Vom Enkeltrick über den Trickdiebstahl bis zum Fremden an der Tür

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Kurz abgelenkt und schon ist das Portemonnaie verschwunden. Gauner achten darauf, wer besonders sorglos unterwegs ist und eher hilfsbereit wirkt. (Foto: Michael Kaprol)
„Der Enkeltrick ist zwar schon zehn Jahre alt, aber funktioniert immer noch – mindestens einmal pro Tag“, weiß Diether Michalak. Der Kriminalhauptkommissar im Kommissariat Kriminalprävention und Opferschutz ist speziell für die Beratung von Senioren zuständig.


Laut Statistik sind Senioren nicht stärker gefährdet als junge Leute. „Taschendiebe oder Trickdiebe halten nach leichtsinnigen Menschen Ausschau - und Senioren sind oft sehr hilfsbereit“, weiß Michalak. „Aber es ist nicht allein für ältere Menschen gut, ein gesundes Misstrauen gegenüber Unbekannten zu zeigen – egal, ob man ihnen vor seiner Haustür oder in der Innenstadt begegnet.“
Michalak hält regelmäßig Vorträge in Seniorengruppen.

"Handtaschen ziehen Ganoven an wie ein Magnet"


Handtaschenraub, Trickdiebstahl, Fremde an der Wohnungstür und Enkeltrick sind dann seine Hauptthemen. Beim Handtaschenraub wird dieses Accessoire gewaltsam von der Schulter gerissen. „Hier müssen die Opfer den Reflex überwinden, das gute Stück festzuhalten, denn dabei kann es zu schweren Stürzen kommen“, weiß der Seniorenberater. „Handtaschen ziehen Ganoven an wie ein Magnet – das wird mir auch von den Tätern immer wieder bestätigt. Denn sie sind sich sicher: Da steckt das Geld drin- das zeigt sich insbesondere beim Trickdiebstahl“.

"Das Portemonnaie gehört nicht in die Handtasche"


Deshalb ist Michalaks Tipp ein ganz einfacher: Keine Handtasche mitnehmen. „Wenn ich das auf den Seniorentreffs vorschlage, höre ich immer Proteste. Wer auf dieses Accessoire nicht verzichten will, sollte eines beherzigen: Das Portemonnaie gehört da nicht hinein. Auch Damenjacken haben Innentaschen. Der sicherste Platz für die Geldbörse ist am Körper - aber der Brustbeutel ist bei den meisten Leuten nur im Urlaub beliebt.“
Wer einen Spaziergang zu Fuß unternimmt, sollte am besten nur einen kleinen Geldschein und den Haustürschlüssel mitnehmen. „Man sollte überlegen, was man draußen wirklich braucht – denn es wird eine ziemliche Rennerei, Ausweise, Kreditkarten und drumherum wieder zu beschaffen.“
Beim Trickdiebstahl weiß das Opfer meist nicht, wann es bestohlen wurde. „Der Täter muss dem Opfer ziemlich nah sein. Das kann im Bus oder am Wühltisch passieren oder auch durch einen Ablenkungstrick.“ Davon gibt es einige: Das Opfer wird nach dem Weg gefragt, ein Täter hält ihm eine Karte direkt vors Gesicht, während ein zweiter in seine Tasche greift und die Beute an einen Dritten weitergibt. Auch der Geldwechseltrick ist sehr beliebt. Hier kann der Dieb das Portemonnaie seinem Opfer aus der Hand reißen und weglaufen, oder unauffällig die Geldscheine herausziehen, während nach Kleingeld gesucht wird.

"In den nächsten Supermarkt schicken"


„Man sollte auf gar keinen Fall sein Portemonnaie herausholen. Wenn jemand Geld gewechselt haben möchte, kann man ihn in den nächsten Supermarkt schicken.“ Bei Spendensammlungen auf der Straße verhalte es sich ähnlich: „Hier geht es nur darum zu sehen, wo das Opfer seine Geldbörse hat.“
Trickdiebe lauern auch an Geldautomaten: „Gerade Senioren sollten besser nicht alleine zum Bankautomaten gehen, sondern lieber eine Vertrauensperson mitnehmen. Und besser höchstens 200 Euro abheben, nicht die gesamte Rente. Noch gefährlicher wird es am Automaten, wenn die Bank geschlossen ist und das Opfer allein vor dem Geldautomaten steht.“

"Gauner sind nicht durch Äußerlichkeiten zu erkennen"


