Walter Hellmich zum Bahnhof Dinslaken: "Das geht gar nicht !"

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Daumen drücken für die Treppenhelfer, dass der Stadtrat am 16.12.14 für die Vertragsverlängerung der Helfer (hier Thomy Rauer mit helfenden Fahrgästen) stimmt. Sonst stehen alle Menschen mit Rollstuhl, Kinderwägen oder schweren Koffern ab 19. 12. 14 (dann dem letzten Arbeitstag der Treppenhelfer) wieder ohne Hilfe da.
 
Walter Hellmich.
Der Vater der Neutor Galerie verspricht hier persönlichen Einsatz und Vorfinanzierung!

Selten wird Journalisten-Mühe so schnell beantwortet: Walter Hellmich, auch sozialengagierter Senior-Chef von Dinslakens gleichnamiger Unternehmensgruppe will mit Bürgermeister Dr. Michael Heidinger (SPD, seit über fünf Jahren im Amt) jetzt das jahrzehntelange „Trauerspiel“ um den stufenfreien Gleiszugang am alten Dinslakener Bahnhof alias ServiceStore „so schnell wie möglich beenden.“ (Hellmich).


Aktueller Anlass: Am Welt-Behindertentag war letzte Woche diese Zeitung ausführlichst auf diese „abgefahrene Geschichte“ (so der Titel) eingegangen. Politiker aller Parteien aus Nah und Fern hatten einen erstmals zusammengefassten Fragenkatalog beantwortet. Naheliegender Hintergrund mancher Zögerlichkeit: Die Bahn AG hat dem gerade verabschiedeten Etat der CDU/SPD-Bundesregierung Hunderte von Millionen aus ihrem Gewinn zu überweisen.

Walter Hellmich entschloss sich nach NA-Lektüre spontan gleichen Tages und bat zum Gespräch: „Hellmich finanziert eine sofortige Lösung für unsere Stadt selbst, eine der Bahnhofstreppen wird überbrückt. Zum Beispiel mit einem Treppenlift, jedenfalls mit der optimalsten Lösung, wird jetzt so früh wie möglich und anhaltend bis zum Betuwe-Neubau eine der Barriere-Treppen überwunden. So, wie es ist, kann es nicht länger bleiben!“.

Alles ein Frage der Bahnhofs-Kategorie

Was ich denn dem Walter Hellmich an weiteren Hintergrundinformationen gegeben hätte, fragte zwanzig Minuten danach prompt der Bürgermeister am Telefon. Heidinger vereinbarte sofort den gewünschten Termin mit dem prominenten Mitbürger. Die Zusammenarbeit beim langen Weg zur Neutor-Galerie hatte die beiden so unterschiedlichen Männer zusammengebracht.
Und sie vereinbarten jetzt eine schnelle Zusammenarbeit für ihre Stadt und den heruntergekommenen Fuffziger-Jahre-Bahnhof.
In wenigen Tagen soll es möglichst Neuigkeiten geben, am Besten noch vor Weihnachten. Und auch die improvisierten Treppenhelfer sollen zu Neujahr ihren Job wegen unbedachten Auslaufens ihrer Förderung möglichst nicht verlieren, bevor Gehandicapte auch nur einen Tag wieder ausweglos vor der Treppe stehen. Nun soll es für das reaktivierte Team Hellmich / Heidinger in öffentlich-privatwirtschaftlicher Partnerschaft (PPP genannt) mit Hochdruck daran gehen, der Bahn AG ihr erneutes Stop-Signal aus den bürokratischen Händen zu winden. „So lang wie bei der Neutor-Galerie darf das nicht wieder dauern! Behinderte und andere mobilitätseingeschränkte Menschen vertragen keine Wartezeit.“, erregte sich Walter Hellmich, der privat und als Bauherr zahlreicher barrierefreier Seniorenwohnheime engagiert ist.

DB: Bahnhof DIN ist Kategorie 5 !

