Online-Gedenkbuch setzt sich mit NS-Zeit auseinander

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Bürgermeister Christoph Tesche (r.) stellt gemeinsam mit dem Ersten Beigeordneten Georg Möllers (2.v.l.) und VHS-Leiter Jürgen Pohl (l.) das Online-Gedenkbuch vor. (Foto: Stadt RE)

Sich mit der NS-Diktatur auseinandersetzen, Möglichkeiten des Engagements schaffen und sich so gegen das Vergessen des Nazi-Terrors einsetzen – dafür steht das neue Online-Gedenkbuch der Stadt Recklinghausen.

Zur Weiterentwicklung der Gedenkkultur haben Vertreter von Stadt und engagierten Vereinen das Gedenkbuch offiziell vorgestellt und unter www.recklinghausen.de/gedenkbuch für alle freigeschaltet – auch zum Mitmachen.
Denn abgeschlossen ist das Projekt nicht: Künftig sollen sich Bürger und Schulen mit selbst erarbeiteten Biografien an dem Gedenkbuch beteiligen. „Wir wollen damit nicht nur auf die zurückliegenden Taten der Nationalsozialisten hinweisen“, sagt Bürgermeister Christoph Tesche. „Wir wollen auch einen Appell an unsere Mitbürger richten, nicht zu vergessen und sich zu erinnern, damit antisemitische Taten, Diskriminierung und fremdenfeindliche Tendenzen keinen Platz in Recklinghausen bekommen.“

Schulen, Gruppen, Vereine und auch Einzelpersonen sind damit dazu aufgerufen, sich für die Gedenkkultur in Recklinghausen zu engagieren. Die erarbeiteten Biografien können dann Grundlage für die spätere Verlegung von Stolpersteinen werden. „Das Online-Portal spiegelt aber auch die Ergebnisse der jahrzehntelangen Auseinandersetzung der Recklinghäuser mit der NS-Terrorherrschaft wider“, sagt Georg Möllers, Beigeordneter und 2. Vorsitzender des Vereins für Orts- und Heimatkunde. „Im Zentrum stehen dabei Menschen, Bürger, Nachbarn oder Geschäftspartner, die Opfer von Verfolgung oder Diskriminierung wurden. Die Begegnung mit menschlichen Schicksalen ist eine Grundlage, sich weltweit für Menschenwürde und Menschenrechte einzusetzen.“

In drei Bereiche ist das Online-Gedenkbuch unterteilt: Im ersten Teil, dem „Opferbuch“, sind die Verfolgten alphabetisch aufgelistet. Im zweiten Teil sind die „Stätten der Herrschaft“ zu finden. Dort sind Orte in Recklinghausen aufgelistet, die in Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus stehen. Diese sind auch auf einer interaktiven Karte verzeichnet. Der dritte Teil beschäftigt sich mit der Dokumentation des bisherigen und jetzigen Gedenkens in der Stadt Recklinghausen. „Im Opferbuch sind die Namen von inzwischen mehr als 890 Opfern aufgelistet“, sagt Jürgen Pohl, VHS-Leiter und Vorsitzender des Vereins für Orts- und Heimatkunde. „Das Nazi-Regime versuchte damals, die Erinnerung an all diese Menschen auszulöschen. Wir setzen uns mit dem Opferbuch dafür ein, die Erinnerung an jeden einzelnen Menschen wach zu halten.“ Im Opferbuch sind Biografien, Fotos und je nach Quellenlage auch Lebenswege von Opfern aufgeführt. Über die allgemeine oder die Detail-Suche können Leser direkt zu bestimmten Namen springen. Die interaktive Karte im zweiten Teil, den „Stätten der Herrschaft“, verweist auf Orte in Recklinghausen, an denen Opfer verfolgt, Widerstand gegen das Regime geleistet oder Herrschaft ausgeübt wurde. So wird dort zum Beispiel über einen „Volkssturm“ auf das Recklinghäuser Rathaus berichtet, um mißliebige, national und sozial unzuverlässige Beamte – „die für den nationalen Aufbau Deutschlands einfach untragbar sind – zur Rechenschaft zu ziehen“.

Der Aufruf zum Mitmachen gilt ab sofort: Zur Ergänzung, Korrektur und zur Weiterarbeit sind Bürgerinnen und Bürger, Schulen und andere Institutionen und gesellschaftliche Gruppen eingeladen. Das Online-Gedenkbuch ist Teil des Internetauftritts der Stadt Recklinghausen und ab sofort über den Kurzlink www.recklinghausen.de/gedenkbuch zu erreichen.
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