Wir sind es wert

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Heute früh hatte ich ein bemerkenswertes Erlebnis.
Um 7 Uhr hielt ein gelb-orangener Kleintransporter mit der Aufschrift „Stadt Bochum“ auf unserer Straße. Nach einer spannenden kleinen Weile, in der nichts geschah, stieg ein junger Mann in einem gelb-orangenen Overall aus dem Wagen und stellte sich an einen Laternenpfahl. Ein zweiter junger Mann in gleichem Outfit gesellte sich dazu. Ein etwas dickerer Kollege – ebenfalls in gelb-orangenem Overall - vervollständigte das Grüppchen, das nun fachmännisch den Laternenpfahl beobachtete. Was sie sprachen, konnte ich nicht verstehen, aber es muss etwas Lustiges gewesen sein, denn ich sah sie fröhlich lachen.
Dann begab sich einer zurück zu dem Transporter, holte eine Schaufel und wartete neben dem Laternenpfahl. Der Zweite holte eine Spitzhacke und wartete dann ebenfalls. Der dicke Dritte holte nichts, wartete aber trotzdem.
Dann hebelte der mit der Spitzhacke fünf faustgroße Steine neben dem Laternenpfahl heraus.
Als er fertig war, ging der mit der Schaufel wieder zu dem Transporter und kehrte kurz darauf zurück. Die Schaufel war zur Hälfte vollgeladen mit Granulat, das er dorthin kippte, wo vorher die fünf faustgroßen Steine steckten. Dann holte er noch eine zweite halbvolle Schaufel mit Granulat und kippte sie dazu.
Der dickere Dritte hatte sich inzwischen eine dicke Zigarre angezündet.
Der mit der Spitzhacke ging zu dem Transporter und kam zurück mit einem Hammer, mit dem er die fünf Steine wieder an ihren ursprünglichen Platz versetzte.
Dann passierte folgendes: Der Dicke holte einen Besen und fegte mit zwei eleganten Schwüngen um den Laternenpfahl herum, den Dreck schob er in den Rinnstein. Der mit der Schaufel hatte inzwischen einen Wasserkanister vom Wagen geholt und begoss den Laternenpfahl bzw. die wieder eingefügten Steine. Ein letzter Schwung mit dem Besen, und die Drei konnten ihr Werk bewundern, was sie auch mehrere Minuten lang taten. Dabei hatten sie – dem fröhlichen Lachen nach zu schließen - offenbar wieder Lustiges zu erzählen.
Der mit der Spitzhacke wollte nun losfahren, aber man musste erst noch warten, bis der Dicke seine Zigarre zu Ende geraucht hatte.
Als der Kleintransporter mit der Aufschrift „Stadt Bochum“ den Tatort wieder verließ, waren 33 Minuten vergangen, also eine halbe Stunde mit drei Mann für eine Arbeit, die mein Mann alleine in 10 Minuten erledigt hätte.
Ich freue mich schon auf den nächsten Verdi-Streik im öffentlichen Dienst, wenn es wieder heißt: „Wir sind es wert.“
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3 Kommentare
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Volker Dau aus Bochum | 25.08.2016 | 15:50  
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Michael Stasch aus Bergkamen | 25.08.2016 | 16:06  
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Karin Sibert aus Bochum | 25.08.2016 | 21:38  
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