Sozialdemokrat Heidinger war bis zu seiner Wahl (im zweiten Anlauf 2009) u. a. in führender Position im Arbeitsministerium des damaligen CDU-Landesministers Karl-Josef Laumann. Er will sich jetzt unabhängig von und parallel zu Hellmichs Bauplänen verstärkt dem auch im Rat der Stadt eingebrachten Antrag der Grünen zur Vertrags-Verlängerung der Treppenhelfer widmen. Und deren weitere Beschäftigung durchsetzen.

Laut Hintergrund-Gesprächen vom Oktober waren seitens der Bahn (Auftraggeber VRR mit Landesmitteln und einer Stadtbeteiligung) als Bauausführende auf eigenem Grund angeblich verlangt worden: Baukosten mit Fahrstuhl 570 TE und Planungskosten 684 TE, das TE steht für Tausend Euro! Obwohl der Stadt das angeblich nötige Dach-Öffnen schon 2009 mitgeteilt wurde, behauptete der DB-Bevollmächtigte für NRW im Oktober, das wäre erst Sommer 2014 kurz vor geplantem Baubeginn Jahreswechsel aufgetaucht, als man in die „Planungstiefe“ ging. Obwohl selbst von der Bahn verschuldet, wären Mehrkosten für eine Neu-Planung dort auf circa 200 TE beziffert worden, wollte man doch pünktlich beginnen. Die müssten „anders aufgebracht“ werden (jetzt natürlich zu spät), man habe schließlich bei den Bahn-Planern „keine personellen Kapazitäten“ dafür frei gehabt. Also erneute Verschiebung, auf 2016.

Inzwischen behaupten Bahnbeschäftigte gar intern, das Bahnsteigdach wolle die Bahn - hier im Gegensatz zu den sechs Oberhausener Liften - für eine Kran-Zug-Anlieferung (samt Streckensperrung!) des Liftes nur deshalb „rückbauen“, weil schon die Liftkabine (geplant 1,10 mal 2,10 m) nicht durch die Bahnhofstür passt. Und der geräumige Zugang zu Halle und Treppe vom einstigen Lastenzugang östlich am Gebäude? Den habe man beim Einbau des ServiceStores prompt zugemauert. Was „Planungstiefe“ so alles an den Tag bringt...

Den weltweit erfolgreichen Bauunternehmer Walter Hellmich bringt so etwas „auf die Palme“ - und ganz ohne Fahrstuhl: „Ich will gar nicht sagen, wie wenige Stunden eines einzigen Arbeitstages meine Profis mit einer solchen Fahrstuhlplanung beschäftigt wären.“

ThyssenKrupp Elevators, die inzwischen im Oberhausener Bahnhof die sechs Fahrstühle eingebaut haben, bieten sogar auf ihrer Website allen Interessenten eine online-Lifteinbau-Planung mit Kalkulation zum Selbermachen an, die jeder Laie testen kann.

Die Online-Plattform „Wikipedia“ allerdings birgt ein furchtbares Geheimnis mit lauthals wieherndem Amts-Schimmel. Wer den Dinslakener Bahnhof auf dieser, nur von Nutzern gestalteten Lexikon-Seite nachschlägt, findet ihn noch falsch der Bahnhofskategorie 3 zugeordnet. Für die nennt die Bahn „Hauptbahnhöfe kleiner bis mittelgroßer Städte...Aufzüge sind zu finden.“
Was das Verhalten der Bahn AG so merkwürdig machte. Andere Bahnhofsinfo-Seiten begründen die angebliche Kategorie 3 für DIN mit der Straßenbahnlinie 903, die den einst bahnhoflos gewordenen Walsumern die Anbindung ans Bahn-Netz garantiert und so den „Bf Din“ aufwertet.

