Dinslaken: Wo bleibt der Bahnhofsfahrstuhl?

Anzeige
Rollifahrerin Rita Lenz weist seit Jahren auf die unhaltbaren Zustände am fahrstuhllosen Bahnhof hin. Foto: cd
 
Jürgen Weber (Lebenshilfe Dinslaken) setzt sich ebenfalls seit Jahren für denLift ein. Foto: cd
 
26 Stufen mit Rolli, Gepäck oder Kinderwagen zum Bahngleis hoch oder runter steigen?! Fotos: cd
Dinslaken: Bahnhof | Bahn-Manager vertrösten ganz Dinslaken jetzt auf einmal bis 2016:

Die unendliche Geschichte geht weiter: Bis 2016 müssen Rollifahrer, ältere Menschen mit Gepäck oder jüngere mit Kinderwagen wohl weiter die Treppe am 100-jährigen Dinslakener Bahnhof zu den Bahngleisen bewältigen.


Marga Kruppa von der Seniorenvertretung ist mehr als erbost: „Das ist eine richtige Schweinerei!“. Auch Baudezernent Dr. Thomas Palotz traute seinen Ohren nicht, als die Vertreter der Deutschen Bahn ganz nebenbei erwähnten, dass sie vor 2016 nicht mit den nötigen Fahrstuhl-Bauarbeiten beginnen wollen.

Dabei hatte das Gespräch so viel versprechend angefangen: Dinslakens Finanzierung des nun auf 480.000 € veranschlagten Bahnhofsfahrstuhls steht. Bzw. stand bis dahin, denn durch die Verschiebung auf 2016 sind die Fördermittel nun nicht mehr sicher. Sie verfallen, wenn sie nicht bis 31. Dezember 2014 abgerufen werden. Die dafür nötigen Bauanträge aber sind noch nicht mal eingereicht worden! Wie der Vertreter des Verkehrsverbundes Rhein - Ruhr (VVR) empört bemerkte. Auch die Meldung über die nötigen Sperrzeiten während der Bauphase sei bisher nicht erfolgt, was dann natürlich ebenfalls zu entsprechenden Bau-Verzögerungen führen würde.

Der Fahrstuhl war ursprünglich ja schon für 2013/2014 von der Bahn fest versprochen worden.

Dinslakens Bahnhof ist ein Dauerdrama. Inzwischen hat er nicht mal mehr Türen. Von der vorgeschriebenen Barriererefreiheit ganz zu schweigen. Es gibt keine rollstuhlgerechten Schalter oder Vorrichtungen für blinde oder taubstumme Menschen. Das Ein- und Aussteigen in die Züge ist aber auch für ganz normale Reisende ein Abenteuer. Wegen der großen Lücken zwischen Bahnsteig und Zug immer wieder Anlass für gefährliche Fehltritte. Besonders kleine Kinder oder ältere Menschen stolpern öfters zwischen Zug und Gleis.

Dass bisher noch nichts Schlimmeres passiert ist, ist den aufmerksamen Mitreisenden zu verdanken, die beherzt eingegriffen und die Gefallenen schnell wieder hoch gezogen haben.

Die Stadtspitze um Bürgermeister Dr. Michael Heidinger will die neuerliche Verschiebung des Fahrstuhl-Einbaues durch die Deutschen Bahn nicht hinnehmen: „Die Stadt hat trotz schwieriger Finanzlage und mit größter Anstrengung ihre Mit-Finanzierungszusage gegeben. Wir erwarten, dass sich auch die Bahn an die Vereinbarungen und erforderlichen Fristen hält.“

Eine SMS des Bürgermeisters an NRW-Bauminister Mike Groschek, der seinen Bundestagswahlkreis hier in Dinslaken hatte und die Fahrstuhl-Tragödie seit Jahren kennt, folgte auf den Fuß. Ein offizieller Brief, in dem um ministerielle Unterstützung auf höchster Ebene gebeten wird, ist auf dem Weg.

Und ganz sicher wird der fehlende Bahnhofsfahrstuhl auch beim Besuch des Ministers am 26. Oktober im neuen Bergpark Lohberg heißes Thema sein.

Briefe an Bahn und Politik

Nach langen Jahren des Kampfes um den Bahnhofsfahrstuhl wurde 2012 eine Vereinbarung zwischen der Stadt Dinslaken und der Deutschen Bahn (DB Station & Service) zur anteiligen Finanzierung eines barrierefreien Bahnsteiges geschlossen.

