Der „Auserwählte“ ist in den Hohenhof zurückgekehrt

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Ferdinand Hodler: Der Auserwählte (1903) Öl auf Leinwand, 222 x 289 cm, Osthaus Museum Hagen / Hohenhof Inv.Nr. K 252 (Foto: privat)
Hagen: Hohenhof |

Der Hohenhof ist wieder ein vollständiges „Gesamtkunstwerk“. Das Bild „Der Auserwählte“ von Ferdinand Hodler ist im September – nach viereinhalb Jahren – an seinen angestammten Platz im Empfangsraum neben der Eingangshalle zurückgekehrt.

Ende 2011 war bei einer Baubegehung des Hohenhofs festgestellt worden, dass die Sicherheit des Werkes dort unter bauphysikalischen wie sicherheitstechnischen Aspekten nicht gewährleistet ist. Daher wurde das Werk im Januar 2012 in das Depot des Osthaus Museums verlagert. Hierfür musste eine denkmalrechtliche Erlaubnis der Unteren Denkmalbehörde erteilt werden, da das Bild Bestandteil des Denkmals „Hohenhof“ ist.

Der Hohenhof in Hagen, den der belgische Künstler-Architekt Henry van de Velde als Wohnhaus für den Hagener Folkwang-Gründer Karl Ernst Osthaus und seine Familie 1906-1908 gebaut hat, zählt zu den bedeutendsten architekturgeschichtlichen Gebäuden Europas kurz nach der Jahrhundertwende und ist eines der wenigen erhaltenen Beispiele für ein Gesamtkunstwerk. Das Bauwerk ist in der Denkmalliste der Stadt Hagen eingetragen. Zu dem Gesamtkunstwerk zählen die Architektur, die Inneneinrichtung einschließlich der Möbel und Kunstwerke sowie die Außenanlagen. Wertvollster Bestandteil der Ausstattung des Hauses ist das Gemälde „Der Auserwählte“ von Ferdinand Hodler.

Um seine Rückkehr zu ermöglichen, mussten verschiedene Maßnahmen sowohl am Gebäude als auch das Bild selbst betreffend umgesetzt werden. Sämtliche Maßnahmen, die das Osthaus Museum in enger Abstimmung mit dem Fachbereich Gebäudewirtschaft konzipierte, wurden mit Ina Hanemann, der Leiterin der städtischen Denkmalbehörde wie auch mit dem Landesdenkmalamt abgestimmt.

Im Hohenhof plante und realisierte Daniel Bangrazi vom Fachbereich Gebäudewirtschaft der Stadt Hagen ab Oktober 2014 verschiedene bauliche Eingriffe, um die physische Sicherheit des Bildes zu gewährleisten und eine Klimastabilität zu erreichen. Sämtliche wasserführenden Leitungen in der Wand wurden stillgelegt, außerdem wurde die Temperierung des Raumes technisch so geändert, dass sie nun separat an die Bedürfnisse des Kunstwerkes anzupassen ist.

Der „Auserwählte“ wurde mit Unterstützung des LWL-Museumsamtes in Münster umfangreichen restauratorischen Untersuchungen unterzogen und im Anschluss durch das Restaurierungsatelier Kerkhoff & Vogel aus Bochum sorgfältig restauriert und substantiell gesichert.

Üblicherweise werden nach einer Restaurierungsmaßnahme die Werke der klassischen Moderne aus der Sammlung des Osthaus Museums zum Oberflächenschutz mit einer UV-filternden Verbundsicherheitsglasscheibe versehen. Aufgrund der Dimensionen des Hodler-Bildes (222 x 298 cm) kam diese Art der Verglasung jedoch nicht in Frage. Darüber hinaus war aufgrund des Wertes des Gemäldes und dem besonderen Anbringungsort eine weitergehende Sicherheitsmaße erforderlich.

Um die physische Sicherheit sowie die klimatische Stabilität des Gemäldes zu gewährleisten, musste ein spezieller Klimasafe hergestellt werden. Bezüglich der Umsetzung dieser Spezialanfertigung wurde das Osthaus Museum durch Stephan Brunnert, den Restaurator des LWL-Museumsamtes beraten. Zur Sicherung des Gemäldes gegen Vandalismus und Diebstahl sowie zur klimatischen Stabilisierung erhielt das Bild schließlich eine Protector-Gemäldevitrine, eine Spezialanfertigung der Firma Glasbau Hahn in Frankfurt, aus UV-filterndem Sicherheitsglas, mit integriertem Feuchtestabilisator und Sensorelektronik zur Messung von Feuchte und Temperatur. Ein Datenlogger zeichnet die Messdaten auf und kann extern ausgelesen werden.

Umfangreiche statische Untersuchungen und entsprechende Vorkehrungen waren nötig, um die sichere Verankerung des rund 350 kg schweren Klimasafes mit dem Gemälde in der historischen Ziegelwand zu gewährleisten. Abschließend erhielt das Bild noch einen Zierrahmen, dessen Farbton an das Schleiflackmobiliar des „Hodler“-Raumes angepasst wurde.

Gesamtkosten der Maßnahme: (rd. 58.000,- €)
Davon Gemäldevitrine 41.500 €.

Finanzierung: Die Finanzierung erfolgte aus Mitteln der Investitionspauschale.
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