„Ein Anruf veränderte alles“ – Bochumer Startup Ingpuls startet Serienproduktion

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Burkhard Maaß erklärt Oberbürgermeister Thomas Eiskirch gemeinsam mit André Kortmann und Christian Großmann die Funktion der FGL-Feder (v.l.). (Foto: Molatta)
 
Das Gründertrio zeigt Ralf Meyer, Bochum Wirtschaftsentwicklung, und OB Thomas Eiskirch wie die Produktionsstraße in der Halle angeordnet sein wird. (Foto: Molatta)
„Made in Bochum“ steht auf dem Banner der Ingpuls GmbH. Das Bochumer Startup, das aus der Ruhr-Universität (RUB) ausgründete, ist auf Formgedächtnislegierungen (FGL) spezialisiert. Bei einem Besuch des Oberbürgermeisters und des Geschäftsführers der Wirtschaftsentwicklung erzählen die Jungunternehmer von ihren Plänen und einem Anruf, der für sie alles veränderte.

Wie ein Businessmärchen erzählt sich die Geschichte der drei jungen Gründer Christian Großmann, André Kortmann und Burkhard Maaß, die – alle bereits mit Dr.-Ing betitelt –, an der RUB schon auf dem besten Weg zur akademischen Laufbahn waren. Sich dann aber doch entschieden, anstatt Professor lieber Unternehmer zu werden. Ein mutiger Schritt, der sich nun gelohnt hat: Das Gründer-Trio hat das Ziel der Serienproduktion erreicht.

Was man sich unter Formgedächtnislegierung vorstellt, führt einen schnell in Science-Fiction-Spähren – etwa zur Terminator-Filmreihe: Bauteile, die sich an ihre ursprüngliche Form erinnern. Einmal verformt, können sie selbstständig in den Urzustand zurückkehren. Das klingt nach Actionfilm und technischer Revolution. Und diese alles verändernde Tragweite haben die Produkte der Ingpuls GmbH auch in sich. Vor allem die Automobilbranche hat dies längst erkannt. Dabei spielt eine Rolle, dass Ingpuls Entwicklung, Herstellung und Vertrieb aus einer Hand anbietet. Wo sonst mehrere Firmen bis hin zum Endprodukt involviert sind, kann ingpuls treffsicher und kostengünstig auf Kundenwünsche eingehen.

„Wir sind die einzigen weltweit, die vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt alles machen“, sagt Christian Großmann. Normalerweise würden die einzelnen Schritte wie Schmelzen, Formen und die Komponentenherstellung von jeweils einer Firma gemacht. Jeder Schritt ist so mit einer Wertschöpfung verbunden, die das Endprodukt nicht nur teuer sondern auch unflexibel macht. Wenn ein Kunde eine veränderte Eigenschaft sucht, dann muss das eventuell der Schmelzer machen. Für ihn rentiert sich das Geschäft aber eventuell gar nicht, da die angefragte Menge nicht in Verhältnis zum Entwicklungsaufwand steht. Aus diesem Grund sei ein Innovationsstau entstanden. „Diesen haben wir erkannt und aufgelöst“, sagt Burkhard Maaß.

„Sehr oft kommen zu uns diejenigen, die bei den großen Unternehmen nicht das gefunden haben, was sie benötigen oder nur mit sehr langer Wartezeit“, so Großmann. Für die drei FGL-Forscher ist es einfach, etwas an den Legierungen zu ändern. Da sie genau dies an der Universität gelernt haben. Immer wieder gehen sie so auf spezielle Kundenwünsche ein. So kam es, dass kürzlich der Geschäftsführer eines großen Automobilzulieferers anrief. Er fragte, ob sie die Feder, die sie für den Werkstudenten des Unternehmens anfertigten, auch millionenfach herstellen könnten. Die Feder wird in einem Ventil verbaut und dehnt sich bei einer bestimmten Temperatur aus. Dadurch öffnet sie ein Ventil. Wenn sie wieder abkühlt, kehrt sie in die ursprüngliche Form zurück und verschließt das Ventil. Mittlerweile haben 15 Automobilhersteller Interesse bekundet, da die FGL-Feder leichter, günstiger und effizienter ist, als die bisher eingesetzte Technik.

Der Auftrag aus der Automobilbranche ist ein dicker Fisch, für den das Unternehmen selbst noch etwas wachsen muss. Daher richten die Gründer derzeit eine Produktionshalle auf einem angrenzenden Grundstück in Werne ein. Hier sollen in den nächsten sechs Jahren die rund 6 Millionen Nickel-Titan-Federn produziert werden. Bis September soll die Produktionsstraße errichtet sein und zehn neue Mitarbeiter gefunden werden. Aber nicht nur für Autos, sondern auch für die Medizintechnik oder Smartphones werden hier zukünftig FGL-Teile gefertigt.

Unter dem Motto „Gemeinsam unternehmen – von hier aus‘‘ besucht Oberbürgermeister Thomas Eiskirch gemeinsam mit Ralf Meyer, Geschäftsführer der Bochum Wirtschaftsentwicklung, Firmen vor Ort, um in den Austausch zu treten. Im Rahmen der offenen Reihe besuchten sie das Gründer-Trio von Ingpuls. Aus den Besuchen soll sich ein regelmäßiger Dialog entwickeln. „Wir haben stets ein offenes Ohr für unsere Unternehmen und wollen den Standort auch gemeinsam voranbringen‘‘, erklärt der OB. Denn Bochum sei eine „Ermöglicherstadt‘‘.
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