Stadtspiegel-Kolumne: "Eindeutig: Unwortig"

Anzeige
Das Jahr 2017 war noch sehr jung, da gab es bereits einen heißen Anwärter auf den Titel "Unwort des Jahres": nämlich die Wortkreation "Nafris".

Vielleicht wäre es sogar noch ein letzter Anwärter für 2016, der es gerade vor Fristablauf auf die Nominierungsliste geschafft hätte?
Beides möglich. Denn öffentlich verwendet wurde der Begriff von der Kölner Polizei in der letzten Silvesternacht kurz nach 23 Uhr - also noch in 2016. Bis der Shitstorm so richtig Fahrt aufnahm, war es allerdings schon 2017.
Ein "Unwort des Jahres" soll das Sprachbewusstsein und die Sprachsensibilität in der Bevölkerung fördern. Und den Blick auf "unangemessene oder inhumane Formulierungen" lenken.
So gesehen, erfüllt "Nafris" doch die besten Voraussetzungen. Meinen Sie nicht?
Aber jetzt mal Spaß, Ironie oder auch Zynismus beiseite: Interne Abkürzungen sind für den internen Gebrauch gemacht und gedacht. In der Öffentlichkeit haben sie nichts zu suchen. Aber wenn solch ein Insiderbegriff doch mal rausrutscht, dann sollte das kein Weltuntergang sein. Vorausgesetzt, das Wort ist tatsächlich "abkürzend" und nicht "abwertend" gemeint.

Im Falle der aktuellen Kölner Silvesternacht kann man noch ein weiteres "a-Wort" hinzufügen, nämlich "ablenkend". Denn irgendwie drängt sich der Gedanke auf (und lässt sich nicht mehr abwimmeln), dass hier eine - zugegebenermaßen sehr unglückliche - Wortschöpfung dazu missbraucht wird, einen Polizeieinsatz in Misskredit zu bringen.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.