Doch: Wie im NA (und unter lokalkompass.de /496421) nachzulesen, wurden nach SPS 11 alle deutschen Bahnhöfe 2011 neu kategorisiert. Ein wichtiger Punkt für die Einstufung u.a.: „technische Stufenfreiheit“. Die ist für die Großstadtbahnhöfe der Stufe 1 und 2 z.B. verpflichtend vorgesehen, wird von Kategorie zu Kategorie abwärts immer unverbindlicher und ist jedenfalls für die bloßen „Landhalte“ der letzten Stufe 7 (Infrastruktur: Eine Bahnsteigkante) dann vollends verzichtbar.
Die aktuelle „Stationspreisliste / Bahnhofskategorie-Liste“ der DB AG selbst aber verrät die Wahrheit: Dinslaken ist längst runterkategorisiert und bahnoffiziell in Kategorie 5 von insgesamt 7 gelandet! Lift „rein kategoriemäßig“ nicht vordringlich erforderlich.

www.deutschebahn.com/de/geschaefte/infrastruktur/bahnhof/bahnhofs-kategorien.html

Einer der Gründe (neben Bahnsteigzahl- und Länge, Fahrgast-Aufkommen etc.) für solche Abstufungen ist:

Kein stufenloser Gleiszugang vorhanden. Die Kategorie 4 knapp darüber wird beschrieben als „mit der eines Busbahnhofs vergleichbar und beinhaltet in der Regel Wetterschutz und Sitzgelegenheit.“. Stufe 4!

Die genaue Bahn-Beschreibung der wahren Dinslakener Bahnhofs-Kategorie 5 darunter findet sich wörtlich unten. Da ist wohl von einigen in dieser Stadt jahrelang schlecht „gegoogelt“ worden. Von wegen „Abstufung stand nie zur Diskussion“.

Bahn: „Weniger ist hier oft mehr“.

Welcher Kategorie der Bf Dinslaken künftig mit Güterbahngleis (samt geplantem Bahnsteig!) und Verlängerung des Fahrgast-Tunnels samt Durchstich zur anderen Seite (und vor allem wann?!) einmal zugehören soll, steht in der Planung, sprich in den Sternen.
Walter Hellmich jedenfalls will möglichst sofort eine provisorische Lösung für seine Heimatstadt und bemüht sich persönlich darum. Der Bürgermeister auch.

Bf Dinslaken: Kategorie 5!
„Die Kategorie 5 beinhaltet Bahnhöfe kleinerer Städte und zahlreiche Stadtteilbahnhöfe, die größtenteils von Pendlern genutzt werden. Diese rund 1.000 Bahnhöfe sind weniger belebt, weshalb auf eine robuste Ausstattung geachtet wird, die auch Vandalismus standhält. Weniger ist hier oft mehr: Statt in nicht benötigte Ausstattung zu investieren, werden Mittel wirkungsvoll für Reinigung und Instandhaltung eingesetzt.“ DB AG

Kommentar:
Happy End vor Weihnachten?

Hoffnungsschimmer im Advent: Unternehmer Walter Hellmich aus Dinslaken ist ein praktischer Mann und kümmert sich um Vieles: Vom allzu bunt flackernden Weihnachtsbaum in „seiner“ brummenden Neutor-Galerie („Der soll strahlen, nicht blinken!“). Bis zum vernachlässigten Bahnhof aus dem Jahre 1956 mit dem fehlenden Lift für die „Mühseligen und Beladenen“. Ob der sozial engagierte Walter Hellmich einen von ihm teuer vorfinanzierten Treppenlift irgendwann einmal gebraucht und überholt noch in einem seiner Seniorenwohnheime wird verwenden können? Und ist das jetzt nicht egal? Wenn irgendwann und falls überhaupt jemals wegen der Güterbahn-Linie Betuwe (von MdBs genervt „der andere Dauerbrenner“ genannt) sich irgendwas am Bahnhof Dinslaken tut! Diese „abgefahrene Geschichte“ hatten Politiker schon für beendet erklärt. Jetzt kümmert sich Hellmich. Tu Gutes und rede darüber!
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