Faszinierende Lebensgeschichten: Biografie-Workshop für Ehrenamtliche

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(Foto: Caritas RE)

Wenn Johanna Kirchhelle von ihrer Zeit als Hauswirtschafterin erzählt, dann glänzen ihre Augen. Dann reiht sich eine Geschichte an die andere.

„Erinnerungen sind Lebensfrüchte, bei Frau Kirchelle ist die Ernte groß“, betont Katarina Niewelt. Sie hat an einem Workshop teilgenommen, in dessen Verlauf Ehrenamtliche das Schreiben von Biografien erlernen. Als Gesprächspartner stellten sich Bewohner des Caritashauses St. Gertrudis zur Verfügung.

„Die Bewohner haben viel erlebt, können zahlreichen Lebens-Geschichten erzählen. So entstand die Idee, diese Erlebnisse zu Papier zu bringen“, erklärt Ingrid Schulz-vor der Wülbecke, Ehrenamtskoordinatorin bei der Caritas. Schnell fanden sich mehrere interessierte Ehrenamtliche, die zunächst einmal geschult wurden. Referentin Renate Reiners, die selbst schon zahlreiche Biografien verfasst hat, führte zunächst drei Tage lang durch Übungen in die Kunst des Verfassens von Biografien ein. „Das hat Spaß gemacht und auch ein wenig dieAngst genommen“, betont Niewelt.

Im Anschluss bildeten sich Pärchen oder kleine Gruppen. Katarina Niewelt und Stefanie Apel unterhielten sich mit Johanna Kirchhelle, Maraile Speckmann und Doris Apel mit AnnaHabedank, Helga Schüren mit Rosa Hesse und Herbert Drumann mit Hermann Josef Schmitz. „Wir kannten uns kaum, daher war es zunächst einfach nur ein lockeres Gespräch“ erinnert sich Drumann.

In Erinnerungen schwelgen und sie bewahren


Schnell aber schwelgte auch Schmitz in Erinnerungen, berichtete von seiner Ausbildung zum Schneider. „Das habe ich von der Pike auf gelernt“, erklärt der Bewohner. Aus gesundheitlichen Gründen musste er den Beruf aber aufgeben und arbeitete fortan als Zusteller bei der Post. Dort war er täglich mit dem Fahrrad unterwegs, sowieso sein absolutes Lieblings-Fortbewegungsmittel „Ich habe alle Auslandsreisen mit dem Fahrrad unternommen, bin nur mal mit dem Zug gefahren, wenn es gar nicht anders ging“, erinnert sich Schmitz. „Er ist sogar bis Santiago de Compostela gefahren.

Diese und andere Reisen werden wir noch vertiefen“, fügt Drumann hinzu und ist sich jetzt schon sicher,dass dort noch die eine oder andere Geschichte mehr zu Tage kommt, die eswert ist, aufgeschrieben zu werden. „Für uns ist das ebenfalls spannend. Zum einen, weil einige der Bewohner, die sonst eher zurückhaltend sind, aus sich heraus gehen, zum anderen erhalten wir Informationen, die uns auch im täglichen Umgang weiterhelfen“, erklärt Sabine Mindel vom Sozialen Dienst des Caritashauses St. Gertrudis.

Dabei war - wie so oft - aller Anfang schwer. „Was soll ich Ihnen denn erzählen?“ Eine Frage, mit der sich fast alle Ehrenamtlichenzunächst konfrontiert sahen. Um dann schnell festzustellen, dass die Bewohner sogar ganz viel zu erzählen haben. Und sich an Details genauestens erinnern. „Wir haben uns über ein Unglück in den 50er-Jahren unterhalten, dass Frau Haberdank hautnah miterlebt hat. Sie konnte sich an so viele Kleinigkeiten erinnern, dass ich nur staunen konnte“, so Maraile Speckmann, die aus reiner Neugier nach dem Gespräch im Internet recherchierte und feststellte: „Das hat sich alles exakt so ereignet“.

Mit dem Workshop ist das Archivieren der Erinnerungen allerdings noch lange nicht vorüber. Das soll weiter geführt werden. „Wenn wir ausreichend Geschichten gesammelt haben, soll ein Buch entstehen“, blickt Ingrid Schulz-vor der Wülbecke voraus. Ein Buch voller Erinnerungen.
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