Vier Tage Extremeinsatz: Bilanz der Sonsbecker Feuerwehr

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Einen umfassenden und detaillierten Einsatzplan bei den Starkregen-Ereignissen in der vergangenen Woche stellt jetzt die Sonsbecker Feuerwehr vor, hier die Kurzfassung: Einsatzzeit: Mittwoch 1. Juni 18:30 Uhr bis Samstag 4. Juni 2016 17 Uhr, ununterbrochene Einsatzdauer: 70,5 Stunden, Anzahl Schadenstellen: 186, Maximal gleichzeitig eingesetzte Kräfte: 221 von Feuerwehr und THW am Donnerstag.



Sonsbeck. Am Mittwochabend zog erneut eine Unwetterfront über Sonsbeck. Nachdem bereits am Montag heftige Regenfälle zu einem Großeinsatz geführt hatten, stellte der am Mittwochabend um 18:30 Uhr anlaufende Einsatz diesen noch deutlich in den Schatten. Rasch waren die Kanalisation und die immer noch gesättigten Böden nicht mehr in der Lage, die extremen Regenmengen aufzunehmen und abzuleiten. Die Ley trat im Ortsgebiet über die Ufer und der Grundwasserstand stieg um ca. einen Meter an.
Die Feuerwehr Sonsbeck war sofort mit allen verfügbaren Kräften (ca. 70) der drei Löschzüge Sonsbeck, Hamb und Labbeck im Einsatz. Unterstützung kam wie am Montag vom Sonsbecker Bauhof und dem Technischen Hilfswerk (THW) aus Dinslaken, Wesel und Moers sowie von der der Feuerwehr Kamp-Lintfort, da die umliegenden Kommunen selbst massiv betroffen waren.
Im Feuerwehrhaus Sonsbeck wurde eine Führungsstelle eingerichtet, in der Schadenstellen gemeldet werden konnten und von wo der Einsatzleiter die Maßnahmen koordinierte und die einzelnen Meldungen mit Prioritäten versah.
In der Anfangsphase lag der Einsatzschwerpunkt auf der Sicherung von Gefahrenstellen durch überschwemmte und unpassierbare Straßen oder umgestürzte Bäume. Viele Straßen im Gemeindegebiet mussten gesperrt werden. Leider hielten sich zahlreiche Fahrzeugführer nicht an diese Sperrungen und brachten so letztlich sich und andere in Gefahr. Außerdem wurden volllaufende Keller geschützt, bei denen eine besondere Schadenausbreitung z.B. durch aufschwimmende Öltanks drohte. Glücklicherweise kamen während der gesamten Unwetterlage keine Personen ernsthaft zu Schaden, mehrere Einsatzkräfte verletzten sich aber leicht.

Katastrophenfall


Um 01:11 Uhr am Donnerstag stellte der Landrat des Kreises Wesel das Eintreten des Katastrophenfalls fest, da im Kreis Wesel vor allem die Kommunen Xanten und Hamminkeln ebenfalls massiv betroffen waren. Damit ging die Gesamteinsatzleitung auf den Krisenstab des Kreises Wesel über. Die Schadenlage in Sonsbeck wurde dort als eigener Einsatzabschnitt geführt.
In der Nacht wurde, nachdem alle akuten Schadenstellen abgearbeitet waren, ein Schichtsystem eingeführt und den Einsatzkräften so eine kurze Ruhepause ermöglicht. Am frühen Morgen hörte der Starkregen endlich auf. Ab 08:00 Uhr am Donnerstag wurden die Einsatzmaßnahmen mit allen verfügbaren Kräften wieder aufgenommen. Einsatzschwerpunkt waren nun die Entlastung der Kanalisation und Fließgewässer sowie das Abpumpen der zahlreichen vollgelaufenen Keller. Der Bauhof stellte die Befahrbarkeit vieler Straßen wieder her.
Am Donnerstagvormittag traf die angeforderte überörtliche Hilfe in Form einer sog. Bezirksbereitschaft ein: 136 Feuerwehrmänner und -frauen aus den Städten Krefeld und Mönchengladbach sowie dem Kreis Viersen waren mit rund 35 Einsatzfahrzeugen und einer speziellen Hochleistungspumpe bis zum späten Abend im gesamten Gemeindegebiet im Einsatz. Die Bürgerinnen und Bürger hatten außerdem die Möglichkeit, sich am Bauhof mit Sandsäcken einzudecken, um in Selbsthilfe ihre Wohnungen zu sichern. Ungefähr 5.000 Sandsäcke wurden ausgegeben. Zu diesem Zeitpunkt waren 147 Schadenstellen abgearbeitet.

