Ein Wunder vor 99 Jahren - Vortrag erinnert an "Weihnachtsfrieden"

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Dr. Matthias Kordes, Leiter des Instituts für Stadtgeschichte in Recklinghausen, erinnerte mit einem Vortrag an den sogenannten Weihnachtsfrieden von 1914 im Ersten Weltkrieg. Foto: Krusebild
Als Auftakt zum Gedenkjahr 2014 hielt Dr. Matthias Kordes, Leiter des Instituts für Stadtgeschichte in Recklinghausen, einen Vortrag über den so genannten Weihnachtsfrieden, welcher zu Beginn des Ersten Weltkrieges im Dezember des Jahres 1914 stattfand.

In England und Frankreich wird er als der „Große Krieg“ bezeichnet. In Deutschland nennt man ihn den „Ersten Weltkrieg“. Er hatte gerade erst begonnen, da legten die Soldaten an einigen Abschnitten der Westfront im Dezember 1914 unautorisiert und aus freiem Willen ihre Waffen nieder. Berühmt wurde dieses Szenario unter dem Namen „Weihnachtsfrieden“.

Leider ist jedoch dieser Große Krieg mitsamt seinen Geschehnissen laut Dr. Matthias Kordes, dem Leiter des Stadtarchivs Recklinghausen, bei der deutschen Bevölkerung weitestgehend in Vergessenheit geraten. „Aber es lohnt sich durchaus, über diesen nahezu vergessenen Krieg zu berichten und daran zu erinnern“, beteuerte er. Um ihn wieder mehr in Erinnerung zu rufen, fand im Institut für Stadtgeschichte, passend zur Jahreszeit, ein Vortrag mit dem Titel „Ein Wunder vor 99 Jahren: Der Weihnachtsfrieden von 1914 und das Schicksal der Recklinghäuser Soldaten in den ersten fünf Monaten des Großen Krieges“ statt.

Weihnachtsbäume statt Maschinengewehre

„Als Quellen haben wir insbesondere Briefe von Soldaten“, so Matthias Kordes. Die Quellen haben alle eines gemein; bei nahezu allen beginnen die Erzählungen über den Weihnachtsfrieden damit, dass Weihnachtsmusik erklang und dass dort, wo normalerweise Maschinengewehre standen, Soldaten Weihnachtsbäume aufgestellt hatten. Aus Fredingen wurde berichtet, dass deutsche Soldaten ein Fass Bier heranrollten, sie einen Toast auf den deutschen Kaiser und schließlich auch auf den britischen König ausbrachten.
Am so genannten „Boxing Day“, wörtlich übersetzt „Geschenkschachtel-Tag“, bildete sich eine Eisschicht auf dem Boden, der die deutschen und britischen Soldaten sogar dazu anhielt, gemeinsam Fußball zu spielen. Dies war der so genannte Weihnachtsfrieden, über den bereits Paul McCartney in seinem Lied „Pipes of peace“ sang und in dem dazugehörigen Musikvideo besagten Inhalt darstellte.

Schicksalhafte Begegnung

In seinem Vortrag beschrieb Matthias Kordes auch ein Beispiel eines Recklinghäuser Soldaten im Großen Krieg. Heinrich Gottfried Steinfurt wurde 1894 in Röllinghausen geboren, ging im Zuge seines Wehrdienstes zur Marinedivision und trat seinen Dienst als Unteroffizier auf der „Emden“ an. Nach einigen geglückten Angriffen, traf die „Emden“ jedoch vor den Kokosinseln auf das australische Schiff „Sydney“. Eine schicksalhafte Begegnung, denn die „Emden“ wurde angegriffen und versenkt. Erst in den 30er Jahren wurde das Wrack von Tauchern zerlegt und die Leichen auf den Kokosinseln begraben.

„Dieser Soldat, der wahrscheinlich stolz darauf war, die Welt entdecken zu dürfen, musste letztendlich an einem ganz entlegenen Ort mit 136 anderen Menschen sterben“, so Matthias Kordes. Er zeigt mit diesem Beispiel das Gegenteil zum Weihnachtsfrieden; den großen Schrecken, den der Krieg mit sich brachte. Ende des ersten Jahres des Krieges starben allein aus Recklinghausen 360 Soldaten. Um wieder an diese schrecklichen, aber auch an manche schöne Geschehnisse zu erinnern, ist dieser Vortrag als Auftakt für das Gedenkjahr 2014 zu verstehen, in dem auch in Recklinghausen einige Aktionen zu erwarten sind, unter anderem auch eine gemeinsam erarbeitete Ausstellung der Stadtarchive der Partnerstädte Douai und Recklinghausen.

Weitere Infos zum Institut für Stadtgeschichte sind unter www.recklinghausen.de im Bereich Ruhrfestspiele und Kultur zu finden.
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