25 Jahre Sag's

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Seit 25 Jahren ist der Verein Sag's eine Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche, die sexuelle Gewalt erleben oder erlebt haben und für alle, die ihnen helfen möchten.
Langenfeld: Stadthalle |

„Wir haben schon viel geschafft, aber es gibt noch viel zu tun“ ist noch immer das Motto von Alexandra Schneider und ihrem Verein Sag's, der seit 25 Jahren in Langenfeld und Umgebung die Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche ist, an denen sexueller Missbrauch begangen wurde. Und das sind in jeder Schulklasse ein bis zwei Kinder – von Kleinkindern ganz zu schweigen.

37 Missbrauchsfälle


Langenfeld / Monheim. Bundesweit werden täglich 37 Missbrauchsfälle an Kindern und Jugendlichen angezeigt. Die Dunkelziffer aber ist um ein Vielfaches höher. Eine andere Faustformel führt das Problem drastischer vor Augen, und die hat auch Alexandra Schneider parat: „Wir müssen davon ausgehen, dass in jeder Schulklasse ein bis zwei Kinder sexuellen Missbrauch erlebt haben, und zwar meist in der Familie oder im engsten, vertrauten Kreis. Nur fünf bis zehn Prozent sind Fremdtäter“, sagt die engagierte 58-Jährige.

Sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen


Das Thema der sexuellen Gewalt an Kindern und Jugendlichen beschäftigt sie schon ganz lange, engagiert hat sie sich aber erst, nachdem sie eine Ausstellung zum Thema „Gewalt gegen Frauen“ erlebte, die von der damaligen Gleichstellungsbeauftragten Ingeborg Beineke in Langenfeld veranstaltet worden war. „Was ist mit Kindern?“ hat sie Beineke und andere interessierte Frauen gefragt. Die Antwort war ein Schulterzucken, was Alexandra Schneider nicht genügte. Mit weiteren Interessen hat sie einen Elternabend zum Thema „Missbrauch“ initiiert, und als in einem Zeitungsbericht darüber ihre Telefonnummer (irrtümlich oder absichtlich?) erschien, klingelte es bei ihr 150 Mal.
Aber es klingelte nicht nur akustisch am Telefon, sondern auch in den Köpfen der Organisatoren. Denn wenn so viele Nachfragen kommen, muss es einen enormen Bedarf geben. Erste Aktionen vor 25 Jahren drehten sich nun um Mädchen, dann wurde das Thema ausgedehnt auf Jungen und auch auf Behinderte. „Sag's“ nahm die Arbeit auf, ehrenamtlich, versteht sich, mit einer Sozial- und einer Heilpädagogin. Zweimal pro Woche durften sie einen Raum des Stadtjugendrings in der damaligen Kulturfabrik nutzen.

Rat- und Hilfesuchende aus Monheim


Diese Beratungsstelle war bald so häufig besucht, dass zwei Räume zur Verfügung gestellt und zwei ABM-Stellen geschaffen wurden, die nach zwei Jahren in feste Stellen verwandelt wurden. Auch Rat- und Hilfesuchende aus Monheim kamen schließlich dazu, und inzwischen beschäftigt der Verein vier hauptamtliche Mitarbeiter in Teilzeitstellen in Beratung und Prävention gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen, dazu gibt es noch immer Ehrenamtler. Die Finanzierung läuft über städtische und Landesmittel, über Spenden und Bußgelder.

Beratung und Betreuung


Soweit der organisatorische Ablauf. Die Beratung und Betreuung der betroffenen Kinder erfolgt ganz individuell, oft über Wochen und Monate, manchmal kommt ein junger Mensch auch als Erwachsene noch einmal vorbei, weil er mit dem Thema noch nicht fertigt ist. Aber das sind – wie Alexandra Schneider im Gespräch mit dem Wochen-Anzeiger sagte – doch eher Einzelfälle.
Kinder ab etwa zehn Jahren wenden sich an den Lehrer oder die Eltern, wenn etwas vorgefallen ist. Mit diesen Vertrauenspersonen kommen sie dann zu den Experten von Sag's. Bei kleineren Kindern wundern sich die Betreuer über veränderte Verhaltensweisen. Ein hundertprozentiges Merkmal allerdings gibt es nicht, es ist die Summe der Auffälligkeiten. „Die Kinder geben Signale, dass sie Hilfe brauchen. Die Ursache muss natürlich nicht auf einem Missbrauch beruhen. Es kann sein, dass sie verstört reagieren, weil die Oma gestorben ist, weil die Eltern sich trennen wollen, weil sie in eine andere Schule gekommen sind... Man muss da ganz behutsam fragen. Wer unsicher ist, kommt zu uns. Wir müssen das Vertrauen der Kinder gewinnen durch viele Termine, und oft wissen wir erst nach Monaten, ob sich der Verdacht bestätigt“, so schildert die Vorsitzende die Arbeit ihres Vereins, die auch Präventionsarbeit in Schulen umfasst.

Für ein normales Leben

„Meine Weggefährten und ich haben 25 Jahre lang durchgehalten, weil wir glauben, dass Kinder und Jugendliche, die Unterstützung erfahren, ein annähernd normales Leben führen können. Es ist für sie eine ganz schwere und schwarze Zeit, aber man kann helfen, dass sie damit fertig werden können“, fasst sie ihr Credo zusammen.
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