"Kapelle unterm Himmel" löst die historische Kapelle ab

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Aufbrechen aus der Augusta-Kapelle; Segensworte zum Neuanfang in der neuen „Kapelle Unter dem Himmel“: Gut 80 Besucher gaben den beiden Krankenhausseelsorgern Martina Haeseler und Berthold Boeing Geleit, als sie mit einem feierlichen Gottesdienst die offizielle Entwidmung der am 16. Dezember 1906 eingeweihten Kapelle vornahmen.

„Wir nehmen hier Abschied von unserer geliebten Kapelle, in der mein Vorgänger Hartwig Burgdörfer mit zahlreichen weiteren Menschen vor neun Jahren das 100-jährige Jubiläum feierte“, betonte Haeseler deshalb zu Beginn ihrer Predigt. Anschließend ließ sie die bewegte Geschichte der Kapelle und den Aufbauwillen der Menschen, die sich mit ihr schon in früheren Zeiten verbunden fühlten, Revue passieren. „Bei den schweren Bombenangriffen auf Bochum im Mai 1943 und November 1944 wurde diese Kapelle und das Augusta-Krankenhaus immer wieder in Mitleidenschaft gezogen. Die Menschen hier haben sie jedoch nicht aufgeben, sondern sie jeweils wiederaufgebaut“, so ihr Tenor.

Letzteres führte zu einem Kuriosum am Ende des II. Weltkrieges. „Hier in Bochum (Innnenstadt) war sie damals die einzige intakte Kirche für evangelische und katholische Christen. Über Jahre fanden hier Gottesdienste, Taufen und Trauungen für Menschen beiderlei Konfessionen statt“, erklärte die Seelsorgerin. Ihr Fazit: „Diese Kapelle gab Zuflucht in dunklen Zeiten.“ Erst ab 1950 standen wieder andere Kirchen zur Verfügung. Zum Beispiel die Ev. Pauluskirche, Grabenstraße.

Gleichwohl mache es Sinn, dieses Gotteshaus für ein neues Bettenhaus aufzugeben, da es für das Klinikum auf der beengten Grundstücksfläche, dringenden Erneuerungsbedarf gebe, so Haeseler: „Die Geschäftsführung und der Stiftungsvorstand haben sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht.“

Der Abschied endete mit dem Auszug zur neuen Kapelle. Die beiden Seelsorger schritten voran, als ehrenamtliche Helfer symbolhaft die Sakralgegenstände - unter anderem Taufkerze, Abendmahlsgeschirr und Bibel – heraustrugen. Die meisten Besucher folgten - quer durch die Klinik - zur „Kapelle unter dem Himmel“ - im 6. Stock des Hauptgebäudes. Dort haben nun die Gegenstände und vor allem die Menschen, die Ruhe sowie ein Begegnen mit Gott suchen ihren neuen Platz.

Krankenhaus-Geschäftsführer Ulrich Froese besuchte auch den Abschiedsgottesdienst. Zu den Baukosten für die neue Kapelle, deren Altar, Kreuz und Dreifaltigkeitsstele der Beuys-Schüler Anatol Herzfeld gestaltete, betonte er: „Das gesamte Unterfangen kostet etwa 200000 Euro, inklusive aller Einrichtungsgegenstände.“ Das Verlagern der Sitzungsräume zu Gunsten der neuen 135 Quadratmeter großen Kapelle bezog er da ausdrücklich mit ein. Der gesamte Neubau des fünfstöckigen Bettenhauses soll laut eines aktuellen Kostenvoranschlages rund 12 Millionen Euro kosten. Anschließend stehen 105 neue Betten in Ein- und Zweitbettzimmern zur Verfügung. (WH)
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