Schloss Hardenberg in Neviges: „Das ist einzigartig“

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Dr. Joachim Zeune nahm mehr als 100 Interessierte mit auf eine Reise in die Vergangenheit des Schlosses Hardenberg. (Foto: Bangert)

„Ich habe so was noch nie gesehen, es gibt nur zwei Analogien in Nordkirchen und was ähnliches in Holland.“

Wenn Dr. Joachim Zeune über die Wehranlagen des Hardenberger Schlosses redet, gerät der Burgenexperte ins Schwärmen. Mehr als 100 Interessenten hängen dem Mittelalterarchäologen an den Lippen, der auf Einladung des Fördervereins Schloss Hardenberg zum Rundgang über die Baustelle eingeladen hatte.
„Um 1550 wurde aus einer normalen Befestigung durch Überschüttung eine kleine Festung geschaffen, die durch ihre massive Bauweise alle anderen Wehrgänge überschattet. Neben dem äußeren wurde auch ein innerer Wassergraben geschaffen. Wilhelm V. von Bernsau war sehr vermögend, der muss einen Baumeister gefunden haben, der etwas schuf, was einzigartig in der ganzen deutschen Festungsarchitektur ist. Für mich ist das ein Highlight - schön, dass wir das Bauwerk retten können.“
Der Burgenexperte spricht der Stadt Velbert seinen Respekt aus, weil sie den Dreh gekriegt hat, die fürs Herrenhaus vorgesehenen Gelder auf die Sanierung der Wehranlage umzuleiten.

Noch vor wenigen Jahrzehnten war man sich der Bedeutung dieser Festung nicht bewusst, die Kasematten wurden teilweise zugeschüttet.

„Da muss wohl ein Schuhmacher dabei gewesen sein“, so Zeune. „Wir haben jede Menge Schuhsohlen und Schnapsflaschen aus den 70er Jahren gefunden.“
Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, einen Teil der Kasematten zu besichtigen. „Bitte gehen Sie ganz vorsichtig über die Stufen und denken Sie daran, dass sich die Augen erst an die Dunkelheit gewöhnen müssen, es gibt nur eine schwache Notbeleuchtung“, mahnt Projektleiter Björn Dröscher. Einige ältere Besucher kennen sich aus: „Als ich bei den Pfadfindern war, bin ich öfters hier unten gewesen“, verrät ein Senior. Noch heute werden die vier Türme, von denen Gänge zu den Kasematten abgehen, von Jugendorganisationen genutzt. Dies ist zurzeit wegen der Bauarbeiten nicht möglich.

Das alte Gemäuer begeistert nicht nur die Menschen, sondern ist auch Lebensraum für Fledermäuse.


„Wir haben hier eine große Wochenstube“, weiß Nabu-Fledermausexperte Frank Todt. „Mindestens drei Arten leben hier, fünf bis sechs weitere jagen hier, darunter ganz seltene Arten.“ Zwei Wehrgänge sollen für die Flügeltiere reserviert bleiben. Durch technische Mittel sollen die Besucher Einblicke in die Kinderstube der fliegenden Mäuse erhalten. Das liegt in der Zukunft, doch in die blickt der umtriebige Fördervereinsvorsitzende Dr. Peter Egen optimistisch, wenn ein Nutzungskonzept für das Schloss vorgestellt wird. „Das müssen aber Fachleute außerhalb des Rates erarbeiten, die können das besser“, so Dr. Peter Egen.
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