Alles im Griff


Während der gesamten Einsatzzeit musste auch der sogenannte Grundschutz für Brände und Unglücksfälle in der Gemeinde Sonsbeck aufrechterhalten werden. So kam es am Donnerstagnachmittag zu einer Rauchentwicklung in einem Keller an der Hochstraße. Dort brannte es in einem Stromverteilerkasten. Die Besatzung eines Löschfahrzeugs hatte die Lage schnell im Griff.
Am Freitag wurden die Arbeiten mit den Kräften der Feuerwehr Sonsbeck und des THW fortgesetzt. Es zeigte sich, dass vor allem im Bereich Taubenweg / Meisenweg / Kiwittweg / Gartenstraße der Wasserstand von Ley und Grundwasser immer noch so hoch ist, dass abgepumpte Keller sofort wieder über Kellerschächte, Leitungsdurchführungen oder Undichtigkeiten in der Wand voll Wasser laufen.
Die Anwohner wurden mittels einer Postwurfsendung von der Gemeindeverwaltung über die Situation informiert. Viele Anwohner zeigten Verständnis für die schwierige Lage und halfen sich in der Zwischenzeit selbst mit Tauchpumpen, um den Wasserstand wenigstens nicht weiter ansteigen zu lassen.

Natürliche Entspannung


Das THW arbeitete zur Entlastung dieser Situation zwischen Taubenweg und Frankenorthstraße für mehr als 24 Stunden mit mehreren Großpumpen. Letztendlich muss aber zum jetzigen Zeitpunkt weiterhin auf eine natürliche Entspannung der Lage durch ein Zurückgehen des Wasserstandes gewartet werden, bevor die verbleibenden Unwetterschäden beseitigt werden können.
Am Freitagabend wurden die letzten Kräfte des THW aus dem Einsatz entlassen und kehrten in ihre Standorte zurück. Diese Einsatzkräfte waren zum Teil bereits am Montag in Sonsbeck im Einsatz gewesen und hatten von Mittwoch bis Freitag im Feuerwehrhaus Sonsbeck übernachtet. Alle eingesetzten Kräfte wurden dort von den Hilfsorganisationen mit Frühstück, warmen Mahlzeiten und Getränken versorgt.

Hilfe für Xanten


Am Freitagabend um 23:00 Uhr ging die Feuerwehr Sonsbeck nach 185 abgearbeiteten Schadenstellen in einen Bereitschaftsdienst über. Um 23:21 Uhr erfolgte dann ein Hilfeleistungsersuchen der Feuerwehr Xanten. Dort hatte sich nach weiteren Regenfällen die Situation erneut verschärft und ein Umspannwerk drohte überflutet zu werden. Trotz der zurückliegenden, anstrengenden Tage waren innerhalb weniger Minuten wieder 16 Feuerwehrmänner aus Hamb und Sonsbeck mit drei Fahrzeugen auf dem Weg nach Xanten, um die dortigen Kameraden zu unterstützen. Der Pumpeinsatz zog sich bis 4:30 Uhr und war schließlich erfolgreich, das Umspannwerk konnte gehalten und die Stromversorgung der Stadt Xanten so gesichert werden.

Extremeinsatz beendet


Am Samstag wurde noch eine neue Schadenstelle abgearbeitet und auf ein weiteres Absinken des Grundwasserstandes gehofft. Ansonsten stand die Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft von Fahrzeugen, Schutzkleidung und auch Personal im Vordergrund. Nach drei Tagen Extremeinsatz musste vieles gereinigt, überprüft und repariert werden. Viele Kameraden hatten seit Mittwochmorgen nur wenige Stunden geschlafen und hatten teilweise auch selbst noch Wasserschäden in ihren Häusern zu beseitigen.
Um 17:00 Uhr am Samstagabend wurde dieser Katastropheneinsatz vorläufig beendet, auch wenn er die Feuerwehr Sonsbeck in den nächsten Tagen und Wochen sicher noch beschäftigen wird.
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