° Storchentante - Zu Fuß zur Hausgeburt

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Handtasche und Räppelchen, wie hier von der Hebamme Minna Richter aus Cappenberg, zählten auch zu den Utensilien der Mendener “Stochentante Pellmännske” Helene Pellmann .
Menden: Museum Menden | Storchentante Helene Pellmann oft zu Fuß zur Hausgeburt

“Storchentante” nannte der Volksmund die Hebammen, die im 18. und 19. Jahrhundert auch in Menden den Kindern auf die Welt halfen. In Menden vorweg das Original Helene Pellmann. Ein weit über 100 Jahre altes Räppelchen und eine Handtasche einer Hebamme aus Cappenberg, die einst in der Hönnestadt Verwandtschaft hatte, richten im Museum Menden den Blick auf die schwierigen Arbeitsbedingungen in Zeiten von Armut und Kriegen.



Nicht weniger als 6.600 Mendener Bürger soll sie auf die Welt gehoben haben. “Bei geringster Sterblichkeitsrate”, erklärt Museumsleiterin Jutta Törnig-Struck. In den Tagebüchern der Hebamme tauchen nur wenige Totgeburten auf. Das Licht der Welt erblickte Helene Pellmann am 25. September 1862 in der Lürbke, bereits in einer kinderreichen Familie. Wie damals üblich heiratete sie früh, ihr Mann verstarb aber als ihre Tochter ein Kleinkind war. Auf Anraten eines Arztes befasste sie sich mit dem Beruf der Geburtshelferin und in der Hebammenschule Paderborn erwarb sie schließlich das nötige Rüstzeug und die Approbation. Der Beruf war damals selten, Geburten wurden meist von erfahrenen Nachbarn begleitet. Um 1889 begann Helene Pellmann ihre Tätigkeit als Hebamme in Menden und erlangte rasch das Vertrauen der Wöchnerinnen. Eines der größten Probleme ambulant arbeitender Hebammen war die Mobilität. Meist zu Fuß, manchmal per Kutsche abgeholt von Ackerbauern oder stehend auf dem Holzfahrrad als Mitfahrerin, nahmen sie lange Wege in Kauf. Vor allem die umliegenden Dörfer waren mangels befestigter Wege schwer zu erreichen. Zu Helene Pellmanns Aufgaben zählte neben der direkten Geburtshilfe auch die Anleitung zur Betreuung der Säuglinge. Fließendes Wasser im Hause war noch selten, die Hygiene ließ zu wünschen übrig. Manchmal nutzte sie Textilien aus dem Privatbesitz, um den Säugling überhaupt wickeln zu können.

Rund 50 Jahre war Helene Pellmann, im Volksmund “Pellmännske” genannt, als Hebamme im Dienst, half alljährlich bei fast 133 Entbindungen. Dabei verließ sie sich meist auf eigene Erfahrungen während ihrer Einsätze. Dem Wirken der Ärzte trat sie oft skeptisch gegenüber. Zu jeder Geburt notierte sie Datum, Namen, Kindgewicht und evtl. Komplikationen. Ihr Schicksal ereilte sie schließlich am 28. Februar 1938 im Alter von 75 Jahren, als sie auf dem Weg zu einer Entbindung im Mendener Krankenhaus war.
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