Rezension zu "Die Wegwerfkuh" von Tanja Busse

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Das Buch zeigt Mißstände und Lösungsmöglichkeiten auf. (Foto: Blessing)

Der Titel läßt schon viel erahnen "Die Wegwerfkuh - Wie unsere Landwirtschaft Tiere verheizt, Bauern ruiniert, Ressourcen verschwendet und was wir dagegen tun können". In diesem Buch geht geht um die Landwirtschaft bzw. deren Auswüchse. Oder man könnte fragen: Welche Methoden werden eingesetzt, um ein Maximum aus Ackerfläche und Tieren herauszuholen? Wer oder was bleibt auf der Strecke? Was passiert mit unerwünschten Tieren? Wieviel Industrie verträgt die Landwirtschaft (noch)?

Das Buch fängt an und durchzieht es mit dem Schicksal eines Kälbchens, das dummerweise das falsche Geschlecht hat: ein männliches Kalb einer Milchkuh. Es wird ausgeführt, daß dieses Kalb einfach über ist, für den Züchter oder Bauern wertlos, da speziell gezüchtete Fleischrassen viel effizienter sind, so daß sogar Antibiotika zu teuer sind, wenn es z.B. Durchfall bekommt.
Immerhin hat es Glück, nicht in Australien zur Welt zu kommen, da es hier noch etwas zu leben hat, bis es an einen Abdecker verkauft werde. In Australien würde es wahrscheinlich sofort erschossen.

Szenenwechsel. In einem Milchbetrieb seien vor allem Hochleistungskühe anzutreffen, die beispielsweise im Jahr 2011 pro Jahr mehr als 13000 Kilo Milch per Kuh lieferten. Nachteil: sie brauchen Spezialfutter, spezielle Medikamente, es gibt nur reine Stallhaltung, und ca. ein Drittel der Kühe wird aussortiert, weil sie nach 3 Jahren erst einmal nicht mehr soviel Milch geben. Hieße: Sie würden geschlachtet. Die Effektivität sei also von sehr kurzer Dauer, wie rechnete sich dann die Aufzucht, das Futter usw., wenn eine weniger hochleistende Kuh eventuell 10 Jahre lebte, also viel länger "nutzbar" sei?

Landwirtschaft und Viehzucht unter der Lupe


Ein solches Beispiel wird gebracht in einem Züchter, der zwar ökonomisch denke, aber eben nicht nur das Nonplusultra herauszüchtete, sondern ein verträglicheres Mass gefunden habe: Leistung ja, aber nicht um jeden Preis. Und als Extrabonbon behielte er die zu alt gewordenen Kühe und schickt sie nicht wie andere zum Schlachter. Im Gegensatz zu einem anderen landwirtschaftlichen Zweig, nämlich den Legebatterien für Eier. Dort würden männliche Küken, die eben keine Eier legen können, noch am selben Tag geschreddert.

Eine Korrektur gebe es in der Schweinezucht, wo zuerst soviel Ferkel wie
möglich pro Wurf erstrebenswert gewesen seien. Folge sei gewesen: zuviele Ferkel pro Sau, die nicht mehr alle ernähren konnte und die Schwächsten gingen unter. Inzwischen sei es dahin korregiert worden, soviel Ferkel wie möglich, die dann auch möglichst alle überleben würden. Zum Ende hin werden dann verschiedene Alternativen vorgestellt, um aus dem Hochleistungsdruck der Landwirtschaftsindustrie herauszukommen hin zu einer tierfreundlicheren Haltung.

Fazit:

Das Buch ist sehr übersichtlich geschrieben und klar gegliedert. Es stellt die Ursachen und Wirkungen der intensiven Landwirtschaft detailgenau dar, gibt sich aber nicht nur mit dem Anprangern von Mißständen zufrieden, sondern versucht Lösungsmöglichkeiten und Alternativen aufzuzeigen.
Insgesamt lesenswert und informativ und sehr zu empfehlen.
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