Frühjahrsumfrage: Unternehmen sind zufrieden, aber zunehmend unsicher

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Der Geschäftsführer des Unternehmensverbandes Westfalen Mitte, Dr. Volker Verch (li.) und der Vorsitzende des Verbandes, Egbert Neuhaus, stellten am Freitag die Ergebnisse der Unternehmensbefragung vor. Foto: Albrecht
Neheim: Neheim |

Der Unternehmensverband Westfalen Mitte (UV) hat wie in jedem Jahr wieder bei seinen Mitgliedsbetrieben nachgefragt. Mehr als ein Drittel der Unternehmen haben geantwortet und geben ein durchwachsenes Bild der wirtschaftlichen Lage im Geschäftsgebiet ab.

Das stellten am Freitag Egbert Neuhaus, Vorsitzender des Verbandes, und Geschäftsführer, Dr. Volker Verch vor. „Wir können von einer konjunkturellen Seitwärtsbewegung sprechen, die keine Auf- oder Abschwünge erkennen lässt“, so Neuhaus. Erkennbar sei einer verhaltener Optimismus, das aber nur bei einigen Unternehmen. Die Zahl der Betriebe mit Problemen oder der Sorge davor habe dagegen zugenommen.

Sorge vor Problemen


Deutlich wird das an den erfragten Antworten der Betriebe: Während 55 Prozent eine bessere oder gleich gute Konjunktur für 2016 erwarten, gehen 45 Prozent von gleich schlechten oder schlechteren Erwartungen aus. Die Zahl der Betriebe, die Schlechtes befürchten sei jedoch gestiegen. Stärker noch als in den vergangenen Jahre stelle sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr ungleich verteilt dar. Auf jeden Falle gebe es derzeit mehr schlecht laufende Betriebe als zuvor.

Sieht die Mehrheit der befragten Betriebe die Aussichten im Inlandsgeschäft noch positiv (70 Prozent besser oder gleich gut als 2015), sieht es bei den Erwartungen für das Auslandsgeschäft deutlich anders aus. Mehr als ein Drittel der Unternehmen zeigt an, dass die Erwartungen an den Export gesunken sind. „Wir müssen dafür die weltweite politische Situation verantwortlich machen“, so Verbandsvorsitzender Neuhaus. Mehr Unternehmen sehen Risiken und beklagten den Verlust von Märkten.

Verlust von Märkten


Die erwartete Ertragslage der Unternehmen für 2016 zeigt nach der Umfrage des Unternehmensverbandes ein passendes Bild: Leicht Abgenommen hat die Zahl der Betriebe, die sie als gut ansehen, die Zahl der Betriebe, die sie „schlecht“ bewerten ist dagegen gestiegen. „Auch hier geht die Schere zwischen gut und schlecht laufenden Betrieben deutlicher auseinander“, so Neuhaus.

Für Sorgen um die Arbeitsplätze in den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie besteht offensichtlich keine Veranlassung. Über 70 Prozent der Unternehmen wollen die Belegschaft unverändert lassen, geplante Neueinstellungen oder Entlassungen halten sich mit den Zahlen von 2015 die Waage. Über drei Viertel der Unternehmen wollen ihr Ausbildungsplatzangebot unverändert lassen. „Das freut uns besonders, die Ausbildungsbereitschaft in den Unternehmen bleibt hoch“, frohlockte Egbert Neuhaus.

Weiter hohe Ausbildungsbereitschaft


Ohne Sorge sind die Betriebe beim Blick auf die Fachkräfte. Aktuell, so die Umfrage, gebe es keinen größeren Mangel an Fach- und Führungskräften als 2015 (35 Prozent), und für 2016 erwarten nur 8 Prozent (2015 = 5 Prozent) einen solchen Mangel. „Ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Lage sind die geplanten Investitionen“, so Neuhaus weiter. Für das Jahr 2016 sehen 52 Prozent steigende oder gleich hohe Investitionen.

Mit der aktuellen Flüchtlingssituation in Deutschland gehen die Unternehmen aufgeschlossen um. 84 Prozent zeigen der Umfrage nach die Bereitschaft, Flüchtlinge in ihren Betrieben auszubilden oder zu beschäftigen. „Wichtigster Punkt ist hier das Erlernen der deutschen Sprache“, erklärt der Verbandsvorsitzende. Bei der Beschäftigung später helfen könne ein spezieller Tarifvertrag, der den Status der ungelernten Arbeitskräfte berücksichtige.

Staat muss Voraussetzungen schaffen


Ganz deutlich hat die Umfrage aber ergeben, dass der Staat gewisse Voraussetzungen für die Beschäftigung von Flüchtlingen und damit auch ihre Integration leisten muss. An oberster Stelle steht ein gesicherter Aufenthalt (Bleiberecht, für 48 Prozent wichtig) sowie der Erwerb von Sprachkenntnissen (31 Prozent). Ebenfalls von Bedeutung sind das Angebot von Kursen zur beruflichen Qualifikation wie ein Lohnkostenzuschuss. „Der Staat ist jetzt gefordert, die entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen“, forderte Egbert Neuhaus. Er kenne viele Betriebe, die bereit seien, Flüchtlinge entsprechend zu beschäftigen.

Abseits aller Entwicklungen in Deutschland sorgen sich Unternehmen des Verbandes um politische Krisen weltweit. Rund ein Drittel der befragten Betriebe sieht mittlere bis starke Auswirkungen auf den eigenen wirtschaftlichen Erfolg. „Die weltweite Unsicherheit wirkt sich auf die Unternehmen aus“, beschrieb Neuhaus.

Weltweite Unsicherheit wirkt sich aus


Eine allgemeine Botschaft aus der Befragung der Unternehmen lasse sich erkennen. So sei für 2016 kein deutliche sprühender Aufschwung zu erkennen. Es gebe zudem eine größere Zahl schlecht laufender Betriebe. Mit der schwierigen weltpolitischen Situation steige auch die Unsicherheit in den Betrieben.

Bei vielen Unternehmen wirkte sich dagegen der sinkende Ölpreis positiv aus. Das Inlandsgeschäft der Betriebe kann deutlich davon profitieren. „Ich will hier kein pessimistisches Bild malen“, sagte der Verbandsvorsitzende zum Abschluss, „es gibt ein stabiles Wachstum, aber keine überschäumende Konjunktur!“
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