Hier sollte man sich immer eines klar machen: Ein Trickdieb ist nicht aufgrund von Äußerlichkeiten zu erkennen: „Das sind gut gekleidete Frauen oder Herren jedes Alters, aber auch Kinder von elf, zwölf Jahren. Man sollte sich immer umgucken, ob die Leute, die sich in der Nähe des Geldautomatens herumtreiben, hier selbst Geld abheben wollen.“ Der Trickdiebstahl – gerade der vor Bankautomaten – nimmt zu. Für den Täter hat dieses Vergehen einen entscheidenden Vorteil: Er weiß, dass er ausreichend Geld bekommen kann.
Gerade bei der hilfsbereiten Nachkriegsgeneration funktioniere „der Fremde an der Wohnungstür-Trick“ besonders gut. Dieser Fremde kann a) um ein Glas Wasser bitten oder b) einem Nachbarn eine Nachricht auf einem Zettel hinterlassen wollen oder c) behaupten, er sei ein Handwerker, der kurz mal etwas in der Wohnung überprüfen müsse. „Auch wenn sie im Blaumann erscheinen: Handwerker müssen sich vorher ankündigen. Man muss resolut sein und auf jeden Fall den Sperrriegel vor der Tür lassen. Der ehrliche Handwerker wartet, bis es telefonisch abgeklärt wurde, ob sein Besuch seine Richtigkeit hat.“
Beim Glas Wasser oder dem Zetteltrick lehne der Gauner die Tür meistens nur an, sitzt mit seinem potentiellen Opfer in der Küche, während Mittäter heimlich durch die offene Wohnungstür gelangen und Geld und Schmuck hurtig finden, einpacken und verschwinden.

Beliebte Frage: "Rate mal, wer hier ist?"


Beim Enkeltrick suchen die Täter in Telefonbüchern nach Vornamen, die zu älteren Leuten gehören müssen. „Die rufen 1000 Leute an, 999 legen auf und einer springt darauf an“, weiß der Kriminalhauptkommissar. Der Anrufer stellt sich meist mit einer Frage („Rate mal, wer hier ist?“) vor, klingt heiser, kommt ins plaudern und sagt dann irgendwann, dass er gerade Geld brauche, aber keine Möglichkeit habe, selbst vorbeizukommen und deshalb einen guten Freund schicke. „Es sind keine Demenzkranken, die auf solche Anrufe hereinfallen. Man sollte den vermeintlichen Enkel oder sonstigen Verwandten nach seinem Geburtsdatum fragen oder ihn unter seiner bereits bekannten Rufnummer zurückrufen – aber wer daran denkt, bei dem hat es bereits klick gemacht, der wird wahrscheinlich auf den Enkeltrick nicht hereinfallen“, ist der 58-Jährige überzeugt.

"Sofort die Polizei unter 110 anrufen und informieren"


Auch „Schockanrufe“ sind eine beliebte Vorgehensweise von Trickbetrügern: Der Anrufer behauptet, dass ein ganz naher Verwandter einen schweren Unfall hatte, er im Krankenhaus liege und sterbe, wenn der Angerufene nicht die nötigen finanziellen Mittel für eine Operation aufbringen könne. „Hier in Deutschland unterliegt jeder Arzt im Notfall der Behandlungspflicht, die gilt auch dann, wenn der Patient keine Krankenversicherung vorweisen kann und mit einem akuten Notfall ins Krankenhaus eingeliefert wird. Wer einen solchen Anruf bekommt, sollte sofort die Polizei über die Rufnummer 110 informieren. Das gilt auch für alle anderen Fälle einer versuchten Straftat, aber auch bei verdächtigen Beobachtungen in der Umgebung - wir sind dankbar für jeden Hinweis aus der Bevölkerung.“
Vorsicht wird bei Diether Michalak immer großgeschrieben: „Nach einer größeren Party im privatem Rahmen fehlte in meinem Portemonnaie ein Geldschein - ich hatte meine Jacke mit der Geldbörse an der Garderobe gelassen. Heute habe ich mein Geld immer bei mir. Ein gesundes Misstrauen kann viele Taten verhindern.“ Und das empfiehlt er Menschen jeder Altersgruppe.

Termin für Seniorengruppen

Seniorengruppen, die eine Beratung wünschen, können mit Diether Michalak unter Tel. 02361/553344 einen Termin ausmachen.
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