Kein "Aus" für Holzkunst-Tradition

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Brigitte und Horst Schmidt mit Tochter Heike Postle vor ihrem Laden in Nierenhof.
 
Brigitte und Horst Schmidt und Tochter Heike Postle zeigen die bekannten erzgebirgischen Blumenkinder.
Für die "Geschenk-Truhe" der Familie Schmidt geht es in Kupferdreh weiter



"Erzgebirgische Holzkunst" in Nierenhof - das ist leider Geschichte. Doch nach der unerwarteten Mietvertrag-Kündigung ihrer Geschäftsräume an der Bonsfelder Straße geht es für Brigitte und Horst Schmidt ab Juli in Kupferdreh an der Kupferdreher Straße 178 weiter und was die beiden besonders freut, Tochter Heike Postle wird in die Fußstapfen der Eltern treten und auch Sohn Holger wird ihnen weiterhin unterstützend zur Seite stehen.

"Erzgebirgische Holzkunst" steht mit großen Lettern auf der Sonnenmarkise geschrieben und jeder, der die stark befahrene Kreuzung des Langenberger Ortsteils Nierenhof schon öfter passiert hat, wird sich verwundert gefragt haben, wie ein so außergewöhnliches Geschäft seinen Weg in diesen kleinen Ort gefunden hat. Wer den Laden von Brigitte und Horst Schmidt dann betrat, konnte es gleich spüren – hier ticken die Uhren noch anders. Ein Eldorado für alle Menschen, die sich nach ein bisschen mehr „Entschleunigung“ in ihrem Leben sehnen. Hunderte von kleinen, handgemachten Figuren, liebevoll in Glasvitrinen arrangiert, erweckten den Verkaufsraum zum Leben und das Schönste: Hier gab es keinen Zeitdruck. Das Ehepaar nahm sich immer viel Zeit für seine Kunden - für die Beratung, aber auch für einen kleinen Plausch zwischendurch. Auch, wenn die Kunden, die nicht selten von weit her kamen, in der Vorweihnachtszeit bis zur Türe Schlange standen, um die bekannten originalen Schwibbögen, Räuchermännchen oder Orchester-Engel zu erwerben, beriet das Ehepaar ausführlich und mit viel Ruhe. Brigitte Schmidt: „Das sind alles Unikate. Jedes Figürchen wurde manuell hergestellt und detailreich bemalt. Beim genaueren Hinsehen, erkennt man sofort, kein Gesichtchen ist identisch, egal ob Blumen-, oder Wurzelkinder, Waldtiere, Engel oder Feengestalten.“
Doch kurz vor Weihnachten sah es kurzfristig so aus, als müssten die Eheleute Schmidt ihr Geschäft für immer schließen, denn der Mietvertrag wurde gekündigt. Brigitte Schmidt: "Das war eine schwere Zeit für uns, doch wir erhielten so viel Zuspruch von unseren Kunden. Dafür sind wir sehr dankbar.
Eher zufällig fand die Holzkunst aus dem Erzgebirge ihren Weg in diesen Ort.
"Damals besaßen wir eine chemische Reinigung, die in den Anfangszeiten in Hattingen beheimatet war. Da wir beide aus Thüringen stammen, bekamen wir hin wieder von unseren Verwandten aus der DDR Holzkunst aus dem Erzgebirge geschenkt, mit denen meine Frau dann unserer Geschäft dekorierte", erinnert sich Horst Schmidt. "Das große Interesse unserer Kunden brachte uns schließlich auf die Idee diese traditionsreiche Kunst auch hier anzubieten." Und so richtete das Paar nach ihrem Geschäftsumzug nach Nierenhof eine kleine Verkaufsecke in ihrer Reinigung ein, die mit der Zeit immer größer wurde. Heute ist die Reinigung längst Vergangenheit, doch die erzgebirgische Holzkunst wurde ein wichtiger Teil im Leben der Familie Schmidt. "Zu DDR-Zeiten konnten wir die Holzkunst nur über einen Großhändler beziehen. Mit den volkseigenen Betrieben der DDR war kein Handel möglich", erinnert sich Brigitte Schmidt. Höchstens als sogenannte "Bückeware" gegen harte Westwährung, denn nach diesen Artikeln musste sich der Verkäufer bücken - sie lagen ganz unten im Verkaufstresen.
Nach dem Mauerfall dann, wurde alles leichter. "Wir besuchten die kleinen Manufakturen und schnell knüpften wir persönliche Kontakte zu den Menschen." Auch Tochter Heike kann sich noch gut an diese Zeit erinnern. "Der Geruch nach frisch verleimten Holz, der in den Werkstätten in der Luft lag, ist für mich eine ganz typische Kindheitserinnerung." Es kommt also nicht von ganz ungefähr, dass sie sich dazu entschlossen hat, die Familientradition fortzusetzen. Zwar an neuem Ort und in neuen Räumen, doch sicher mit der gleichen inneren Verbundenheit zu dieser ganz besonderen Holzkunst aus dem Erzgebirge. Und Brigitte und Horst Schmidt? Die werden immer noch für ihre Kunden da sein, Geschichten erzählen, zuhören und einem kleinem Stück deutscher Kultur hier eine Heimat geben.
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