Tafeln vor dem Aus? - Unnas Parteien melden sich zu Wort

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Die Tafeln und ihre Mitarbeiter leisten eine wichtige Arbeit, von der viele profitieren. Nun stehen Filialen vor dem Aus - weil die Mitarbeiter fehlen. (Foto: Archiv)

Diese Nachricht hat viele aufgeschreckt: Tafel-Vorsitzende Ulrike Trümper kündigte die Schließung der Ausgabestellen in Fröndenberg, Bönen, Holzwickede und Massen für die nächsten Wochen an. Grund: der Wegfall der sogenannten Ein-Euro-Jobber.

Die Maßnahme der Arbeitsgelegenheiten war von Anfang an befristet angelegt. Schließlich wollte man damit Langzeitarbeitslose wieder in den Job bringen. Ein Projekt, dass allerdings heute als gescheitert erklärt werden muss. Leidtragende sind vor allem gemeinnnützige Einrichtungen wie eben die Tafel. Sie konnten in den vergangenen Jahren den Betrieb nur mithilfe der Ein-Euro-Jobber aufrecht erhalten. Es fehlt schlichtweg an ausreichend ehrenamtlichen Helfern, die die Arbeit stemmen können. Was allerdings wiederum mit der großen Nachfrage zusammenhängt.

Inzwischen melden sich nach und nach die politischen Parteien zu diesem Thema zu Wort:

Ihr großes Bedauern drückt unter anderem die Kreistagsfraktion von BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN aus.
Der Fraktionsvorsitzende Herbert Goldmann: „ Ich hoffe, wir bekommen alle Beteiligten und auch die Verwaltung, Jobcenter etc. schnellstmöglich gemeinsam an einen Tisch, um uns über alternative Lösungen abzustimmen.“
Natürlich ist es formal richtig, dass die Ein-Euro-Jobber nicht mehr in gemeinnützigen Organisationen eingesetzt werden können.

Allerdings sehen die Grünen weitere Möglichkeiten, den notwendigen Betrieb der Tafeln aufrecht zu erhalten. „Darum muss dringend mit den Vereinen und Wohlfahrtsverbänden gesprochen werden und eine den aktuellen formellen Voraussetzungen und den sozial und gesellschaftlichen Notwendigkeiten angepasste Lösung zu finden. Dabei dürfen wir andere, wie die Radstationen natürlich nicht vergessen“, so Herbert Goldmann abschließend.

Vor allem das Jobcenter in der Pflicht sieht dagegen die SPD:

"SPD-Fraktionschefin Brigitte Cziehso platzt der Kragen" lässt die SPD mitteilen: „Wir teilen die Auffassungen des Jobcenters Kreis Unna ausdrücklich nicht, dass sich unter den SGB-II-Empfängern keine geeigneten Mitarbeiter für soziale Einrichtungen finden lassen“, so Wulf Erdmann, Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Kreistag des Kreises Unna.

Es sei ein Unding, wenn sich das von Kreis und Bund gleichermaßen getragene Jobcenter ohne jede Absprache und gegen jeden kommunalpolitischen Willen zurückziehen wolle, so die SPD. Die Leitung der Behörde habe sich jetzt eindeutig zu erklären und „in den nächsten Tagen“ eine Lösung auf den Tisch zu bringen, die keine der gemeinnützigen Einrichtungen auch nur andeutungsweise in ihren heutigen Möglichkeiten einschränke.

In aller Klarheit stellen sich die Sozialdemokraten indessen hinter die Tafeln und die Sozialkaufhäuser: „Da leisten Verbände, Vereine und viele Ehrenamtliche eine unglaublich wichtige Arbeit, die denen zugute kommt, die nun wirklich jeden Cent zweimal umdrehen müssen. Diese Arbeit darf und wird nicht gefährdet, sie braucht die gesammelte politische Unterstützung“, unterstreicht Brigitte Cziehso.

Inzwischen hat sich auch Landrat Michael Makiolla zu Wort gemeldet. Er will die Tafeln weiter erhalten und dafür auch Personal bereitstellen. Gemeinsam mit dem Unnaer Jobcenter soll kurzfristig entschieden werden, ob zwei Arbeitsgelegenheiten bei der Tafel weiter bewilligt werden können..
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2 Kommentare
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Heike Palm aus Unna | 05.09.2013 | 16:37  
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Uwe Calovini aus Holzwickede | 06.09.2013 | 01:25  
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