Plastischer Unterricht - Leistungsstufe besucht Auschwitz

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Leistungskurs "Geschichte", Stufe 11, des St.-Ursula-Gymnasiums, besuchte das Konzentrationslager in Auschwitz. Foto: Meissner
 

Stufe 11 des St.-Ursula-Gymnasiums wird durchs KZ Auschwitz geführt

Rund vier Monate ist es her, dass "Sally" (Salomon Perel), Zeitzeuge und "Hitlerjunge Salomon", den Schülern des St.-Ursula-Gymnasiums seine persönliche Geschichte erzählte und die Schüler auf emotionaler Ebene in die Vergangenheit lockte, um Geschichte zu (er)leben! Bereits damals war der Kloß im Hals der Gymnasiasten förmlich sichtbar ...

... doch jetzt legte Fabian Timpe, Lehrer des Leistungskurses Geschichte der Stufe 11, noch einen drauf und erweiterte seinen lebendigen Unterricht um eine Reise nach Polen! Auf Einladung von Hans-Josef Becker, Erzbischof des Erzbistum Paderborns, und Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, flogen die Schüler und Schülerinnen zusammen mit zwei weiteren Schulen aus NRW direkt an den Ort, wo rund 1,5 Millionen Menschen auf brutalste Art und Weise ihr Leben ließen: ins Konzentrationslager Auschwitz!

Schüler erleben Geschichte vor Ort

Sie betraten Räume, in denen seinerzeit Juden wie Vieh hausen mussten - auf Brettern schliefen, in den eigenen Exkrementen lebten und zu guter Letzt auf bestialische Weise vergast wurden.
Junge Menschen, die in einer freien Welt aufgewachsen sind, treffen auf eine Kulisse, die sie ansonsten nur aus Erzählungen und alten Bildern kennen.

"Der Leistungskurs hatte die Möglichkeit, Geschichte nicht nur in der klassischen Variante zu lernen - nicht nur aus Büchern und Filmen, sondern hautnah vor Ort.", erklärt Fabian Timpe. "Bei dieser Lernmethode kann sich im Grunde keiner des Lernens entziehen."

Zeitzeugin Zofia Posmysz erzählt vom Leben im KZ

Die Schüler und Schülerinnen lernten Zofia Posmysz, polnische Redakteurin und Autorin, kennen. Eine Zeitzeugin, die von der SS nicht aus religiösen Gründen ins KZ Auschwitz verschleppt wurde, sondern schlichtweg weil sie sich bilden wollte! Sie nahm im so genannten "polnischen Untergrund" Unterricht.

Sie schilderte den Schüler/innen des St.-Ursula-Gymnasiums, wie die Verhältnisse im KZ wirklich waren - die hygienischen Zustände grauenvoll und die Lebensverhältnisse unerträglich, aber dennoch die Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft unter den Gefangenen hoch waren. Sie selbst hatte das "Glück", innerhalb ihrer Zwangsarbeit Zugang zu Lebensmitteln zu haben, so dass sie teilweise auch Brot klaute, um es den Kindern unter den Gefangenen heimlich zu geben!

"Wir sind die Wege der Gefangenen gelaufen."

Nur wenige Stunden nach Rückkehr des Leistungskurses erlebte man die Schüler/innen müde und erschöpft durch die Reise, aber auch nachdenklich und teils geschockt durch das Erlebte!

"Erst im Lager wurde einem bewusst, dass einem im KZ das Leben auf zweifacher Ebene schwer gemacht wurde - auf physischer wie auch psychischer!", stellte Leon Drees fest. Außerdem habe ihn erschüttert, wie "einfach man früher" ins KZ geschickt wurde, ohne Rechte, ohne Verhandlung. Das sei für ihn einfach unvorstellbar gewesen.

Konstantin Kretzer bewegte sich in einer Art "Grauzone". Einerseits fragte er sich: "Was wäre wenn ...?", andererseits wollte er gar nicht darüber nachdenken!
"Wie sind die Wege der Gefangenen gelaufen!", versucht Theresa Arndt dieses Gefühl zu untermauern.

"In der Gaskammer war das Gefühl furchtbar. Ich wollte mir gar nicht vorstellen, was da passiert war, weil es so schlimm ist!" fügte Theresa Ditz an.

Natascha Lange brachte es auf den Punkt: "Man hatte Bilder vorm Auge - wie in einem Film!"

Plastischer Unterricht zeigt Wirkung

Insgesamt war den Schülern vorher bewusst, was während des Holocaust passiert ist - aber dennoch seien sie im Nachhinein geschockter, weil sie diese Bilder im Kopf hatten!
Es werde einem bewusst, wie selbstverständlich wir unser Leben ansehen würden. Allein die Tatsache, dass wir abends ins Bett gehen, statt auf ein paar Bretter auf dem Boden. Man lerne nach einer solchen Erfahrung, bereits die kleinen Dinge des Lebens wieder schätzen zu können. Denn nichts sei selbstverständlich ...

Schüler in sich gekehrt

Fabian Timpe, der während der Exkursion die Schüler aus der Distanz beobachtete, stellte fest, wie nachdenklich sie geworden waren, teils in sich gekehrt - auf tiefgreifender Ebene. Er hält es für absolut notwendig, dass die Schüler/innen einen Zeitzeugen kennen lernen und von diesem persönlich erfahren, wie die damalige Zeit war - plastischer könne ein Unterricht nicht sein.

Bilder des Auschwitz-Besuchs: Die Fotos "vor Ort" wurden uns freundlicherweise von Fabian Timpe, St.-Ursula-Gymnasium, zur Verfügung gestellt!
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