Pauli goes to Africa Teil-II

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„Was will ich eigentlich?“ war die entscheidende Frage, die sich Paulina Sonnenschein nach bestandenem Abitur stellte. Einer Frage, die sie nicht an die Uni sondern erst einmal nach Afrika führte. In der letzten Woche berichteten wir von ihrer ersten Station Namibia. Aber wo ging es danach hin?

„Ganz klar, nach Kapstadt“, strahlt die 19-jährige Voerderin übers ganze Gesicht. „Ich flieg doch nicht so weit weg und lass mir das dann entgehen.“ Klare Aussage und ich werde schon wieder ganz fernsüchtig, als sie mir die Bilder von Tafelberg, Nationalparks und Surftraining in der Brandung zeigt.
Die weiße Gischt der Brandung peitscht über das kristallblaue Wasser auf einen Bilderbuchstrand zu und trifft auf ein Land, wie es lebendiger nicht sein könnte.
„Kapstadt ist eine wahnsinnig pulsierende und lebendige Stadt, sie ist so bunt wie vielfältig. Ein echter Meltingpot. Dort kommen so viele Nationen zusammen, die entweder studieren, arbeiten oder einfach das Land kennen lernen wollen“, erzählt Paulina und zeigt auf ein Bild von einem riesigen Foodmarket. „Das tolle an diesen Märkten ist, dass jeder etwas mitbringt.“

Ein schönes „Bild“, wie ich finde, verleitet es doch, die Welt in einem noch anderen Zusammenhang zu begreifen. So sinnbildlich, wie die Speisen aus allen Ländern hier angeboten werden, so lässt sich der Gedanke auch auf gesellschaftlicher Ebene spinne. Jede Kultur bringt ein Stück Identität mit und vermischt sich zu einem großen Ganzen.
„Die Leute in Kapstadt sind sehr aufgeschlossen, allerdings gilt dort auch manchmal: mehr Quantität als Qualität“, erzählt Paulina und erklärt gleichermaßen, dass es nichts ungewöhnliches sei, manchmal 20 Leute in zwei Wochen kennenzulernen. „Das wäre Zuhause nicht passiert. Da haben alle ihre festen Freundeskreise.“

Menschen die allerdings alleine reisen, sind da viel offener. „Es gibt unglaublich viele Menschen, die in der gleichen Situation, fremd sind und niemanden kennen. Klar ist man da aufgeschlossener und kontaktfreudiger.“
Aber das ist nicht alles, was die junge Frau aus Voerde auf ihrer Reise begriffen hat. „Alleine zu verreisen, heißt, sich kennenzulernen, selbstverantwortlich zu handeln, in sich zu gehen“, dabei lacht sie verlegen. „Das klingt jetzt echt kitschig, oder?“ Überhaupt nicht, denn die Eindrücke, die wir gewinnen, die Erfahrungen, die wir sammeln, entwickeln uns, öffnen Horizonte und lassen uns die Welt mit anderen Augen sehen.

So sind auch die Erfahrungen bei der Arbeit im Kindergarten in Kapstadt prägend geworden. Dort kümmerte sie sich vornehmlich um die Zwei- bis Dreijährigen in der Unterkunft. Sie sangen, spielten und eroberten Paulinas Herz im Sturm. Der Abschied war unendlich hart, aber die glücklichen Momente rechtfertigen es.
Ist Südafrika also das perfekte Urlaubsparadies? „Nein, natürlich nicht, obwohl man das abends nach dem Surfen bei einem Drink auf der Long Street annehmen könnte.“ Denn „auch hier gibt es noch Rassentrennung und die Kriminalitätsrate ist wahnsinnig hoch.“ Die meisten Wege legt man mit dem Auto zurück, selbstverständlich verriegelt, denn nichts passiert so häufig wie Autoüberfälle nachts in Kapstadt. „Deshalb sind wir auch nachts grundsätzlich über rote Ampeln gefahren, viel zu gefährlich, anzuhalten.“ Die aber mit Abstand beängstigendste Erfahrung erlebte die junge Deutsche allerdings, als es hieß, das Taxi könne sie nach der Arbeit nicht nach Hause bringen. „Erst mussten wir warten und dann einen Riesenumweg fahren.“ Ein Bandenkrieg wurde auf offener Straße ausgetragen, Autoreifen brannten, so dass man am nächsten Tag noch die Löcher im Asphalt sehen konnte. „Da hatte ich wirklich zum ersten Mal richtig Angst.“
Ansonsten ist die 19-Jährige ziemlich souverän: „Man sollte keine Angst vor den Unterschieden haben, eher Respekt und sich informieren, wie die Strukturen in einem Land sind, dann kann man sich daran anpassen und auch alleine sicher reisen.“

Nach ganze sechs Monaten und vielen Gedanken, flog sie wieder nach Hause, reifer, reflektierter und ja, mit dem Wissen, was sie wolle. Der irische Schriftsteller George Moore schrieb einmal: „Der Mensch bereist die Welt auf der Suche nach dem,was ihm fehlt. Und er kehrt nach Hause zurück, um es zu finden.“
Was ihre Zukunftspläne angeht, sieht sie nun klarer: „Ich werde auf jeden Fall in den Medienbereich gehen, gerne mit internationaler Ausrichtung.“ Denn diese Reise soll nicht die letzte gewesen sein.
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