Männer auf Mammuts

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Albert Stehle (l.) und Martin Knasiak lieben Motorräder. Nicht irgendwelche. Es muss schon Münch draufstehen. Und wenn es dann die "Münch Mammut 2000" ist, schlägt das Motorradfahrer-Herz höher. In Castrop-Rauxel gibt es zwei dieser Maschinen, gebuat wurden überhaupt nur 15 Stück. (Foto: Thiele)
 
Mit Motorrädern kennen sie sich aus, vor allem mit der "Münch Mammut 2000": Albert Stehle (l.), Bergmann im Vorruhestand, und Zweiradmechaniker Martin Knasiak. (Foto: Thiele)

Wenn Albert Stehle mit seinem Motorrad unterwegs ist, dann zieht die Maschine alle Blicke auf sich. Der 54-jährige Castrop-Rauxeler fährt nicht irgendein Motorrad. Er kommt auf einer „Münch Mammut 2000“ daher.

Das Besondere an diesem Motorrad: Nur 15 Stück wurden weltweit im Jahr 2002 gebaut. Und die Münch Mammut 2000 ist mit 265 PS und 385 Newtonmetern (Nm) auch heute noch das leistungsstärke Motorrad mit Straßenzulassung.
Zwei davon stehen – oder besser fahren – in Castrop-Rauxel. Eine gehört, wie erwähnt, Albert Stehle, Bergmann im Vorruhestand. Die zweite gehört dem 50-jährigen Zweiradmechaniker Martin Knasiak. Er hat die Nummer 15 von 15 Maschinen. Stehle die 6.

„Eigentlich wollte ich damals eine neue Mammut 2000 kaufen“, erinnert sich Albert Stehle. „186.000 DM sollte die im Jahr 2001 kosten. 40.000 DM musste man anzahlen.“ Bekommen hat Stehle kein Mottorrad. Produktionsprobleme. Die Anzahlung gab‘s zurück.

Gleichwohl ist der 54-Jährige Münch-Fan von Kindesbeinen an. Über seinem Bett hing ein Münch-Poster, „aus der Bravo“, und die verschiedenen Modelle kennen er und Martin Knasiak aus Quartett-Spielen.

Die erste Münch live hat Stehle als 15-Jähriger an der Hohensyburg in Dortmund gesehen. „Ich war mit meinem Mofa da. Zwei Leute aus Witten kamen immer mit ihren Münch-Maschinen dorthin.“

1985 besuchte Albert Steh-le dann mit seinem Vater die größte Teile- und Motorradschau in Mannheim. „Da hätte ich eine Münch für 6000 DM haben können. Aber mein Vater hat mich davon abgebracht mit der Frage ‚Was willst Du mit so einem Eisenklotz?‘ Das Motorrad hatte nämlich einen Pkw-Motor aus dem NSU Prinz.“

Zehn Jahre später, also1995, hat Albert Stehle dann seine erste Münch gekauft. „Für 27.500 DM, aus einem Museum. Die hatten da 20 bis 25 Maschinen.“

1997 folgte dann die zweite Maschine. „Bei einem Treffen in Frankreich hat mir ein Club-Kollege in der Sauna eine Münch TTS angeboten. Die war völlig zerlegt. Ich habe sie gekauft und Stück für Stück, Schraube für Schraube, wieder zusammengebaut.“

Schrauben gehört zum Hobby Motorrad dazu. So hat Stehle seinerzeit eine Münch 4 TTSE mit Seitenwagen gefahren. „Das Gespann habe ich selbst umgebaut.“

Wiederholt war der Bergmann im Vorruhestand mit seinen Maschinen unterwegs auf großen Touren. „2008 in Libyen, mit Wüste. 2010 in den USA von Ost nach West. Und 2012 auf Drei-Länder-Tour: Kanada, USA, Mexiko.“

2010 war auch Martin Knasiak dabei.“ Stehle und er kennen sich seit 1998. Und beide gehören dem Münch-Club an, der weltweit nur 105 Personen zählt. Wer nämlich Mitglied in diesem Club werden will, muss Besitzer eines Münch-Motorrades sein.

„Ein Mitglied des Clubs lebt in New York. Das ist ganz praktisch. Denn wenn wir eine Tour in den USA unternehmen wollen, nimmt der unsere Maschinen in Empfang, bereitet alles vor. Wenn wir dann ankommen, setzten wir uns nur noch drauf und fahren los.“

Apropos losfahren: Ein herausforderndes Projekt haben die beiden Münch-Fans gerade in Angriff genommen. Auf einem Salzsee in Bonneville im US-Bundesstaat Utah wollen Stehle und Knasiak auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke einen Rekord aufstellen. „Wir versuchen 200 Meilen/Stunde, also 320 km/h, zu erreichen. Dazu bauen wir eine Münch TTS um. Die Bremsen sind schon verstärkt. Das Motorrad bekommt eine Vollverkleidung, wird tiefer gelegt und getunt. Das nimmt richtig Zeit in Anspruch. Zurzeit hat die Maschine 88 PS. Ich denke, 160 PS sollten reichen für den Geschwindigkeitsrekord.“

Und wann geht es auf die Salzpiste? „2017, eher wohl 2018“, gibt sich Albert Stehle realistisch. Bis dahin hat er noch ausreichend Zeit, seine innige Beziehung zu den Motorrädern zu pflegen und mit den Maschinen zu reden.
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1 Kommentar
30.802
Fritz van Rechtern aus Neukirchen-Vluyn | 05.09.2015 | 14:20  
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