Von falschen Hasen und Leuten

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  Neulich las ich, wie jemand in einem Kommentar von „falschen Leuten“ schrieb. Mir erschloss sich nicht sofort, was er damit gemeint haben könnte, da mir eigentlich nur der Begriff „Falscher Hase“ geläufig war.

Was ist falscher Hase?

„Falscher Hase oder Heuchelhase ist ein Braten aus Hackfleisch, der in Varianten in vielen Ländern bekannt ist.

Zur Zubereitung wird zuerst Hackfleisch (meist gemischt aus Schweine- und Rindfleisch) mit Paniermehl oder eingeweichten Brötchen und Ei sowie Zwiebeln, Salz und Pfeffer zu einer Masse verarbeitet. Weitere Gewürze können je nach Rezept hinzukommen, ergänzende Zutaten wie angebratene Speckwürfel oder – als Füllung – geschälte, hartgekochte Eier sind üblich. Die Masse wird zu einem Laib geformt und eventuell in Paniermehl gewendet. Je nach Rezept wird der Hackbraten von allen Seiten angebraten oder auch nicht. Zu Ende gegart wird der Hackbraten entweder auf dem Herd oder im Backofen, mit oder ohne Zugabe von Flüssigkeit. Serviert wird Hackbraten in Scheiben mit der Sauce. Kalt kann er als Aufschnitt verwendet werden.“

Aber „falsche Leute“ (auch falsche Freunde, falsche Menschen, falsche Zungen) ?

Im Bekanntenkreis werden Lügner oder Betrüger als solche bezeichnet, oder einfach Menschen auf die man sich nicht verlassen kann. Ich denke jeder von uns machte bereits seine einschlägigen Erfahrungen. Daraus entstanden viele Sprüche, wie z.B. „Falsche Freunde sind schlimmer als die ärgsten Feinde“ oder „Wahre Freunde sind immer für dich da, falsche Freunde tauchen nur auf, wenn sie etwas von dir haben möchten.“

Hasen und Freunde haben wir abgearbeitet, jetzt landen wir bei den „falschen Leuten“.

Geschichtlich waren die „falschen Leute“ oft Minderheitsgruppen (aber auch einzelne), die später verfolgt wurden.
Insbesondere in früheren Gesellschaften waren ethnische Herkunft, Religion, Kultur und Organisationsform (Staat) eng miteinander verbunden, teilweise sogar vollständig kongruent. (Manchmal ist dies auch heute noch so.)

Wenn nun in einem philosophischen oder politischen Modell die Gemeinschaft höher gewertet wird, als den einzelnen Menschen, kann das zur Legalisierung von Minderheitenverfolgung führen.

Nicht immer werden die Gründe für eine Minderheitenverfolgung offen benannt.

Auch in Fällen in denen der Verfolgungsgrund direkt aus beispielsweise religiösen Texten ableitbar ist spielen oft wirtschaftliche oder politische Interessen eine wesentliche Rolle bei der Verfolgung. Wirtschaftliche Gründe können Auslöser von Minderheitenverfolgungen sein, insbesondere wenn die Minderheit durch wirtschaftlichen Erfolg charakterisiert ist.
Die geistige Abweichung von einem weltanschaulichen, theologischen oder politischen Modell kann dann Anlass für eine Minderheitenverfolgung sein, wenn die Vertreter der Meinung von der abgewichen wird, gleichzeitig über politische oder kulturelle Macht verfügen. Dies ist vor allem in totalitären Systemen der Fall. Staatsformen ohne Gewaltentrennung haben sich als besonders anfällig für Minderheitenverfolgungen gezeigt. Demgegenüber gilt die Gewaltenteilung in modernen Demokratien als relativ unanfällig.

Ein in der demokratischen Staatsform begründeter absoluter Schutz vor Minderheitenverfolgungen ist jedoch utopisch.

Herangezogene, angeblich objektive Gründe für eine Verfolgung sind beispielsweise:

• falsche Anschuldigungen
• unzulässige Verallgemeinerungen von Einzeltaten
• einseitige geistes- oder naturwissenschaftliche Beweisführungen
• Schaffung von minderheitenfeindlichen Gesetzen und Regelungen die
nur unter Aufgabe der individuellen Würde befolgt werden können.

Dazu dienen dann ethnische, religiöse, politische, moralische oder kulturelle Unterschiede.

Beispiele religiös motivierter Verfolgung:

• Verfolgung des Christentums durch Nichtchristen(durch den römischen
Staat)
• Verfolgung christlicher Häretiker durch Christen (Hexenverfolgung)
• Verfolgung von Christen durch Christen (Hugenottenverfolgung)
• Judenverfolgung (durch Römer, Christen, Muslime) seit ca. 2000 Jahren,
besonders schrecklich und extrem im Holocaust während der Nazizeit.
• Heidenverfolgung (die Sachsen durch Karl dem Großen)
• Verfolgung des Islam durch Nichtmuslime (im 15.Jahrhundert in Spanien)
• Verfolgung von Muslimen durch Muslime (Schiiten und Sunniten im Irak,
Bahai im Iran)
• Verfolgung von Christen durch Muslime (durch Chomeini im Iran),
Tendenzen sind bei radikalen Islamisten festzustellen.

Beispiele ethnisch motivierter Verfolgung:

• Verfolgung der Sinti und Roma
• Verfolgung der Assyrer im Irak
• Verfolgung ethnischer Minderheiten im Kosovo

Beispiele politisch motivierter Verfolgung:

• McCarthyismus in den USA
• Verfolgung von politisch anders denkenden in totalitären Staaten (z.B.
Nordkorea, Sowjetunion, Kuba)
• Verfolgung der Kommunisten und Sozialisten im Nazistaat

Beispiele moralisch motivierter Verfolgung:

• Homosexualität in der Zeit des Nationalsozialismus
• Marquis de Sade wurde wegen bestimmter sexuellen Praktiken angeklagt
und in Abwesenheit zum Tode verurteilt.
• Julian Assange, Gründer von Wikileaks
• Edward Snowden, der Enthüller des US-Spionageprogramms PRISM

Im Extremfall gipfelt die Verfolgung in Gewaltexzessen. Dabei kommt es zu Verschleppungen und Tötungen von Personen die durch wenige Merkmale charakterisiert werden. Diese Gewaltexzesse können spontan entstehen oder institutionell organisiert sein.

Stellen sich einzelne Individuen oder Gruppen der Mehrheit auf die Seite der Minderheit droht ihnen nicht selten das gleiche Schicksal wie der verteidigten Minderheit.

So schlimm war es dann aber bei „meinem Kommentator“ doch nicht. Er meinte nur politisch Andersdenkende und zwar die, die rechts von ihm stehen, also ca. 98% der Deutschen.
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2 Kommentare
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Volker Dau aus Bochum | 18.06.2013 | 12:43  
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Ulrich Bormann aus Bochum | 18.06.2013 | 13:19  
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