Ruhiger Dienst an der Ostsee

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Neben den Hauptwachen war auch Turm 2 in Betrieb. Eingerahmt von Seebrücke links und Yachthafen rechts mit einem vor Menschen pulsierendem Strand bei schönem Wetter.
 
Vor der ca. 6 km langen Küste vor Kühlungsborn werden im Abstand von 200 m zum Strand und mit 500 m Abstand längs der Küstenlinie weiße Markierungsbojen ausgelegt. Jeglicher Bootsverkehr hinter den Bojen im Strandbereich ist untersagt.
Für die Wasserretter der DLRG Heiligenhaus war es das 26x Mal, daß sie an die Ostseeküste von Kühlungsborn fahren, um dort ihren Wasserrettungsdienst zu leisten und über die Sicherheit der Badegäste zu wachen. Seit 1991 fahren die DLRG’ler aus Heiligenhaus dorthin – dieses Jahr wieder die alte Crew – Torsten Groenewold, Michael Rückels und Michael May. Schon eine Tradition, jedes Jahr am Strand von Kühlungsborn Wasserrettungsdienst zu machen. Ob diese Tradition jedoch fortbesteht, ist fraglich. Einerseits, erklärt der Heiligenhauser Leiter Einsatz, Michael Rückels, wollen die „Alten“ ihren Wachdienst langsam auslaufen lassen. So jedenfalls hat es die „alte Wachcrew“ vor. „Dies hatten wir schon vor Jahren vor, aber jedes Jahr lockt wieder die Küste von Kühlungsborn,“ so Rückels zu diesem Vorhaben. Und so ging es 2016 mal wieder an die Küste, wo die Heiligenhauser 354 Wachstunden im Einsatz waren. Andererseits ist besonders in diesem Jahr der Nachwuchs sehr aktiv. Allerdings machen 2 Wachgänger ihre Wacherfahrungen im Ostseebad Boltenhagen, wohin sie jetzt im Juli aufgebrochen sind. Und die letzten beiden Wochen der Sommerferien geht es für 2 Wachgängerinnen gar an ein anderes Gewässer: nach Wyk auf Föhr an der Nordsee. Wie es dann in Kühlungsborn für die Heiligenhauser weitergehen wird, entscheidet sich dann meist Ende des Jahres, wenn die Bewerbungen für die neue Wachsaison an den Zentralen Wasserrettungsdienst Küste (kurz ZWRD-K) in Bad Nenndorf abgegeben werden müssen.
Aber in diesem Jahr war „die alte Wachmannschaft“ wieder Anfang Juni zur Vorsaison im Einsatz. Besonders in der Vorsaison besteht das Problem, das es nicht genügend Wasserretter in den Ostseebädern gibt. Denn der große Anteil an den Wachgängern stellen Schüler, Auszubildende und Studenten, die nur während der Ferien ihrer Bundesländer können und dann hauptsächlich in der Hauptsaison einsetzbar sind. Zum anderen ist es für die Wachgänger in der Vorsaison ein ruhiger Job, denn da sind meist Familien und die ältere Generation 60+ im Ostseebad. Ein weiteres macht dann auch noch das Wetter und das Wasser der Ostsee aus. Als die drei Wasserretter eintrafen, war es zwar schönes Wetter mit Sonnenschein und Lufttemperaturen von 16 – 20°C. Jedoch ließ die Wassertemperatur zu wünschen übrig. Sie getrug gerade mal 14°C, und stellenweise ging sie im Laufe der 2 Wochen Einsatzzeit dann auf gewagte 16° C. hoch. Und der Wind machte dann zu schaffen. Mit 2 und teilweise 4 Windstärken, meist aus nördlicher Richtung, war es trotz Sonne teilweise sehr frisch. Denn der Wind brachte auflandig noch die Oberflächenkälte der Ostsee mit. Doch wenn der Wind mal nicht so stark blies und das Wasser in Unruhe brachte, war die Gelegenheit für den Bootsführer Torsten Groenewold da, mit „Adler Kühlung 41“ oder kurz AK41 vor der Küstenlinie vom Yachthafen im Osten bis zum Campingplatz im Westen ein Kontrollfahrt zu machen. „Auch wenn nichts passierte, zeigten wir so, daß die DLRG da ist und aufpaßt,“ so Torsten Groenewoeld. Intern wird dies als Flagge zeigen bezeichnet. In der zweiten Woche wurde es mit dem Wetter etwas unruhiger. Es kam Regen auf, den die „Einheimischen“ mit Ungeduld erwartet haben. Denn während im Süden Deutschlands Landunter herrschte, war in den vergangenen Wochen in Mecklenburg-Vorpommern der Regen rar gewesen.
