Ein Blick in den OP

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Charleen Gester, Aylin Siragusano, Ute Münch, stellvertretende OP-Leitung und Sektionsleitung OP (vorne von links), Daniela Wübbold und Astrid v.Lauff (hinten von links).
   
Konzentration im OP-Saal: Die drei Stadtanzeiger-Leserinnen hören gespannt den Erläuterungen des Fachpersonals zu.

Losglück: Drei Leserinnen warfen einen Blick hinter die Kulissen des Helios Klinikum Niederberg

Drei glückliche Gewinnerinnen einer Verlosungsaktion des Stadtanzeigers hatten die Gelegenheit, das Helios Klinikum Niederberg genauer kennenzulernen. Begleitet wurden sie dabei von Redaktions-Mitarbeiterin Astrid von Lauff. Ihnen wurden Türen geöffnet, die sonst nur medizinischen Mitarbeitern der Klinik offen stehen. Beinah drei Stunden lang lernten sie alles rund um den OP-Bereich der Klinik kennen. Und das Ganze unter „fast“ echten Bedingungen.

Was an diesem Nachmittag ganz genau auf sie zukommen würde, war keiner der drei Gewinnerinnen so ganz klar. Auch mir nicht. Also warteten wir im Foyer des Helios Klinikum auf die Dinge die da kommen mochten. Zeit, um sich schon einmal ein bisschen auszutauschen. Drei Frauen – drei verschiedene Gründe, um an der Verlosung teilzunehmen. „Mir steht eine Hand-OP bevor. Davor habe ich jetzt schon Panik“, so Daniela Wübbold. „Ich habe mir gedacht, wenn ich mir so einen Operationssaal mal anschaue und die Abläufe kennenlerne, ist das vielleicht so eine Art Angstbewältigung.“ Die angehende Abiturientin Charleen Gester interessiert sich generell für medizinische Themen und schaut gern Krankenhaus-Serien, „Grace Anatomy“ ,“Emergency Room“, da interessiere es sie einfach mal, wie die Wirklichkeit aussehe. Aylin Siragusano wiederum träumt schon immer von einer Ausbildung zur OP-Schwester. Daher ergriff sie die Gelegenheit beim Schopfe, um sich „ihren zukünftigen Arbeitsplatz einmal näher anzusehen“. Pünktlich werden wir von Jane Looden, Unternehmenskommunikation der Klinik, und dem Leitungsteam für den OP, Jonas Hemkes und Ute Münch, in Empfang genommen. Unsere Spannung steigt. Doch bevor es in den OP-Saal geht, werden wir in einen Besprechungsraum geführt und hier ist erst mal Theorie angesagt. Im Fokus stehen die sogenannten „Siebe“, eine Art Werkzeugkoffer für eine Operation.

Instrumenten-Siebe wurden komplett ausgetauscht und erneuert

In einem Gitterkorb liegen sorgsam sortiert alle Instrumente, die für eine OP benötigt werden. „Für jede OP gibt es ein spezielles Sieb“, erklärt Jonas Hemkes, Gesamtleitung OP. „Die Größe variiert. In einem Sieb für eine Prothesen-OP liegen natürlich nicht nur Pinzette und Schere, da ist ,schweres Gerät' nötig und das Sieb kann Koffergröße erreichen.“ Dementsprechend groß müsse man sich auch den zentralen „Steri“ vorstellen, der in Wuppertal steht. Eine Art „Waschstraße“, durch die fahrbare Container so groß wie Kleiderschränke oder Autos fahren. Seit einem Jahr findet bei Helios ein ‚Eins zu Eins-Austausch‘ der Siebe statt. Sukzessive werden alle Siebe erneuert. Die Velberter Helios Klinik lässt sich diese Einführung von neuen Instrumenten einen Betrag im höheren sechsstelligen Bereich kosten. Der Austauschprozess sei jetzt nahezu abgeschlossen und die Klinik habe in der vergangenen Woche alle neuen Siebe erhalten, erfahren die drei Gewinnerinnen von Jane Looden. Nach der Endabnahme werde alles fotografiert und archiviert, so dass das Klinikpersonal jederzeit auf diese Datenbank zugreifen könne.

