Der doppelte Abi-Jahrgang und die Folgen

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Gleicher Stoff in weniger Zeit: G8-Schüler haben eine Menge zu paucken. Foto: Sultani (Foto: Scharzad Sultani)

Mehr Abiturienten als in den vergangenen Jahren verlassen in wenigen Wochen die Schulen. „Schuld“ ist die Einführung des Abiturs nach acht Jahren. Was hat das für die Kamener Gymnasiasten zur Folge?

Die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur von bisher dreizehn auf nunmehr zwölf Jahre wurde in fast allen Bundesländern eingeführt. Den Abiturienten soll durch die Schulzeitverkürzung ermöglicht werden, ein Jahr früher die Berufsausbildung zu beginnen und entsprechend ein Jahr früher Geld zu verdienen.
Aber was ist mit den Folgen dieser Schulreform? Problematisch ist die hohe Belastung, die Schüler des G8s erfahren. Viele Gymnasiasten haben kaum noch Freizeit, sie müssen Hobbys, um in der Schule bestehen zu können. Inzwischen nimmt jeder fünfte Schüler in Deutschland Nachhilfe, da der Stoff allein für viele Schüler nicht zu bewältigen ist. Durch die eingeschränkte oder fehlende Zeit für die individuelle Entwicklung der Kinder zeichnet sich bereits jetzt eine ansteigende Zahl der Nichtversetzungen sowie der Querversetzungen in andere Schulformen ab.

Ein Jahr länger wäre besser

Und was sagen die Schüler, die von dieser Schulreform betroffen sind? ? „Ich hätte lieber das neunjährige Gymnasium gemacht, weil die Schulzeit nicht verkürzt wird und man ein Jahr mehr Zeit hat“, erklärt Katharina Mühlenkamp, G8-Schülerin am Städtischen Gymnasium in Kamen. „ Ich denke, dass es sehr auf das eine Jahr ankommt. Meiner Meinung ist man auch reifer und kann sich dann für den richtigen Beruf entscheiden. Wir kriegen es durch den hohen Druck zu spüren, dass wir ein Jahr weniger machen.“ Außerdem, so die Schülerin, blieben die NCs weiterhin hoch. „Weil man einen guten Ausbildungs- oder Studiumsplatz haben will, ist der Leistungsdruck schon sehr hoch“, so Katharina Mühlenkamp.
Im Gegensatz zum Städtischen Gymnasium ist in der Gesamtschule Kamen das Abitur nach zwölf wie auch nach 13 Jahren möglich. Daher entscheiden sich viele Eltern, ihre Kinder auf die Gesamtschule zu schicken. Dieses Jahr erreichte die Gesamtschule ein Anmelderekord. Es ist offensichtlich, dass die Eltern ihre Kinder nicht zu sehr unter Druck setzen wollen und auch nicht belasten.
Dieses Jahr absolvieren doppelt so viele Schüler das Abitur als in den Jahren davor. In dem sogenannten Doppeljahrgang, wovon Schüler des G8 und G9 betroffen sind.


Leistungsdruck und Konkurrenzkampf haben zugenommen

Von den 18 Gymnasien mit vorgezogener Schulzeitverkürzung liegen erste Ergebnisse zum Abitur 2012 vor. Danach gibt es bei den Abiturdurchschnittsnoten im Vergleich zwischen G8 und G9 keine signifikanten Unterschiede, die G8-Schüler schneiden sogar minimal besser ab.
Aber wie schwer haben es die G9 Schülers des Doppeljahrganges, mit ein Jahr jüngeren Mitschüler mitzuhalten? „Ich bin froh darüber, dass ich G9 machen konnte. Ein Jahr früher seinen Abi zu haben, hört sich gut an aber ich sehe wie viel mein kleiner Bruder jetzt auf einmal lernen muss. Es ist enorm viel Lernstoff“, meint Melina Daria Rathenow, die auf dem Städtischen Gymnasium eine der letzten G9 Schülerin ist. „Da ich mich in dem Doppeljahrgang befinde, ist der Druck gute Noten zu erzielen sehr hoch. Aber meiner Meinung nach ist der Druck immer hoch egal ob G8 oder G9. Ich mache mir Sorgen und habe auch Angst davor einen guten Ausbildungs- oder Studiumsplatz zu bekommen. Die Konkurrenz ist einfach groß.“
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Scharzad Sultani aus Kamen | 24.04.2013 | 17:01  
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