Mit heißen Drähten am Oberschenkel verbrannt

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(Foto: Sylvia Mönnig)
(Text von Patricia Prange)

Tagelang war das Gericht auf der Suche nach einem 17-jährigen Zeugen. Er war während seiner Haftzeit in der Justizvollzugsanstalt Iserlohn-Drüpplingsen Opfer schwerer Misshandlungen geworden. Am Donnerstag kam er auf Umwegen doch noch nach Hagen und hat ausgesagt - und zum Teil widersprüchliche Angaben gemacht.

Es dauerte bis 14 Uhr, bis die Polizei mit dem 17-jährigen Bielefelder in Hagen eintraf. Er hatte sich offenbar versteckt, um einer Aussage vor dem Hagener Landgericht zu entgehen.
Während seiner Aussage wirkte der junge Mann unsicher und wusste oft keine Antwort auf die Fragen der Richter nach den schlimmen Misshandlungen, die er im Februar erleben musste.
Die Taten ereigneten sich während eines sogenannten Umschlusses. So wird die Zeit genannt, in der die Gefangenen gemeinsam Freizeit verbringen dürfen. Zunächst hätte ihn der Angeklagte aus Herdecke geschlagen und ihn dann mit Kabelbindern an den Beinen und Händen gefesselt. Am zweiten Tag, einem Sonntag, hätten sich die Misshandlungen dann gesteigert. Beide Angeklagten hätten ihn mit heißen Drähten am Oberschenkel und am Po verbrannt.
Auf weitere Nachfragen des Gerichts bestätigte der junge Mann zögernd auch, in einen Schrank eingesperrt worden zu sein, bis er geweint hätte.

Aussage unklar und widersprüchlich

Aber vieles blieb an seiner Aussage unklar, zum Teil sogar widersprüchlich. So berichtete er, die Angeklagten hätten mit ihm „Wetten“ abgeschlossen, und Zigarettentabak als „Wetteinsatz“ angeboten. Bei der Polizei war von Wetten keine Rede. Dort hatte der 17-Jährige berichtet, einer der Angeklagten hätte ihn sogar missbraucht.
Auf die Frage hin, warum seine Aussage vor Gericht anders sei als bei der Polizei, berief sich der Junge darauf, vieles vergessen und bewusst verdrängt zu haben. „An so was erinnert man sich ja nicht gerne“, erklärte er im Zeugenstand. Nach seiner Haftentlassung hätte er einen Schlussstrich gezogen und deshalb alles vergessen.
Nachdem der Junge seine Aussage beendet hatte, entschuldigten sich die beiden jungen Männer bei ihm. Rechtsanwalt Martin Düerkop, der den 21-jährigen Angeklagten aus Wickede vertritt, überreichte dem 17-jährigen 250 Euro Entschädigung in bar als „ersten Teil von bis zu 700 Euro“.
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