Für mich und ‚meine‘ Leserinnen ist das überwiegend „Wissens-Neuland“. „Viel gelernt“, denke ich. Jetzt noch den OP-Saal besichtigen, das war’s. Weit gefehlt. OP-Schwester Ute Münch führt uns in die Personal-Umkleide. „Bitte bis auf die Unterwäsche ausziehen. Sie erhalten jetzt das komplette Outfit einer OP-Schwester. Schuhe, Mundschutz und Haube inklusive.“

Patientensicherheit steht an erster Stelle

Nachdem auch die letzte von uns ihre Haube korrekt aufgesetzt hat und unser Mundschutz so sitzt, dass keine akute Atemnot zu befürchten ist, geht es weiter. Schleusentüren schließen sich hinter uns. Jetzt befinden wir uns im OP-Bereich. Wir betreten einen der sechs OP-Säle der Klinik: Grüne Fliesen, moderne medizinische Geräte und in der Mitte der OP-Tisch. Der Patient liegt auch schon da – Frau Müller, ein „Dummy“. Wurde anfangs hin und wieder gescherzt und gelacht, wird es jetzt ernst. Dem OP-Team ist die perfekte Simulation gelungen. Wir durchlaufen alle Stationen, die vor Beginn einer OP nötig sind: Händedesinfektion, das korrekte Anlegen des sterilen Kittels und der Gummi-Handschuhe. Münch: „Hier muss jeder Handgriff sitzen. Sterilität und Patientensicherheit stehen an erster Stelle. Heute machen wir einen Kaiserschnitt, eine sogenannte 'Sectio'.“ Auch das spezielle „Sectio-Sieb" steht schon parat.

Genauestens untersuchen die drei „OP-Schwestern auf Zeit“ die nötigen Instrumente für den bevorstehenden Eingriff und dürfen mutmaßen, wofür was gebraucht wird. Organ-Fass-Zangen, Klemmen, Scheren, Skalpell, eine Art Stahllöffel für den Babykopf. Operationsart „Kaiserschnitt“ – „das hat für Frauen einen hohen Identifikationsfaktor“, so Münch. "Stimmt", denke ich. Uns allen ist anzumerken: Kopfkino setzt ein. Was für eine Verantwortung. Wir lernen Leitsprüche wie: „Was aus der Hand kommt, geht in die Hand zurück“, denn jedes Instrument muss wieder an seinem ursprünglichen Platz zu liegen kommen. Der Instrumentiertisch heißt „stumme Schwester“ und ist das Heiligtum der OP-Schwester und: „Die OP-Schwester am Tisch, ist der Chef im Ring.“

„Bei einer OP sitzt jeder Handgriff wie aus dem Effeff. Das Team am Tisch arbeitet Hand in Hand“, so Jonas Hemkes, der seit April der OP-Leiter ist. „Und im Notfall? Woher weiß da jeder, was zu tun ist?“, möchte Aylin Siragusano wissen. „Eine OP ist wie ein Flug. Und genau wie in der Luftfahrt beim ‚Crew-Resource-Management‘, wird bei Helios regelmäßig der Notfall geübt. Sozusagen im Simulator mit ganz viel Technik.“ So lerne das Team, auch im Notfall Ruhe zu bewahren. Mentale Stärke sei unerlässlich.

Inzwischen hat das heutige Team die Operation erfolgreich durchgeführt. Ein wenig geschafft verlassen wir den OP-Saal – gut, dass es nur eine Simulation war. Unsere Leserinnen „konnten viel mitnehmen“, Ängste abbauen und erkennen, dass eine Fernsehserie nicht viel mit der Krankenhaus-Realität zu tun hat. Für Aylin steht auch jetzt noch fest: Genau das ist der Beruf, den sie gerne erlernen möchte. Das war ein außergewöhnlicher Nachmittag, doch bei unserer Verabschiedung verzichten wir ganz bewusst auf den Satz. „Vielleicht sehen wir uns ja bald mal wieder.“ Besser nicht.
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