Über 9000 Besucher beim internationalen Pfingstjugendtreffen in Gelsenkirchen

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Spiele ohne Grenzen - Kistenlauf
Auftakt des internationalen Festes war eine Zukunftsdemonstration in Essen mit über 1500 Teilnehmern. Zahlreiche nationale und internationale Organisationen aus der Türkei, den Phillipinen, der Schweiz, den Niederlanden, Haiti, Ungarn und Palästina protestierten gegen zunehmende Umweltzerstörung durch die Großkonzerne. Die Forderung nach sofortiger Stilllegung aller Atomkraftwerke stand ebenso im Mittelpunkt wie der Ausbau der erneuerbaren Energien. Auch wandten sich die Demoteilnehmer gegen die immer weiter zunehmende Verteilung der Lasten von unten nach oben, gegen Leiharbeit und gegen Verletzung der Menschenrechte. Auch die Rolle des "Verfassungsschutzes" wurde erläutert.

Besondere Schwerpunkte waren die Zukunft der Jugend und der Widerstand gegen den Faschismus. Die türkische Arbeiterpartei ATIP gedachte der brutalen Ermordung des Widerstandskämpfers Ibrahim Kaypakkaya, der vor 40 Jahren vom faschistischen türkischen Regime zu Tode gefoltert wurde. Eine ursprünglich in Köln geplante Demonstration der ATIP wurde abgesagt, stattdessen kam diese Partei zur Zukunftsdemo nach Essen!

Ein bunter und lautstarker Demozug ging durch die Essener Innenstadt und führte erstmals durch die Haupteinkaufsstraße, die Kettwiger Str. Immer wieder wurden Lieder wie "Bella ciao" gesungen und Parolen wie "Hoch die internationale Solidarität" gerufen. Während der Demonstration gab es auch das offene Mikrofon, wo jeder auf antifaschistischer Grundlage seine Meinung äußern konnte.

Sowohl bei der Auftakt- als auch bei der Abschlusskundgebung gab es Redebeiträgen von Vertretern der zahlreichen Organisationen wie z.B. der Jugendorganisation Rebell, den Rotfüchsen, vom Rode morgen aus den Niederlanden, der ATIP aus der Türkei usw.

Anschließend trafen sich alle beim 16. Pfingstjugendtreffen auf der Trabrennbahn in Gelsenkirchen. Während das Wetter am Samstag trüb und kühl blieb, erfreute herrlicher Sonnenschein die zahlreichen Teilnehmer und Gäste.

Sie erlebten ein reichhaltiges und vielfältiges Programm. Vom Boxen von und für Mädchen bis zu technischen Experimenten, vom Kinderparcour bis zur Entspannungsgymnastik, von den selbstgemachten Pommes bis zu Mitmachtheater reichte die Palette. Aber nicht nur Körper und kulinarische Sinne wurden angeregt, sondern man bekam auch viel zum Nachdenken, diskutieren und aktiv werden mit. Die Veranstalter zählten bis zu 9.000 Besucher.

Die größte Diskussionsveranstaltung auf dem Pfingstjugendtreffen war die Jugendbildungsveranstaltung von Stefan Engel, dem Vorsitzenden der MLPD. Er ging vor 850 Besucherinnen und Besuchern der Frage nach, "welche Bedeutung die Umweltfrage für die internationale sozialistische Revolution hat". In seinem 90-minütigen Vortrag gelang Stefan Engel ein rasanter, anspruchsvoller aber stets verständlicher Streifzug durch die Umweltproblematik. "Wir müssen die Zusammenhänge vollständig begreifen, sonst kann man den beschleunigten Umschlag in die globale Umweltkatastrophe nicht aufhalten." Stefan Engel endete mit der Aufforderung, sich an der Strategiedebatte um eine neue Qualität in der Umweltbewegung zu beteiligen, aktuell bei der morgen stattfindenden Strategiekonferenz Umwelt in Schwerte.

