Weniger Fälle - mehr Aufklärung: Dortmunder Polizei stellt Kriminalitätsstatistik vor

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76.259 Straftaten zählte die Polizei in Dortmund im vergangenen Jahr, das sind 8,77 Prozent weniger als im Vorjahr (2015: 83.586 Straftaten). (Foto: Magalski)
 
Polizeipräsident Gregor Lange: "Wir müssen dranbleiben und nachlegen."
Polizeichef Gregor Lange hatte eine klare Botschaft. Die Vorstellung der Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2016 leitete er so ein: „Für alle, die gerne mit der Angst der Menschen spielen, um darauf ihr rechtsextremistisches, fremdenfeindliches Süppchen zu kochen, und für alle, die den Institutionen des demokratischen Rechtsstaats populistisch das Vertrauen entziehen möchten, haben wir heute schlechte Nachrichten.“

Diese schlechten Nachrichten sind aus Sicht der Polizei und der Bevölkerung gute: Die Kriminalitätsquote in Dortmund ist rückläufig, die polizeiliche Aufklärungsquote hingegen befindet sich im Fünfjahreshoch.

In Zahlen: 76.259 Straftaten zählte die Polizei in Dortmund im vergangenen Jahr, das sind 8,77 Prozent weniger als im Vorjahr (2015: 83.586 Straftaten). Der Rückgang ist vor allem auf die verminderten Diebstahldelikte und Betrugsfälle zurückzuführen. Die Aufklärungsqoute war im gleichen Zeitraum mit 52,95 Prozent (2015: 50,84 Prozent) so hoch wie in den vergangenen fünf Jahren nicht.

Steigerung im Bereich der Sexualdelikte

Die einzige nennenswerte Steigerung hat es im Bereich der Sexualdelikte gegeben, von 405 Fälle im Jahr 2015 (einem im Fünf-Jahres-Vergleich sehr niedrigen Wert) auf 501 in den vergangenen zwölf Monaten. Hier zeigt sich die Tücke der Statistik. Zum einen liegt der Wert für das Jahr 2016 immer noch unter dem Durchschnittswert der letzten fünf Jahre (564), zum anderen ist nicht klar abtrennbar, welche Einflüsse zu diesem Ergebnis geführt haben. Ein geändertes Anzeigeverhalten der Bevölkerung, beispielsweise als Folge der Kölner Silvesternacht, und eine größere Sensibilisierung für dieses Thema könnten solche äußeren Einflüsse sein.

Die Entwicklung der Kriminalität 2016 in Stichpunkten


- Zahl der Straßenraube hat stark abgenommen: 473 Straßenraube wurden in Dortmund 2016 notiert, das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um fast ein Viertel (2015: 619). Seit dem Jahr 2013 ist ein kontinuierlicher Rückgang feststellbar

- Zahl der Diebstahldelikte hat leicht abgenommen: Die Zahl ist von 40 706 (2015) auf 34 260 zurückgegangen. Die Diebstahldelikte sind aber immer noch die häufigsten Delikte (44,9 Prozent aller Taten)

- Zahl der Wohnungseinbrüche deutlich gesunken: Nach steigenden Zahlen in den vergangenen Jahren ist 20216 erstmals ein Rückgang festzustellen, 2844 Fälle wurden 2016 gezählt (2015: 3357). Gestiegen ist hingegen die Aufklärungsquote, sie liegt bei 12,5 Prozent (2015: 10,9 Prozent). Ebenfalls angestiegen ist die Versuchsquote bei Einbrüchen, von 44,8 Prozent im Jahr 2015 auf 47,4. Dafür macht die Polizei die Arbeit der eigens dafür eingerichteten Ermittlungskommissionen wie auch die technische Aufrüstung der Wohnungen verantwortlich.

Keine signifikante Auffälligkeit bei Ausländern: 57 Prozent der Verdächtigen sind Deutsche, 43 Prozent Ausländer. Die Analyse ist aber schwierig, weil beispielsweise reisende Täter nicht der Dortmunder Bevölkerung zugeordnet werden können, aber in die Statistik einfließen. Was sich sagen lässt: Straftäter aus Marokko, Algerien und Tunesien sind überproportional stark für Delikte wie Taschendiebstahl oder Raubüberfälle verantwortlich. Es zeigt sich aber ebenso: Im vergangenen Jahr sind mehr Ausländer nach Dortmund gekommen, die Zahl der Straftaten nimmt aber ab.
Lange führt die guten Gesamtergebnisse insbesondere auf eine Schwerpunktsetzung und die Konzentration der Kräfte zurück.

"Multiproblemviertel" hat Priorität

„Die Menschen wollen zu Hause in ihren eigenen vier Wänden möglichst sicher sein vor ungebetenen Gästen. Und sie möchten sich auf den öffentlichen Wegen und Plätzen unserer Stadt bewegen können, ohne Gefahr zu laufen, Opfer einer Straftat zu werden. Deshalb haben wir die Bekämpfung des Wohnungseinbruchs, die Sicherheit in dem „Multiproblemviertel“ Nordstadt sowie die Straßen- und Gewaltkriminalität mit hoher Priorität versehen“, erkläre er. Das dauerhafte Engagement zeige Wirkung, der „hohe Kontrolldruck“ zahle sich aus. Der Polizeipräsident fasst zusammen: „Wir sind auf dem richtigen Weg, aber noch lange nicht am Ziel. Wir müssen dranbleiben und nachlegen.“
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