DRB-Präsident Werner: Der Kampf hat sich gelohnt IOC-Beschluss: "Ringen bleibt weiter olympisch!"

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Akaki legt sich den Gegner zurecht. amö-Foto
 
KSV-Chef Detlef Englich kann die frohe Botschaft nicht laut genug herausposaunen: "Ringen bleibt olymisch!" Foto: Alfred Möller
49 Ja-Stimmen für die Kernsportart Ringen

Die Hoffnung hat nicht getrogen. Ringen bleibt weiter olympisch! Der weltweite Ringer-Schock über den beabsichtigten "Rausschmiss" aus der Olympia-Familie ist nun vollendete Vergangen-
heit. Denn: Am Sonntag, 8. September, entschied das Exekutiv-Komitee des IOC in Buenos Aires, dass die Traditionssportart Ringen auch noch in den Jahren 2020 und 2024 olympisch bleibt. Bei der Abstimmung der 95 wahlberechtigten IOC-Mitglieder fielen 49 Stimmen auf Ringen,
24 auf Baseball/Softball und 22 auf Squash.

"Die Ringerinnen und Ringer auf der ganzen Welt sind erleichtert, dass ihr ganz persönlicher Traum von Olympia als stärkster Motivationsfaktor erhalten bleibt und feiern die Entscheidung begeistert", sagte Manfred Werner, Präsident des Deutschen Ringer-Bundes (DRB): "Unser Kampf hat sich gelohnt."

Der im Februar 2013 gefasste Beschluss der IOC-Altherren-Riege, Ringen von der Liste der olympischen Kernsportarten zu streichen, traf die weltweite Ringergemeinde ohne Vorwarnung. Und löste eine globale Protestwelle aus. Auch die 15000 Ringer und 1500 Ringerinnen Deutschlands waren nicht nur empört, sie waren richtig wütend ob dieses kaum nachvollziebaren Vorhabens. Obwohl oft zu hören ist, Ringer seien die Nashörner unter den Sportlern und akut vom Aussterben bedroht, setzten sie alles daran, ein Umdenken bei den IOC-Granden zu bbewirken.

Dabei gelten Ringen und Laufen als Mutter und Vater der olympischen Disziplinen, quasi als der Inbegriff des sportlichen Wettstreits überhaupt. Bei den antiken Wettkämpfen vor über 2000 Jahren in Griechenland verehrte das Publikum die Ringer als Helden. Es waren tapfere Kämpfer, die ihre Gegner mit Mut, Kraft und bloßen Händen aufs Kreuz legten.

Dagegen soll nicht unerwähnt bleiben, dass sich die Ringer - angeführt von ihren Funktionären - in den letzten Jahren mit kaum nachvollziehbaren Regeln und einem undurchsichtigen Punktesystem fast selbst ausgehebelt hätten. Für die nicht ganz so fachkundigen Zuschauer blieb es oft ein Rätsel, warum ein Ringer die Matte als Sieger und der andere als Verlierer verließ.

Unter dem Druck des IOC runderneuerte sich der Ringer-Weltverband FILA durch Neuwahlen, vereinfachte mit einem Reformpaket die Regeln - Ringkämpfe dauern nun statt drei nur noch zwei Runden - und warb mit einer weltweiten PR- und Unterschriften-Kampagne, an der sich sogar Politiker beteiligten, für den Matten-Kampfsport.

Dabei ging es um das olympische Schicksal einer der ältesten Sportarten überhaupt. Und noch schwebt das Damoklesschwert drohend über den Köpfen der weltweiten Ringergemeinde. Vor der endgültigen Abstimmung des Exekutivkomitees des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am Sonntag, 8. September, über den Verbleib der Traditionssportart Ringen bei Olympia, fassten die Griffspezialisten durch das abgegebene Statement von IOC-Vize Thomas Bach wieder neuen Mut.

Vor der versammelten Weltpresse verkündete der deutsche IOC-Präsidentschaftskandidat: "Nach meinem Eindruck hat der internationale Verband die Botschaften, die ihm gesendet worden sind, sehr gut verstanden. Ich persönlich glaube, dass Ringen gute Chancen hat, bei der Abstimmung am 8. September zu bestehen."

Ergänzend dazu sagte der Präsident des Deutschen Ringer-Bundes (DRB), Manfred Werner: "Im Februar 2013 wurden wir zu Recht kritisiert. Nun haben wir die Regelwerke verändert, damit die Kämpfe attraktiver und überschaubarer werden. Außerdem haben wir geschafft, was in der Politik fast unmöglich ist. USA, Iran und Russland haben gemeinsam eng für das Ziel ,Ringen muss olympisch bleiben' zusammengearbeitet."

Auch Wittens geschockter Silbermedaillen-Gewinner von Tokio 1964 Klaus Rost gibt sich optimistisch und sagt: "Anfangs traf mich die Nachricht über das bevorstehendes Aus wie ein Keulenschlag. Aber inzwischen hat sich ja die Meinung im IOC pro Ringen gedreht." Und der türkische ehemalige KSV-Ringer, Doppel-Olympiasieger und Ringer-Ikone Mithat Bayrak gibt zu Protoll: "Mich hat das Ganze so richtig wütend gemacht. Aber mit unseren Protesten haben wir jedenfalls den Leuten vom IOC gezeigt, dass wir keinen starken Willen haben, sondern einen eisernen."

"Falls das IOC die Kernsportart Ringen wirklich geopfert hätte", so ein Gerücht in den Ringerhallen, "hätten sich die solidarischen Griechen geweigert, das Feuer für den olympischen Fackellauf anzuzünden."
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