Verschiedene Migranten-Organisationen prägten die Tage mit. Unter anderem gab es mehrere Veranstaltungen zum 40. Todestag des Revolutionärs Ibrahim Kaypakkaya.

Das Thema Umwelt bewegte auch den Songcontest. Das Siegerlied kam – wie vor zwei Jahren – von der Wuppertaler Rock-Band "The Boom". Mit den Bands "Bandbreite", "Nuju" und "Siar" ging die Open-Air Party nach der Siegerehrung bis in die tiefe Nacht. Internationalistische und rebellische Stimmung kam im Publikum zu den Klängen der Urban Folk Band "Nuju" aus Italien. Rote Fahnen wehten im Publikum zu den Klängen der türkisch-kurdischen Band "Siar".

Ein sportlicher Höhepunkt waren am Sonntag die "Spiele ohne Grenzen" mit 11 Mannschaften und somit 275 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Eine Bombenstimmung unter den Zuschauern und Teilnehmern, die sich im Schwammwerfen, Kistenstapeln und Seifenbahnlauf maßen. Sieger wurde die Mannschaft Elsa-Bavaria, gefolgt von den Blitz-Kids aus Bochum und Solingen.

Lena (11) fand das Pfingstjugendtreffen "super, weil Kinder hier so viel machen können". Aynur, junge Mutter war zum ersten Mal auf dem Pfingstjugendtreffen. Sie war überrascht: "Ich dachte, das wäre alles von der MLPD organisiert. Aber hier sind ja sehr viele unterschiedliche Gruppen und Organisationen."

Brisant und auf der Höhe der Zeit war die Gesprächsrunde vom Solidaritätskreis für den Kampf der Opelaner und der dem Titel "Opel Bochum: Kampf um jeden Arbeitsplatz für die Zukunft der Jugend". Opel-Betriebsratsmitglieder sowie ein Vertrauensmann, ein Vertreter der Auszubildenen, Mitglieder der Frauenorganisation Basta und ein Mitglied der Koordinierungsgruppe des Solidaritätskreises für die kämpfenden Opelaner sowie der Vorsitzende der MLPD, Stefan Engel, berichteten über die aktuelle Entwicklung bei Opel, die Arbeit des Solikreises und die zunehmende Solidarität anderer Betriebe und Organisationen im gemeinsamen Kampf für die Arbeitsplätze. Der Koordinator des Solikreises gab den aktuellen Spendenstand an: rd. 4376,00 Euro wurde bereits gespendet. Noch während der Vorträge auf dem Podium wurden weitere Spenden überreicht, u.a. von der Kinderorgansiation Rotfüchse, von den Beschäftigten des Chemiebetriebes Henkel und von den Opel-Standorten Rüsselsheim sowie Eisennach und anderen Stahlbetrieben.

Als besonderer Höhepunkt kam eine ehemalige Betriebsratsangehörige vom bereits geschlossenen Opel-Werk in Antwerpen auf die Bühne und erklärte die volle Solidarität mit den Kollegen in Bochum und wünschte viel Erfolg bei einem Streik der Opelaner.

Anschließend begann die Diskussion mit dem Publikum. An zwei offenen Mikrofonen bildeten sich lange Schlangen. Neben mehreren Solidaritätserklärungen wurde der Stolz der Bochumer Belegschaft besonders hervorgehoben. Sie hatte zu 76 Prozent gegen das Abkommen für die Werkschließung Ende 2016 gestimmt und lässt sich auch jetzt nicht erpressen. Alle waren sich einig, dass es nicht nur um Opel, sondern um die Arbeitsplätze und die Zukunft einer ganzen Region geht. Eine Rednerin hob hervor: Die Kämpfe gegen Arbeitsplatzvernichtung werden jetzt härter. Bei einer Werksbesetzung ist durchaus der Einsatz der Polizei denkbar. Umsomehr müssen wir alle zusammenstehen".

Mit mehreren Bands wurde bei rythmischen Klängen wie Rap, Hip-hop und Reggae bis in die Nacht gefeiert.
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