Auch die Aufnahme in das DB-Bauprogramm 2013/2014 gelang mit viel überparteilicher Power.

Generationen engagierter Bürger, Politiker und Verbände in Dinslaken haben sich für den Bau eines Fahrstuhls am Bahnhof eingesetzt.

Jürgen Woydich (CDU Senioren Union) zeigte uns die dicke Mappe mit den Briefen u. a. an Kanzlerin und Bahnchef. Woydich: „Eingehakt haben wir 2011 nach einer Talksendung bei Beckmann: Der frischgebackene Bahnchef Grube sagte damals, dass er bemüht sei, Anregungen und Wünsche der Menschen aufzugreifen und sich für die Umsetzung einzusetzen.

Wie man im ausführlichen Briefwechsel nachlesen kann, war es ein steiniger Weg durch den Zuständigkeits- und Behörden-Dschungel. Obwohl nie auch nur einer die Notwendigkeit eines Fahrstuhls hier in Frage gestellt hat! Gehakt hat es lange bei der Gleissicherung, die für den Ausbau nötig ist. Um es kurz zu machen: Der letzte Stand am 10. Februar 2014 war, dass der DB-Konzernbevollmächtigte für das Land Nord-Rheinwestfalen, Reiner Latsch in einem Brief an mich schrieb, dass der Baubeginn zu einem barrierfreien Dinslakener Bahnhof mit Fahrstuhl „voraussichtlich in 2015 erfolgen“ würde.

Es war die Antwort auf einen Brief, den wir am 20. Januar an Bahnchef Grube geschrieben hatten, in dem wir deutlich nachfragten: „(...) Nun schreiben wir das Jahr 2014, aber leider merken wir noch nicht, dass etwas geschieht. Am Montag, 13.10.14 haben wir die Kanzlerin direkt um Hilfe gebeten, damit die zugesicherten Fördergelder für den Fahrstuhl nicht verfallen. Denn das würde alles wieder um Jahre verschieben“.

Bahnzusage einklagen:

Mit Verwunderung und Verärgerung nimmt auch die Ratsfraktion der Linken den plötzlichen Sinneswandel der Deutschen Bahn zur Kenntnis. Ihrer Meinung nach sind die Schritte, die Bürgermeister Michael Heindinger eingeleitet hat, zwar nötig, aber nicht ausreichend. Nach Meinung der Linken muss die Stadtverwaltung ebenfalls schnellstens klären, welche juristischen Möglichkeiten es gibt, die Zusagen der Bahn notfalls einklagen zu können. Und man erwarte auch, so Linken-Ratsherr Daniel Luther, dass bis zur Fertigstellung des Fahrstuhls, die Kofferträger am Bahnhof eine feste und angemessen bezahlte Anstellung erhalten.
Denn ohne diesen kostenlosen Service (leider nur bis 18 Uhr) sind gehandicapte und ältere Menschen allein auf die freundliche Hilfe ihrer Mitreisenden angewiesen.

Kommentar:
Haltepunkt auf freier Strecke?

Die Deutsche Bahn nimmt unsere Stadtväter nicht ernst. Zusagen werden nicht eingehalten, städtische Mit-Finanzierung eines bahneigenen (!) Lifts ist ihr egal. So egal wie gelähmte Fahrgäste, die sich abends allein stufenweise mit nackten Händen die dreckigen Treppen empor robben müssen. In der Einkaufs-Stadt mit Neutor-Galerie!
Ein Lift? 2013, dann 2014, dann erst beim Betuwe-Neubau? Nun nicht vor 2016 usw. Den alten Lastenfahrstuhl haben sie versperrt, Bahnhofs-Türen ausgehängt, schon darf „Bahnhof“ nicht mehr am Gebäude stehen! Er soll wohl aktiv zum Haltepunkt verwahrlost, geschlossen und abgerissen werden? Wenn´s dann statt Bahnhof nur seitlich am Damm hoch eine Rampe zum nicht mehr überdachten Gleis gibt, da habt Ihr Euren Rolli-Zugang! Dinslaken? – Nur noch ein Halt auf freier Strecke. Bei alljährlich massiv erhöhten Fahrpreisen, versteht sich. Bitte einsteigen!
(Texte: Caro Dai).
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.