„Ein mulmiges Gefühl“: WLT-Intendant Ralf Ebeling über den Umgang des Theaters mit der unsicheren Finanzlage

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Intendant Ralf Ebeling (vorne rechts) und das Team des WLT bei der Eröffnung der Spielzeit 2012/13. Archiv-Foto: Wengorz
2014 sind es 10.000 Euro, 2015 20.000 Euro und ab 2016 jährlich 30.000 Euro, die das Westfälische Landestheater im Zuge des Stärkungspaktes Stadtfinanzen einsparen muss. „Wir haben noch Glück gehabt, was die Stadt angeht“, erklärt Intendant Ralf Ebeling. Zu befürchten sind allerdings noch weitere drastische Einschnitte. Wir haben mit dem 52-Jährigen darüber gesprochen, inwiefern finanzielle Probleme die künstlerische Arbeit beeinflussen und wie man als Theater reagieren kann.

„Sparen kann man letzendlich überall“, erklärt Ralf Ebeling. „Schwierig wird es allerdings, wenn das Produkt beschädigt wird, die künstlerische Qualität nicht mehr stimmt.“ Dies zu verhindern sei nun die Hauptaufgabe, der man sich als Theater stellen müsse. Man versuche, die Qualität der Produktionen auf einem nach wie vor hohen Niveau zu halten und die fehlenden Finanzmittel durch höhere Eigeneinnahmen auszugleichen. „Das Problem ist allerdings, dass viele Städte, an die wir unsere Stücke verkaufen, ebenfalls vom Stärkungspakt betroffen sind.“ Der Wille, in den Einkauf von Theater-Gastspielen zu investieren, sei also oft nicht mehr gegeben.
Des Weiteren versuche man, Investitionen zurückzufahren, beispielsweise im Bereich der Beleuchtungs- und Tonanlagen, im Fuhrpark oder bei der Ausstattung der Werkstätten zu sparen. „Es muss nun mehr improvisiert werden“, so Ebeling.
Zudem gebe es personelle Einsparungen – diese versuche man allerdings möglichst gering zu halten. „Eine Stelle im technischen Bereich konnte durch den Weggang eines Mitarbeiters eingespart werden“, so der Intendant. Aus einer Stelle im Bereich Marketing sei eine halbe geworden und man plane, zukünftig nur drei von ursprünglich fünf Azubi-Stellen wiederzubesetzen. Auf das Schauspielensemble in seiner jetzigen Größe könne man nicht verzichten.
Sorgen bereitet Ebeling vor allem der Blick in die Zukunft. „Den größten Brocken an Fördermitteln bekommen wir vom Land“, erklärt er. Nun sei für das Jahr 2014 eine Kürzung von Zuschüssen für Tariferhöhungen in Höhe von rund 70.000 Euro im Gespräch. „Wir planen bereits für das Jahr 2014/15, müssen Verträge machen und Leute engagieren und das auf dieser Basis. Da hat man schon ein etwas mulmiges Gefühl.“
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