Typisch deutsch

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Am Wochenende sprang sie mich wieder an: Die Angst vor der Überfremdung durch andere Kulturen. Nein, nicht meine eigene Angst - die manifestiert sich eher in der Frage ob ich auch wirklich ausreichend versichert bin - sondern die eines besorgten Mitbürgers.

Aufgerüttelt ging ich in Gedanken meine täglichen To-do-Listen durch: Wenn ich morgens aufstehe schlüpfe ich in Jeans, T-Shirt und Pullover. Die sind so schön bequem und in meinem Kleiderschrank gibt es auch kaum andere Auswahl. Mein einziges Dirndl trage ich höchstens beim Oktoberfest. Zum Frühstück gibt es Kaffee und Cornflakes oder ein Croissant. Bevor ich das Haus verlasse stecke ich Handy und Marlboro ein. (Okay - das mit den Zigaretten war einmal). Auf dem Weg zur Arbeit höre ich im Auto (übrigens ein ausländisches Fabrikat) lieber 1 Live als WDR. Im Beruf bestimmen Begriffe wie Computer, Internet, WLAN, News und Mails mein Vokabular. In der Mittagszeit renne ich wahlweise auf einen Latte Macchiato zu Starbucks oder aber auf einen Burger nach McDonald´s. Nach Feierabend fahre ich vielleicht noch schnell nach IKEA. Mein Liebster wünscht sich zum Valentinstag den neuen Törnviken (was immer das sein mag). Wenn ich abends nicht in die Disco gehe, dann chille ich gern auf dem Sofa und lese ein Lifestyle-Magazin. Oder aber ich blättere vergeblich die TV-Today durch auf der Suche nach einem deutschen Heimatfilm...

Ich muss dem besorgten Mitbürger recht geben: Außer meinen Ängsten ist auch mir nicht viel typisch Deutsches geblieben!
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Franziskus Firla aus Mülheim an der Ruhr | 18.01.2017 | 11:14  
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