Notfälle gab es keine, denn auch am und im Wasser war der Andrang der Badegäste sehr überschaubar. Meistens gings nur einmal rein, abkühlen und direkt wieder raus. Nur sehr wenige mutige Schwimmer wagten sich in die kalten Fluten, um ihre Strecke zu schwimmen. Und es war auch gut so, daß es so ruhig war. In ihrer ersten Einsatzwoche waren gerade mal 7 Rettungsschwimmer auf 3 Rettungstürmen im Dienst. Die Hauptwache 3, die Wachen 2 und 6 waren besetzt. Vor allem mußte die Nebenwache 2 besetzt sein, da sie an einem viel belebten Ort ist. Rechts von dem Turm sind der Yachthafen und ein großer Standabschnitt, wo vor allem die Gäste eines angrenzenden Hotelkomplexes zum Sonnen an den Strand kommen. Links vom Turm die 260 m lange Seebrücke, auf die die Rettungsschwimmer auch ein Auge haben müssen. Am ersten Wochenende ihrer Dienstzeit reisten dann 4 Rettungsschwimmer ab, und im Laufe der nächsten Tage kamen 3 neue Helfer wieder dazu, damit die 3 Wachstationen wenigstens besetzt werden konnten.
Aber für den Abschnittsleiter Bernd Zawierucha, der in Kühlungsborn wohnt und bei der Stadt angestellt ist und für den 6 km langen Strand verantwortlich zeichnet, gab es einigen Streß. Als Fleißaufgabe hatte der das Bojenziehen. Weiße Markierungsbojen werden ca. 200 m von der Wasserkante und im Abstand von ca. 500 m vor der Küste gelegt, die den Badebereich markieren. In diesem Bereich ist es für Bootsführer untersagt, mit ihren Booten zu fahren. Weiter waren noch die Behindertenstege in Kühlungsborn Ost und West zu reparieren und benutzbar zu machen, die im Winter durch die rauhe See teils arg mitgenommen werden. Die Stege ermöglichen es Behinderten mit Rollstuhl oder Rolartor, bis ans Wasser zu kommen. Als drittes waren dann noch die Badeinseln für die Badegäste auf dem Plan. Denn während der Hauptsaison werden die Badeinseln intensiv genutzt und sind ein Anziehungspunkt für vor allem jugendliche Schwimmer.
Zwei Wochen, nachdem die Heiligenhauser ihren Einsatz beendet haben, wird es dann auch richtig voll auf den Wachtürmen und in der Unterkunft. Dann wird die Wachmannschaft auf über 20 Rettungsschwimmer anwachsen, alle 7 Rettungstürme können besetzt werden, und in der fast noch neuen Unterkunft am Sportplatz in Kühlungsborn-Ost herrscht dann großes Gedränge. In den Zimmern, die sonst mit 3 Rettungschwimmern belegt sind , hatten die Heiligenhauser Wachgänger jetzt viel Platz. Jeder Rettungsschwimmer konnte ein Zimmer für sich alleine beziehen. Und zum Strand war es dann auch nur ein „Katzensprung“ entfernt. Mit Fahrrädern ausgerüstet kein Problem. Begonnen wurde der Dienst morgens um 9.30 Uhr, meistens waren die Wachgänger aber schon um 9.00 Uhr auf den Türmen, Ende war gegen 18.00 Uhr. Da es auch keine Pausen den Tag über gab, hatte ein Wachgänger von der Turmbesatzung Dienst und die restlichen waren in Bereitschaft. So ist es dann möglich, daß abwechselnd Dienst und Pause gemacht werden können.
Rund 47.000 Rettungsschwimmer der DLRG wachen jährlich ehrenamtlich über 2 Millionen Stunden über die Sicherheit von Badegästen und Wassersportlern an den Küsten, Seen, Flüssen und Bädern – und sind auch ehrenamtlich in der Ausbildung tätig. Mit diesem humanitären Einsatz retteten sie im Jahr 2015 673 Menschen vor dem Ertrinken. Trotzdem ertranken im letzten Jahr noch 488 Menschen in Deutschland. Darum braucht die DLRG, die mit 1.400.000 Mitgliedern und Förderern die größte Wasserrettungsorganisation der Welt ist, eine noch stärkere Unterstützung aus Politik, Wirtschaft und allen Teilen der Bevölkerung. Vor allem die DLRG-Gliederungen vor Ort, die die Arbeit an der Basis machen, sind auf diese Unterstützung angewiesen.
Wie es den anderen Gruppen in ihrem Wachgebiet ergangen ist, werden wir dann auch noch berichten.
Weitere Infos sind wie immer auf der Internetseite der Heiligenhauser Wasserretter unter www. heiligenhaus.dlrg.de abrufbar.
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