Ferienaktion Haus Bürgel: Alltag in der Römerzeit

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Bruno Benzrath (M.), stellvertretender Vorsitzender der Interessengemeinschaft Urdenbacher Kämpe - Haus Bürgel, führte die Gewinner durch das Römische Museum. Foto: de Clerque
 
Einen anschaulichen Einblick in das Alltagsleben der Römer gab es bei dem Rundgang. Foto: de Clerque
Monheim am Rhein: Haus Bürgel | Auf eine Zeitreise ins 4. Jahrhundert begaben sich die Gewinner der Wochen-Anzeiger-Ferienaktion auf Haus Bürgel. Das Gelände wird heute dreifach genutzt: Als landwirtschaftlicher Betrieb, als Biologische Station und als Museum. Letzteres bot unseren Lesern einen Ausflug in die Römerzeit – unter sachkundiger und unterhaltsamer Führung von Bruno Benzrath, Mitglied der Interessengemeinschaft Urdenbacher Kämpe.


Der Rhein war damals die Grenze zwischen dem linksrheinischen römischen Reich und dem rechtsrheinischen Reich der Germanen. Dass man rechtsrheinisch auf Spuren römischen Lebens trifft, ist eine Besonderheit. Das Rheinland war von 50 v. Chr. bis etwa 450 n. Chr. ein Teil des „Imperium Romanum“, des römischen Weltreiches. Doch die römischen Provinzen lagen immer auf der linken Rheinseite.

Der Fluss galt als natürliche Grenze zum rechtsrheinischen Reich der Germanen.
Dem Rhein ist es allerdings zu verdanken, dass die Monheimer heutzutage auch unmittelbar an der nördlichen Stadtgrenze auf Spuren römischen Lebens treffen. Deutschlands längster Fluss änderte in früheren Zeiten nämlich immer wieder seinen Verlauf. Bei einem starken Hochwasser im Jahre 1374 geschah es, dass sich das auf den Fundamenten eines römischen Militärkastells erbaute Haus Bürgel plötzlich auf der rechten Rheinseite wiederfand – im heutigen Naturschutzgebiet Urdenbacher Kämpe.

Entstanden ist das Römerkastell im 4. Jahrhundert. Mit zwölf Rundtürmen und zwei Toren, dem West- und Osttor, diente das 64 mal 64 Meter große, massive Bauwerk mit seinen fünf Meter hohen Mauern zur Grenzsicherung. Dass sich die Römer auf eine stabile Bauweise verstanden, beweisen die Überreste der bis zu zwei Meter dicken Mauern. Sie sind in die heutige Anlage integriert und beim Rundgang sichtbar. „Die Römer haben zwei Mauern hochgezogen und den Zwischenraum mit römischen Beton, dem so genannten ‚opus caementitium’, gefüllt. Dadurch hatten sie eine sehr hohe Standfestigkeit“, erklärt Bruno Benzrath. Die äußere Haut bestand aus einer Tuff-Verblendung.

Im heute noch erhaltenen mittelalterlichen Turm sind die römischen Fundamente deutlich zu erkennen, ebenso auf dem Außenpfad und im Südwest-Raum. Der quadratische Grundriss ist noch nachvollziehbar. Die Dimensionen des Römerkastells werden auf dem Außenpfad sichtbar. Pflasterungen zeigen beispielsweise die Position der Türme und des ehemaligen Osttores an. Es war zur Römerzeit der Zugang zum Rhein und diente vor allem der Versorgung und Belieferung des Kastells auf dem Wasserweg. Die Logistik der Römer war damals schon sehr ausgereift. Sie lieferten Erzeugnisse aus allen Ländern ihres Weltreiches überall hin. So waren dank des römischen Fernhandelsnetzes zum Beispiel auch Spezialitäten aus dem gesamten Mittelmeerraum in dem Militärkastell erhältlich. Dort wurden unter anderem eine Ölamphore aus Spanien und eine Weinamphore aus Palästina gefunden. „Jede der Töpfereifabriken hatte damals ihr eigenes Muster, so dass man anhand dessen feststellen konnte, woher die Ware kam“, erklärt der Museumsführer.

Die Position des römischen Friedhofs und des einstigen Kastellbades sind ebenfalls gekennzeichnet. Für die Römer war die Körperpflege sehr wichtig und so gab es im Hof des Militärkastells ein Bad. Es hatte Fußbodenheizung sowie ein Kalt- und Warmwasserbecken. Ganz neu gemacht sind die Grundrisse der Maternus-Kapelle, die nun auf dem Hof sichtbar sind. Die im 8. Jahrhundert erbaute Kapelle hat zwar nichts mehr mit den Römern zu tun, ist aber die ehemalige Pfarrkirche von Zons. Benannt ist sie nach Maternus, dem ersten namentlich bekannten Bischof von Köln.

Rund 180 Soldaten mit ihren Familien lebten in dem Militärkastell, so dass man von 250 bis 300 Bewohnern ausgeht. Ihre Aufgabe war die Grenzsicherung. Ihr Alltagsleben dokumentieren ausgewählte Funde im Römischen Museum – angefangen bei Haarnadeln und Kämmen über Schmuck und Grab-Beigaben bis hin zu Krügen und Schalen. Tierknochen geben Aufschluss über die Ernährung.

Die Nachbauten einer Getreidemühle, einer Kochstelle und eines römischen Backofen veranschaulichen die damalige Lebensweise. Der archäologische Garten zeigt, welche Pflanzen die Germanen bereits kannten und welche die Römer vom Mittelmeer mitgebracht haben, darunter vor allem Gewürze und Wein. Interessant zu sehen: vieles, was heute wie selbstverständlich auf unserem Speiseplan steht, kam erst nach der Entdeckung Amerikas zu uns, darunter Kartoffeln, Tomaten, Mais und Erdbeeren.

Einige Funde sind aber noch älter als das Römerkastell. Sie wurden auf dem römischen Friedhof im Osten der Anlage entdeckt. Es sind Grabbeigaben aus 90 Gräbern, die aus dem 1. bis 3. Jahrhundert stammen. Nach den Vorstellungen der Römer gingen die Toten ein in den Hades, das Schattenreich. Damit sie unterwegs nicht Hunger leiden mussten, gab man ihnen Speisen und Getränke in Krügen und Schalen mit. Beliebt war auch ein kleines Öllämpchen. Um den Fährmann für die Überfahrt über den Totenfluss Styx bezahlen zu können, legten die Angehörigen dem Verstorbenen Münzen mit ins Grab. Auch weiß man, dass viele der Soldaten damals die Stadt Rom nie zu Gesicht bekommen haben, sondern Einheimische, also germanische Söldner, oder Bewohner anderer römischer Provinzen waren.



Weitere Infos:


Immer sonntags können sich Interessierte in der Zeit von 14.30 bis 17 Uhr im Museum auf die Spuren der Römer begeben. Der Eintritt beträgt für Erwachsene drei Euro, Schüler und Studenten 1,50 Euro, Kinder bis zu zehn Jahren in Begleitung Erwachsener sind frei. An jedem ersten Sonntag im Monat findet um 15 Uhr eine offene Führung statt. Für Gruppen ab acht Personen sind jederzeit Führungen möglich. Termine nach Vereinbarung unter 02173 / 951 8930. Weitere Informationen im Internet www.hausbuergel.de.
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