula des Collegium Augustinianum Gaesdonck erforderlich gemacht.

GOCH. Allein 150 Schülerinnen und Schüler des Gocher Internats und des Berufskollegs Geldern waren gekommen, um mit Professor Dr. Herfried Münkler den derzeit vielleicht profiliertesten deutschen Politikwissenschaftler zu erleben. Münkler ist nicht nur Berater der Bundesregierung sondern auch häufiger Gast in politischen Talkshows deutscher Fernsehsender. Das Thema des 64jährigen Wahlberliners, der an der Humboldt-Universität lehrt, war „Macht in der Mitte. Die neuen Aufgaben Deutschlands in Europa.“.
Ehe Professor Münkler vortrug, durfte Generalleutnant Joachim Wundrak, gemeinsam mit dem Regionalleiter der DAG, Oberstleutnant a. D. Michael Urban, neben Gaby Theissen, der stellvertretenden Gocher Bürgermeisterin, auch den Landtagsabgeordneten Holger Ellerbrock begrüßen. Die ersten Bürger aus Kalkar, Dr. Britta Schulz, und Uedem, Rainer Weber, waren ebenfalls unter den Gästen. In seiner Begrüßungsrede bedankte sich General Wundrak bei der Leitung des Collegium Augustinianum, zu dem der Standort bereits seit mehr als 20 Jahren sehr enge und vertrauensvolle Beziehungen unterhält. Gaesdoncker Schüler sind regelmäßig Gäste bei den Wintervorträgen in der Kalkarer Kaserne.
In seinen Ausführungen skizzierte Professor Münkler sehr anschaulich, wie schwer sich unser Land damit tut, eine Führungsrolle in Europa zu übernehmen. „Früher konnte sich Deutschland gut hinter Frankreich verstecken“, so Münkler, heute sei das jedoch nicht mehr möglich: „Frankreich hat in den vergangenen 20 Jahren an Bedeutung verloren.“ Die europäischen Nachbarn erwarten von Deutschland eine führende Rolle im Herzen Europas. Selbst der ehemalige polnische Außenminister Radoslav Sikorski hatte einst gefordert das Deutschland mehr führen muss in Europa. „Wenn ein polnischer Politiker so etwas fordert“, so Professor Münkler, „dann will das schon etwas heißen.“
Im weiteren Verlauf seines Vortrages ging Münkler auch auf die vielen Krisenherde seit dem Fall der Mauer und dem Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion ein. Ein Akteur wie Deutschland brauche angemessene militärische Fähigkeiten um auf Krisen kurzfristig reagieren zu können, aber: „Langfristig kann nur ökonomische Macht eine dauerhafte und stabile Friedenlösung herbeiführen.“ Gerade in der aktuellen Ukraine-Krise sei Deutschland gefordert. „Eine Lösung ist nur gemeinsam mit Russland möglich“, so Münkler, und Deutschland falle dabei eine Schlüsselrolle zu. Für die Bundesregierung sei dies eine Gratwanderung zwischen den Interessen der europäischen Nachbarn und den Befindlichkeiten Russlands, aber: „Nichts tun ist keine Option.“
Zahlreiche Fragen aus dem Publikum machten deutlich auf wieviel Interesse der Vortrag des Berliner Politikwissenschaftlers gestoßen war. Keine Frage blieb unbeantwortet, und auch nach dem Vortrag wurde bei einem Empfang im Foyer der Aula noch munter weiter diskutiert. Die laufende Wintervortragreihe ist damit zu Ende gegangen und geht mit der Auftaktveranstaltung anlässlich des Tages der Deutschen Einheit in eine neue Runde.
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1 Kommentar
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Jan Kellendonk aus Bedburg-Hau | 11.03.2016 | 11:24  
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