“Bild dir deine Meinung!” Hab ich: Eine halbe Recherche ist nichts Ganzes!

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Dass man mit ansprechenden Headlines und Anreißern arbeiten muss, ist nichts Neues! Denn berufsbedingt weiß ich natürlich auch, dass Leser nur dann “anspringen”, wenn die Headlines den nötigen Pepp haben.

Allerdings bin ich der Meinung, dass ein (Online-)Redakteur auch in alltagsbedingt stressigen Momenten die Ruhe bewahren und eine gekonnte Recherche einbeziehen sollte! Denn eine ins Auge preschende Headline und ein passender Anreißer machen noch keinen informativen Artikel aus.

Erst gestern fiel mir ein Anreißer mit den Worten: “Wie krank ist das denn? Anbieter verkauft Plüsch-Ebolaviren im Internet.” auf Facebook ins Auge.

In dem Artikel wurde geschildert, dass ein Onlineshop in Deutschland (RIESENmikroben.de) tatsächlich “Ebola-Viren” und andere harmlose wie auch gefährliche Krankheiten & Co. als Stoff- bzw. Kuscheltiere anbietet. Und dass dieser Shop der Ableger eines Original-Shops in den USA sei, wo im Übrigen der Ebola-Virus derzeit ausverkauft ist.

Nachdem ich mir den ganzen Artikel durchgelesen hatte, war ich zunächst erschüttert. Wie kann man sich an dieser aggressiven Krankheit bereichern? Und wie kann man Kindern einen “Ebola-Virus” als Stofftier in die Arme drücken wollen??? Unfassbar! Und genau diese Reaktion sollte hervorgerufen werden.

Keine Frage - mir ist bewusst, warum die Redaktion gerade jetzt ein solches Thema aufgreift. Vor allem, warum nicht die Grippe oder eine Körperzelle als Aufreißer gewählt wird. Derzeit lesen die Menschen alles, was mit diesem teils tödlichen Virus zu tun hat.
Und die zahlreichen “Likes”, “Shares” und Kommentare bestätigen ja nur, dass die Zeitung mit diesem Artikel ins Schwarze getroffen hat. Es wird gesprochen. Diskutiert. Positiv - negativ. Ziel erreicht!

Recherche kann ja so einfach sein


Hätte die Redaktion sich jedoch nicht nur auf den Webseiten informiert, sondern eine Email gewagt, hätte der Artikel auch etwas “Handfesteres” beinhalten können - aber dann wäre es vielleicht kein Reißer mehr geworden!?

Ich habe mal recherchiert - und zwar genau “eine knappe Mail lang”. Ja, richtig. Ich habe lediglich eine Email an den Betreiber des Onlineshops geschrieben und ihn mit dem Bild-Artikel konfrontiert! Ich wollte wissen, wie viele Menschen es in etwa sind, die sich hier in Deutschland wirklich Ebola-Plüschartikel kaufen!

Und innerhalb weniger Stunden erhielt ich eine ausführliche und überaus freundliche Antwort:

“Ich vertreibe die RIESENmikroben mit meinem Unternehmen seit 10 Jahren im deutschsprachigen Bereich. Ursprünglich kommt die Idee, wie von BILD ja auch berichtet, aus den USA. Im Jahr 2004 gab es 15 verschiedene Mikrobenarten, das Ebola-Virus war schon damals dabei.”, heißt es in der Mailantwort!

Zudem wird erläutert, dass rund 100 Ebola-Artikel jährlich verkauft werden - aufgrund der derzeitigen Aktualität aber mit einer leichten, aber kaum wesentlichen Erhöhung gerechnet wird.

Die Frage nach dem “WARUM?” konnte ich mir sparen, denn in seiner ausführlichen Email führte Herr Dipl.-Wi.-Ing. Tobias Dietrich weiter aus:
“Naturgemäß verteilt sich die Nachfrage nicht gleichmäßig über alle angebotenen Mikrobenarten, am besten verkaufen sich diejenigen, mit denen die Kunden selbst im Alltag zu tun haben. Das sind Körperzellen, Ungeziefer, aber auch Kinder- und Geschlechtskrankheiten (hier werden die Plüschmikroben häufig zu Schulungs- und Anschauungszwecken verwendet).”
Diese hier von mir markierte Aussage untermauerte er im späteren Verlauf seiner Email dann noch damit, dass seinen Artikeln immer ein Informationstext beiliege, der über Eigenschaften, Gefahren, Symptome und Vorbeugungsmaßnahmen der jeweiligen Krankheitserreger und Co. informiere!

Nun - ich persönlich muss Herrn Dipl.-Wi.-Ing. Tobias Dietrich beipflichten, dass diese Art der möglichen Aufklärung bessere Wirkungen erzielen dürfte als eine reine Panikmache, wie es leider allzu oft in der Presse der Fall ist!

Kontruktive Kritik an der Recherche


Mein Artikel soll keinen Angriff darstellen! Denn mir hat mal ein erfahrener Werbetexter gesagt: “Wenn du gute Headlines texten möchtest, dann sollte es zu deinem täglichen Re­per­toire gehören, die Headlines in der BILD zu lesen!”

Dieser Artikel soll nur zeigen, dass eine halbe Recherche nichts Ganzes ist ...
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1 Kommentar
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Heiko Müller aus Dortmund-City | 25.10.2014 | 10:38  
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